Kindergärten und Schulen geschlossen: Nur noch Kinder von „Schlüsselpersonen“ werden betreut

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Wegen des Coronavirus sind bereits alle Schulen und Kindergärten geschlossen. Nur noch wenige Kinder werden jetzt weiterhin betreut. Hinter den Eltern und Erziehern liegen anstrengende Tage.

Stadtlohn

, 18.03.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viele Eltern standen vor einem großen Problem“, sagt Juliane Rehkamp, Leiterin des DRK-Familienzentrums „Prinz Botho“ in Stadtlohn. Denn seit Montag, 16. März, sind alle Schulen und Kindergärten geschlossen. Für Montag und Dienstag gab es überall noch eine Notfall-Betreuung. Doch ab Mittwoch sollen vorerst bis zum Ende der Osterferien nur noch Kinder von sogenannten „Schlüsselpersonen“ betreut werden.

„Die Eltern sind vorrangig angehalten, die Betreuung der Kinder privat zu organisieren“, teilt der Kreis Borken mit. Für viele Eltern im ersten Moment eine schwierige Situation, da sie auch arbeiten müssen und nicht den ganzen Tag auf ihre Kinder aufpassen können. In den vergangenen Tagen habe es sehr viele Gespräche mit vielen Eltern gegeben, erzählt Juliane Rehkamp.

Keine Verunsicherung mehr bei den Eltern

Die Kommunikation zwischen Eltern und Kindertagesstätte hätte bislang aber sehr gut funktioniert, sagt sie. Ein Eindruck, den Nicole Kirchhoff, Vorsitzende des Elternbeirats „Prinz Botho“, nur bestätigen kann: „Es fühlen sich alle gut informiert.“ Sowohl die Kommunikation mit Juliane Rehkamp als auch unter den Eltern sei sehr gut gewesen.

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Wichtig sei es zuerst gewesen, „den Eltern die Angst zu nehmen“, erklärt die 39-jährige Mutter zweier Kinder. Allen wurde schnell klar gemacht, „dass sie nicht von heute auf morgen von der Kindertagesstätte stehen gelassen werden“. Schwierig sei zwischenzeitlich aber gewesen, dass die offiziellen Informationen oft schon nach wenigen Stunden überholt waren und es neue Anweisungen gab.

Doch nun sei alles geklärt. „Aus Elternsicht gibt es keine offenen Fragen mehr“, sagt Kirchhoff. Dadurch spüre sie nun auch keine Verunsicherung mehr bei den Eltern der Kinder. Zwar sei gerade sie als Vorsitzende des Elternbeirats in den vergangenen Tagen noch immer wieder gefragt worden, ob sie schon etwas Neues wisse, doch das sei auch vollkommen normal.

„Noch viele offene Fragen“ für Kindergärten

Drei Kinder werden in nächster Zeit erst mal im DRK-Familienzentrum betreut, verrät Juliane Rehkamp. Alle anderen Kinder gelten also nicht als besondere Fälle mit Schlüsselpersonen als Eltern. Das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen beschreibt Schlüsselpersonen als diejenigen, die „in kritischen Infrastrukturen“ tätig sind. Dazu zählen:

  • Energie-Sektor
  • Wasser- und Entsorgungs-Sektor
  • Ernährungs- und Hygiene-Sektor
  • Informationstechnik- und Telekommunikations-Sektor
  • Gesundheits-Sektor
  • Finanz- und Wirtschaftswesens-Sektor
  • Transport- und Verkehrs-Sektor
  • Medien-Sektor
  • Staatliche Verwaltung
  • Schul-Sektor sowie Behinderten-, Jugendlichen- und Kinderhilfe


Ist jedoch nur ein Elternteil in einem der Sektoren tätig, hat ihr Kind kein Anrecht auf eine Betreuung. Es müssen beide Eltern „in einem Bereich, der für die Aufrechterhaltung der kritischen Infrastrukturen“ arbeiten, damit ihr Kind betreut wird. Alleinerziehende Mütter oder Väter, die in einem der Bereiche arbeiten, haben dagegen ein Anrecht darauf, dass ihr Kind betreut wird.

Viele Arbeitgeber, so die Erfahrung von Nicole Kirchhoff, würden den Eltern aber aktuell ohnehin entgegenkommen. Ein Chef habe beispielsweise zu einer Mutter gesagt, „feiere erst mal deine Überstunden ab“, erzählt sie. Im DRK-Familienzentrum muss derweil noch weiter geklärt werden, wie nun vorgegangen wird in den kommenden Tagen und Wochen. Beispielsweise die finanziellen Aspekte.

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„Es gibt noch viele offene Fragen“, sagt sie. Doch eines ist ihr klar: „Die Regierung ist gerade mit noch wichtigeren Fragen beschäftigt.“ Daher käme es auch für sie nicht überraschend, wenn erst in ein oder zwei Wochen alle Fragen geklärt wären. Das Wichtigste sei aktuell aber erst mal, „dass die Maßnahmen dazu beitragen, das Virus aufzuhalten“.

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