Katzenbabys zwischen Strohballen entdeckt – Sandra Wullers zog sie auf

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Ernie und Bert sind zwei Katzenbabys, die in Stadtlohn gestrandet sind. Sandra Wullers hat die beiden aufgezogen – mit dem Fläschchen und mit viel Liebe. Sie ist nicht die einzige „Katzenmutter“

Stadtlohn

, 07.08.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bert ist ein Forscher. Eben noch tapst er unters Sofa der Familie Wullers. Im nächsten Moment krabbelt er in eine Papiertüte. Ernie schnurrt schläfrig in seinem Körbchen. Die beiden Katzenbrüder sind erst wenige Wochen alt. Und doch haben sie das Abenteuer ihres Lebens bereits hinter sich.

Entkräftete Kätzchen zwischen Strohballen entdeckt

Ernie und Bert kamen mit einer Strohlieferung nach Stadtlohn. Der Landwirt entdeckte die beiden hungrigen Katzenbabys zwischen den Strohballen und gab sie ins Tierheim. Sie waren nur so groß wie eine Faust und wogen gerade einmal 300 Gramm. Von der Katzenmutter oder von möglichen Geschwistern fehlte jede Spur. Jetzt, vier Wochen später, sind die beiden Findelkatzen wieder zu Kräften gekommen. Zu verdanken haben sie das ihrer „Adoptivmutter“ Sandra Wullers.

Die 46-jährige Stadtlohnerin arbeitet in „Julias Tierheim“ in Ahaus. Erstmals hat sie sich jetzt in ihrer Freizeit ehrenamtlich als Pflegestelle für Katzenbabys zur Verfügung gestellt. Das ist eine Aufgabe, die die Tierfreundin rund um die Uhr in Anspruch nimmt. „Alle zwei Stunden mussten Ernie und Bert mit der Flasche gefüttert werden – Tag und Nacht“, sagt Sandra Wullers.

Bert geht auf Entdeckungstour in der Wohnung der Familie Wullers.

Bert geht auf Entdeckungstour in der Wohnung der Familie Wullers. © Stefan Grothues

Das hat sie an die Zeit erinnert als ihr beiden Söhne Nico (17) und Jannek (19) noch klein waren. „Ich wusste, was auf mich zukommt“, sagt sie lachend. Sie ahnte aber nicht, dass auch manche Sorgen auf sie zukommen würde.

Ernie wurde tröpfchenweise ernährt

„Ernie hat eine angeborene Kieferfehlstellung und konnte zuerst nicht richtig saugen. Er musste Tropfen für Tropfen gefüttert werden. Es war ein Kampf ums Überleben“, sagt Sandra Wullers. Doch Ernie hat den Kampf gewonnen, dank der Zuwendung von Sandra Wullers. Jetzt sind die beiden Findelkatzen schon der Flasche entwöhnt und fressen selbstständig.

Julia Rehermann, Leiterin von „Julias Tierheim“ in Ahaus ist froh über das Engagement der insgesamt neun „Pflegemütter“, die das Tierheim ehrenamtlich beim Aufziehen der verwaisten Katzenbabys unterstützen. „Die zeitintensive Betreuung bei Tag und Nacht könnten wir im Tierheimalltag gar nicht nebenher leisten.“

Inzwischen fressen Ernie (l.) und Bert schon selbstständig Nassfutter.

Inzwischen fressen Ernie (l.) und Bert schon selbstständig Nassfutter. © Stefan Grothues

Rund 600 Fundkatzen im Jahr nimmt Julias Tierheim auf. 400 von ihnen sind Jungkatzen, rund 50 müssen noch mit der Flasche großgezogen werden. „Das schaffen wir dank der Tierliebe der Frauen in unseren Pflegestellen“, sagt Julia Rehermann.

„Es ist anstrengend, aber man bekommt viel mehr zurück. Tiere geben so viel Liebe“, sagt Sandra Wullers. Sie ist mit Hund, Katze und Vögeln aufgewachsen. „Als ich mit 18 in meine erste eigene Wohnung gezogen bin, habe ich mir als erstes eine eigene Katze gekauft: Jojo, ein roter Kater“, sagt Sandra Wullers und und lacht. „Ich bin eben ein Katzentyp. Sie sind zwar eigensinnig und tun meistens das Gegenteil von dem, was man sagt. Aber sie geben auch soviel Liebe.“

Weitere Katzenmütter gesucht

Die Pflegestellen für Katzenbabys sind auf den ganzen Nordkreis verteilt. „Und es dürfen gerne mehr werden“, sagt Tierheimleiterin Julia Rehermann. „Die Katzenmütter müssen nicht von vorneherein Katzenexpertinnen sein. Wir stehen stehen ihnen mit Rat und Tat zur Seite.“ Auch müssen die Pflegestellen keinen finanziellen Aufwand fürchten. Fläschchen, Futter und Katzenstreu stellt das Tierheim. Wer sich sich in der Katzenpflege engagieren möchte, kann sich direkt bei Tierheimleiterin Julia Rehermann unter Tel. (02561) 866085 oder info@julias-tierheim.de melden.

Ernie und Bert werden in 14 Tagen acht Wochen alt. Dann können sie in eine Familie vermittelt werden. Sandra Wullers sieht das mit gemischten Gefühlen. „Wenn man Katzenbabys aufzieht, dann hat man schon eine sehr enge Beziehung.“ Sie hofft, dass die beiden gemeinsam in eine Familie aufgenommen werden. Bei den Wullers ist dann wieder neuer Platz für neue Katzenbabys. Sandra Wullers sagt strahlend: „Ich werde es wieder tun. Da geht einem ja das Herz auf.“

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