Jüngster Busfahrer im Kreis: Leon Stovermann fährt mit 19 Jahren einen 19-Tonner

dzBusfahrer im Münsterland

300 PS, 19 Tonnen Gesamtgewicht, 105 Sitz- und Stehplätze und 90 absolvierte Pflichtfahrstunden, um diese Riesen bewegen zu dürfen. Leon Stovermann ist der jüngste Busfahrer im Münsterland.

Stadtlohn

, 31.01.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie sind groß, wirken nicht besonders wendig und Menschen mit ihnen zu befördern, bringt enorme Verantwortung mit sich. Leon Stovermann aus Stadtlohn ist 19 Jahre alt und damit der jüngste Busfahrer im Münsterland. Die bis zu 19 Tonnen schweren Busse, mit denen er seit Ausbildungsbeginn am 1. August 2019 bei der RVM zu tun hat, sind rund 300 PS stark.

Im vergangenen Jahr hatte der Stadtlohner nach dem Fachabitur mit dem Schwerpunkt „Gesundheit und Soziales“ am Canisiusstift in Ahaus schon eine Ausbildungsstelle zum Radiologieassistenten sicher. Dann kam doch alles anders.

„Eigentlich war es eine ganz spontane Entscheidung“, erklärt er „aber es war die richtige“. Um Geld für seine Ausbildung zu verdienen, war Leon Stovermann als Aushilfe für Fahrgastbefragungen bei der RVM. „Nach einem unerwarteten Gespräch mit dem Ausbildungsleiter, legte ich das Ziel, Radiologieassistent zu werden, ad acta und bewarb mich bei der RVM“, erklärt er. Das war auch für seine Eltern und Freunde eine Überraschung, „aber sie sind zufrieden, weil ich es bin“.

Regelmäßig tauscht der 19-Jährige seine Fahreruniform gegen einen Blaumann und lernt in der Werkstatt die technischen Hintergründe kennen.

Regelmäßig tauscht der 19-Jährige seine Fahreruniform gegen einen Blaumann und lernt in der Werkstatt die technischen Hintergründe kennen. © RVM

Als Fahranfänger im großen Bus

Als Leon Stovermann anfing, die großen Busse für die RVM zu fahren, war er selbst noch Fahranfänger. „Ich war gerade erst ein Jahr Auto gefahren.“ Mit einer Fahrerfahrung von unter zwei Jahren waren deshalb 90 Pflichtfahrstunden nötig. „Der Fahrlehrer zeigt einem alles sehr gut und man lernt schnell, wie weit man zum Beispiel ausholen muss, um einen Kreisverkehr zu umfahren.“ Zu Anfang fährt der Auszubildende noch mit einem Begleiter.

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Wie groß die Verantwortung ist, die ein Busfahrer trägt, wenn er über 100 Personen befördert, ist Leon Stovermann klar. „Ich denke immer daran, dass die Sicherheit der Fahrgäste vorgeht“, macht er klar. „Da ist Schnelligkeit nicht so wichtig.“

Zwar genießt der Busfahrerberuf keinen besonders guten Ruf, aber für Leon Stovermann geht von ihm trotzdem eine Faszination aus. „Ich kann das gar nicht genau beschreiben, aber ich bin schon immer gerne Bus gefahren, auch die zwei Jahre zur Schule nach Ahaus.“ Und bald darf er auch selber ran. Regelmäßig wird der er auf der Regiobus-Linie R76/77 zwischen Borken, Südlohn, Stadtlohn, Ahaus, Heek und Gronau und im Sommer auch mit dem Fietsenbus im Einsatz sein.

Die Faszination „hat schon auch mit den Bussen zu tun“ sagt er. „Sie sind groß und das Fahren macht richtig Spaß. Man wird im Verkehr ganz anders wahrgenommen.“ Bis Leon Stovermann alle Fahrzeuge, wie einen Doppelstockbus mit 500 PS, vierzehn Metern Länge, vier Metern Höhe und 26 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht fahren darf, muss er aber noch ein Jahr warten. Dabei ist seine Ausbildung so viel mehr als nur Busfahren.

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Schlechter Ruf trotz Vielseitigkeit

„Junge Kollegen?“, fragt Leon Stovermann und lacht. „Das könnten mehr sein.“ Die Altersstruktur in der Branche sei recht hoch. „Viele denken leider, es geht nur ums Bus fahren“, bedauert er. Zwar denkt der 19-Jährige gar nicht viel über seinen Titel als jüngster Busfahrer nach, aber „ich bin aber sehr gespannt auf die Blicke von Gleichaltrigen, wenn ich am Steuer sitze“, erklärt er schmunzelnd.

Auch in der Verwaltung ist der Stadtlohner regelmäßig anzutreffen. Hier teilt er zum Beispiel die Fahrer auf Busse und Dienstpläne auf.

Auch in der Verwaltung ist der Stadtlohner regelmäßig anzutreffen. Hier teilt er zum Beispiel die Fahrer auf Busse und Dienstpläne auf. © RVM

Als FiF, also Fachkraft im Fahrbetrieb bekommt Leon Stovermann Einblicke in die Verwaltung und Werkstatt. „Ich tausche also regelmäßig meine Fahreruniform gegen einen Blaumann oder mein Büro-Outfit“ erklärt er. Im Büro teilt er zum Beispiel Fahrer auf Busse und Dienste auf. „Ich könnte mir sehr gut vorstellen, später 50 Prozent in der Verwaltung und 50 Prozent im Fahrdienst zu verbringen“, malt Leon Stovermann sich seine Zukunft aus.

Die Werkstatt sei trotzdem wichtig, sagt er, um die technischen Hintergründe genau zu kennen. Das Schönste aber, ist der Kontakt zu Menschen, findet er. „Ich habe ein Jahrespraktikum im Stadtlohner Krankenhaus gemacht, da ist mir aufgefallen, wie wichtig mir der Kontakt zu Menschen ist.“

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