Arbeitskreis Stadtlohner Geschichte 1933-1945 setzt Zeichen gegen Antisemitismus

dzHandeln statt nur erinnern

Solidarität und für das Thema sensibilisieren: Mit einer besonderen Aktion zeigt der Arbeitskreis Stadtlohner Geschichte 1933-1945 Anteilnahme nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle.

Stadtlohn

, 22.10.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Blumen haben Mitglieder des VHS-Arbeitskreises „Stadtlohner Geschichte 1933-1945“ an jüdischen Erinnerungsorten in Stadtlohn – wie den Stolpersteinen und am Ort der ehemaligen Synagoge – am Montag niedergelegt. Anlass dafür ist der Anschlag auf die Synagoge in Halle. „Dieses Ereignis hat vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte bei den uns große Besorgnis ausgelöst“, sagt die Leiterin des Arbeitskreises, Ingeborg Höting.

Im Stadtlohner Arbeitskreis wird seit dem Frühjahr eine spezielle Ausstellung vorbereitet. Sie trägt den Titel „Jüdische Familien in Stadtlohn. Ihre Schicksale im Nationalsozialismus“ und wird ab dem 9. November zu sehen sein. Die Schau stellt die Verfolgten, ihre Gesichter und ihre Wohnadressen mit den dort verlegten Stolpersteinen vor.

Arbeitskreis Stadtlohner Geschichte 1933-1945 setzt Zeichen gegen Antisemitismus

Ingeborg Höting, Michaela Erning-Schlüter, Ulrich Söbbing und Josef Balke (v.l.) vom Arbeitskreis Stadtlohner Geschichte 1933-1945 wählten jüdische Erinnerungsorte wie Stolpersteine oder die Gedenktafel der ehemaligen Synagoge als Orte aus, um dort Blumen niederzulegen. © Maximilian Konrad


„Wollen Anteilnahme ausdrücken“

Mitten in den Vorbereitungen dazu trafen die schockierenden Nachrichten aus Halle vom Anschlag auf die Synagoge ein. „Gerade vor dem Hintergrund unserer Forschungsergebnisse zum Leidensweg der einheimischen Juden hier am Ort und im Münsterland in der NS-Zeit ist es uns ein besonderes Anliegen, unsere Anteilnahme und Solidarität mit den Anschlagsopfern auszudrücken“, sagt Höting.

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Der fabrikmäßige Mord begann damals mit ungerechtfertigten Vorurteilen, Hassreden, Ausgrenzung und brutalen Angriffen am Wohnort. „Momentan erleben wir eine Zeit, in der sich manche Äußerungen in den Alltag einschleichen“, hat die Leiterin des Arbeitskreises beobachtet. Deshalb betont sie für das Gremium, wie wichtig Wachsamkeit im eigenen Umfeld ist, um Diskriminierungen und neue rechte Gewalt zu verhindern.

Arbeitskreis Stadtlohner Geschichte 1933-1945 setzt Zeichen gegen Antisemitismus

Michaela Erning-Schlüter, Ingeborg Höting, Josef Balke und Ulrich Söbbing (v.l.) vom Arbeitskreis Stadtlohner Geschichte 1933-1945 legten am Montag Blumen an jüdischen Erinnerungsorten in Stadtlohn nieder. © Maximilian Konrad


„Polizeischutz nötig?“

In der eigenen Umgebung hat Michaela Erning-Schlüter, ebenfalls Mitglied des Arbeitskreises, noch keine antisemitischen Vorfälle wahrgenommen. Trotzdem plädiert sie für eine Sensibilisierung des Themas. „Ich denke, im ländlichen Raum können sich die Menschen sicher fühlen. Mein Sohn geht in Berlin auf ein Sportinternat – da sieht die Situation schon anders aus und das Thema ist viel präsenter.“

Auch Josef Balke, ehemaliger stellvertretender Schulleiter der Herta-Lebenstein- Realschule in Stadtlohn und auch Mitglied der Gruppe, macht sich Sorgen. „Müssen wir jetzt bei unserer Ausstellung für Polizeischutz sorgen?

Kein Stillschweigen

Erning-Schlüter steht seit langem mit einer jüdischen Familie, deren Vorfahre ursprünglich aus Stadtlohn kommt und die mittlerweile in Australien lebt, in engem Kontakt. „Ich will, sensibilisiert durch die Freundschaft zur Familie Meyers und durch den Arbeitskreis, Solidarität zeigen gegenüber den in Deutschland lebenden Juden. Ich will aber auch aktiv werden, weil der Anschlag in Halle auch ein Anschlag auf unsere Demokratie darstellt, der sich gegen alle Menschen richten kann, die von solchen Tätern als anders empfunden werden.“

Der Arbeitskreis findet es elementar wichtig, dass auf Gewalt wie in Halle reagiert werden muss und dass es kein Stillschweigen dazu geben darf. Die Gruppe wünscht sich, dass auch andere ein Zeichen der Verbundenheit mit den in Deutschland lebenden Juden und gegen den Judenhass und den wieder erstarkenden Rechtsradikalismus setzen.

Arbeitskreis Stadtlohner Geschichte 1933-1945 setzt Zeichen gegen Antisemitismus

Rosen liegen auf einer Stätte, an der Stolpersteine als Gedenken an jüdisches Leben in Stadtlohn erinnern. © Maximilian Konrad

„Man kann Solidarität zeigen, indem man Blumen beispielsweise an den Standorten der ehemaligen Synagogen oder an Stolpersteinen niederlegt - und darüber das Gespräch sucht: mit Passanten, Kollegen, Mitschülern, Nachbarn, Familienmitgliedern“, meint Höting.

Zur Ausstellung Anfang November wollen Teile der Familie Meyers nach Stadtlohn kommen. Der Arbeitskreis plant dann, mit den Kindern des ehemaligen Stadlohners die Schau zu besichtigen.

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