In der Groß-Tagespflege „Vogelnest“ gibt es keine Stundenreduzierung

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Neun Kinder, drei Tagesmütter, ein Vogelnest: Die Groß-Tagespflege in Stadtlohn bietet vor allem den Kleinsten gute Bedingungen. Anders als in den Kitas werden sie so lang betreut wie vor Corona.

Stadtlohn

, 09.06.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Reihenhaus am Berkelbogen: Wohnzimmer und Küche im Erdgeschoss, drei Schlafzimmer in der ersten Etage, ganz oben ein Spielzimmer, draußen ein Garten. Neun Kinder sind hier zu Hause. Zumindest zeitweise.

Denn nachmittags werden die Kinder wieder von ihren Eltern abgeholt. Acht Stunden haben sie hier teilweise verbracht, haben gespielt, gesungen, gegessen, geschlafen und gekuschelt. Und sich wohlgefühlt in ihrem „Vogelnest“. So heißt eine von vier Groß-Tagespflegen in Stadtlohn. In Corona-Zeiten stehen auch hier Tagesmütter, Eltern und Kinder vor besonderen Herausforderungen. Sie haben aber auch Vorteile.

Das Bällebad im Bewegungsraum im Dachgeschoss ist bei allen Kindern sehr beliebt.

Das Bällebad im Bewegungsraum im Dachgeschoss ist bei allen Kindern sehr beliebt. © Ronny von Wangenheim

„Vor zwei Jahren haben wir hier unseren Garten eingeweiht“, erinnert sich Birgit Kerkeling an den Tag der offenen Tür ihrer damals noch neuen Groß-Tagespflege. Heute sind die Türen geschlossen. Die Eltern müssen ihre Kinder seit Beginn der Corona-Pandemie vor der Tür abgeben und abholen. Das konnten sie schon früher als Eltern, die ihre Kinder in Kindertagesstätten betreuen lassen. Seit dem 14. Mai sind die Kinder ab zwei Jahren bereits wieder da.

Eltern bleiben vor der Tür, Kindern macht das nichts aus

„Wir haben die Zeiten im Zehn-Minuten-Rhythmus gestaffelt, sodass sich die Eltern möglichst nicht begegnen“, sagt Sabine van Almsick. Die Kinder, so erzählt sie, hätten damit keine Probleme. „Das haben wir nicht gedacht“, sagt sie und lacht: „Manchmal müssen wir Kinder zurückrufen, damit sie sich doch schnell noch von ihren Eltern verabschieden.“

Birgit Kerkeling ist eine von drei Tagesmüttern im Vogelnest.

Birgit Kerkeling ist eine von drei Tagesmüttern im Vogelnest. © Ronny von Wangenheim

Auch jetzt düsen ein paar der Kinder durch die Räume. Ein paar andere lassen sich von Silvia van der Kuil vorlesen. Und Nesthäkchen Marius sitzt bei Birgit Kerkeling auf dem Schoß. Er durfte als eines der letzten Kinder erst jetzt wieder ins Vogelnest, alle anderen konnten nach acht Wochen Pause wieder kommen. Nur zwei Kinder kamen auch in der Corona-Pause zur Notbetreuung.

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Jetzt, wo alle wieder da sein dürfen, haben sie den Vorteil, dass sie keine Stunden reduzieren müssen. In den Kindertagesstätten ist dagegen eine Reduzierung um zehn Stunden für manche Eltern bittere Realität. Und sie müssen auch keine getrennten Gruppen bilden, auch wenn offiziell die Kinder Birgit Kerkeling oder Susanne van Almsick als Bezugspersonen zugeteilt sind. Silvia van der Kuil ist als Ergänzungskraft die Dritte im Bunde.

Tagesablauf ist streng strukturiert

Der Tagesablauf ist wie vor der Corona-Pause gewohnt strukturiert und so ähnlich wie in einer Familie: Frühstücken, Pampersrunde, spielen oder Spaziergänge, Mittagessen – es wird selbst gekocht – , zwei Stunden Mittagsschlaf im Dreier-Zimmer, dann wieder etwas Kleines zu Essen und spielen, bis die Eltern kommen.

Mittags wird frisch gekocht und die Kinder wie hier Nele dürfen Sabine van Almsick helfen.

Mittags wird frisch gekocht und die Kinder wie hier Nele dürfen Sabine van Almsick helfen. © Ronny von Wangenheim

Die Kinder genießen es, wieder zusammen zu sein. So schildert es Birgit Kerkeling. In der Pause haben sie und ihre Kolleginnen kleine Videobotschaften verschickt, haben kleine Sachen vorbei gebracht und den Geburtstagskindern ein Lied gesungen und natürlich auch per Video verschickt. Auch die Kinder haben sich untereinander Nachrichten geschickt. „Es war wichtig, dass sie sich auf diese Weise sehen konnten“, sagt Sabine van Almsick. „Als sie wiederkamen, waren sie sich nicht fremd.“

Die drei Tagesmütter blicken zufrieden zurück auf zweieinhalb Jahre Vogelnest. Elf Kinder sind in dieser Zeit mit drei Jahren in den Kindergarten gewechselt. Vier werden demnächst gehen. Die drei Frauen genießen es, nicht mehr wie in den Jahren zuvor alleine als Tagesmutter zu arbeiten, sondern sich immer austauschen zu können. Für die Eltern hat es den Vorteil, dass wie in der Kita eine kontinuierliche Betreuung auch im Krankheitsfall gewährleistet ist. Und die Kinder haben einerseits eine kleine Gruppe, die vom Alter sehr homogen ist, lernen andererseits aber auch soziales Verhalten.

Birgit Kerkeling vor der Infowand. In Coronazeiten gibt es viel zu beachten.

Birgit Kerkeling vor der Infowand. In Coronazeiten gibt es viel zu beachten. © Ronny von Wangenheim

Groß-Tagespflege in Stadtlohn

  • In Stadtlohn gibt es vier Angebote für Groß-Tagespflege:
  • Vogelnest, Kinder von 0 bis 3 Jahren, Am Berkelbogen 14, Tel. (02563) 907 40 37 Hier geht es zur Homepage
  • Das Baumhaus, Kindern im Alter von 8 Wochen bis zum 3. Lebensjahr, Bürgermeister-Horst-Straße 1, Tel. (02563) 949 96 95 Hier geht es zur Homepage
  • Pusteblume, von 6 Monaten bis 3 Jahren, Telgenkamp 77, Tel. (02563) 949 85 43, Hier geht es zur Homepage
  • Turmvilla, von 0 bis 14 Jahren, mit Übernachtung, auch an Wochenenden, Vredener Straße 65, Tel. (02563) 209 50 25 Hier geht es zur Homepage
  • Im Herbst wird eine weitere Groß-Tagespflege eröffnen: Die Schatzinsel.
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