Historie gehört zum Sport

Stadtlohn Sebastian Böckmann aus Gescher ist begeistert. Er ist zum ersten Mal bei einer Schießübung des Stadtlohner Schwarzpulverschützen-Vereins auf der Schießanlage in Coesfeld-Flamsche dabei. Und er trifft mit der Pistole fast bei jedem Schuss ins Schwarze - was für einen Anfänger erstaunlich ist.

21.07.2008, 15:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

<p>Der zweite Vorsitzende Hans-Jürgen Janzing beim Laden einer Pistole: Dieser Vorgang kann einige Minuten in Anspruch nehmen.  MLZ-Fotos (3) Albersmann</p>

<p>Der zweite Vorsitzende Hans-Jürgen Janzing beim Laden einer Pistole: Dieser Vorgang kann einige Minuten in Anspruch nehmen. MLZ-Fotos (3) Albersmann</p>

Und doch ist das "Schießen und Treffen" nicht das Wichtigste. Als 1984 einige holländische und deutsche Schwarzpulver-Fans den Verein gründeten, war es nicht nur Wildwest-Romantik, sondern vor allem auch die hervorragende technische Ingenieur-Leistung und die Besuche und Betrachtung alter Schwarzpulver-Waffen in vielen Museen, die zur Vereinsgründung beitrugen. Das Hobby verleitet dazu, den geschichtlichen und historischen Aspekt besonders zu berücksichtigen. Die Gruppe ist eine seltene Spezies im Schießsport.

Drumherum macht's aus

Zurzeit gibt es 24 begeisterte Mitglieder im Alter zwischen 20 und 83 Jahren - alle aus dem Westmünsterland. Vorsitzender ist Lothar Schneider. Kassierer Rudi Lütke aus Gronau erzählt von der Faszination des seltenen Hobbys. "Das ganze Drumherum ist einzigartig. Ich suche das Pulver selbst aus, wiege es ab und fülle damit die Waffe. Die Technik ist faszinierend, mit einfachen Mitteln und einem interessanten Equipment kann der Ladevorgang erfolgen." Die überwiegend einschüssigen Lang- oder Kurzwaffen werden vorn durch den Lauf geladen (Vorderlader). Das Pulver wird mithilfe eines langstieligen Trichters aus Messing eingefüllt - Eisen könnte Funken schlagen. Die meist selbst gegossenen Kugeln werden in einem Schusspflaster - ein kleines Fett getränktes Läppchen - in die Öffnung gesteckt und mit einem Ladestock in den Lauf gerammt. Fertig. Der Vorgang kann einige Minuten in Anspruch nehmen. "Der Schuss ist dann meist nur noch Nebensache", so der Kassierer.

Am einfachsten wird der Schussvorgang mit einem Zündhütchen ausgelöst. Bei ganz alten Waffen kommt als Zündung ein Steinschloss zum Einsatz. Der zweite Vorsitzende Hans-Jürgen Janzing testet ein altes Museumsstück. Erst beim etwa zehnten Mal wird der Zündvorgang ausgelöst und der Schuss geht los.

Zwischendurch weist der erste Vorsitzende Lothar Schneider den Anfänger Böckmann weiter in die Geheimnisse des Schwarzpulver-Schießens ein. "Und jetzt versuch es doch selbst einmal, die Pistole zu laden", ermuntert er zu mehr Selbständigkeit. Sebastian macht es richtig, zielt, und trifft wieder ins Schwarze. Und er ist überzeugt: "Ich komme bald wieder." alb

Informationen bei Hans-Jürgen Janzing, Tel. (0 25 63) 34 57.

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