"Hier kommt nichts weg"

Stadtlohn "Zutritt verboten" steht auf der grauen Stahltür. Viele Schätze verbergen sich hier im Keller des Bürgerbüros im Rathaus. Das liebste Fortbewegungsmittel im Münsterland gleich 138 Mal.

17.07.2008, 18:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

<p>Viele Fundsachen wie dieser Schlüsselanhänger sind häufig nur wenige Euro wert, sind aber für die Eigentümer von Bedeutung.</p>

<p>Viele Fundsachen wie dieser Schlüsselanhänger sind häufig nur wenige Euro wert, sind aber für die Eigentümer von Bedeutung.</p>

Angelika Dücker öffnet die Tür, knippst das Licht an - und da stehen sie: Fahrräder jeder Couleur. "Zweidrittel unserer Fundsachen sind Räder, viele gestohlen und dann irgendwo zurückgelassen - nach dem Motto: Besser schlecht gefahren als gut gelaufen", sagt Dücker, lachend. Auch kuriose Stücke hätten in den vergangenen 31 Jahren, die sie im Bürgerbüro arbeitet, den Weg dorthin gefunden: "Eine Türzarge, Toilettenschüsseln, Matratzen, Sonnenbrillen, Schlüssel, Gebisse" zählt sie die Palette der gestohlenen und liegen gelassenen Dinge auf.

Viele Handys befinden sich ebenfalls in einer der grauen Kisten, die fein säuberlich nebeneinander stehen. "Seitdem die so klein sind, haben wir jede Menge davon hier."

Ein großes Problem stellten Fundtiere - meist Hunde und Katzen - dar. "Falls die Hunde ein Halsband mit Marke umhaben, melden wir uns sofort beim Besitzer. Ist dies nicht so, können sie glücklicherweise im Tierheim Heitmann untergebracht werden. Aber das bringt natürlich Kosten für die Stadt mit sich", erklärt sie. Habe sich der Tierhalter zehn Tage nicht gemeldet, dürfen sie weitervermittelt werden. "Aber die Hunde werden meist abgeholt."

Recherche nötig

Nicht nur Fundanzeigen, die ab einem Wert von zehn Euro anfallen, erstellen Angelika Dücker und ihre fünf Kolleginnen. Viele Dinge wie Ausweise oder wichtige Schlüssel hätten zwar nicht einen hohen materiellen Wert, dafür aber einen enormen persönlichen, weiß auch Kollegin Karin Rensing. Daher steigen sie auch in die Recherche ein. Bei Schmuckstücken werde schon mal ein Juwelier zurate gezogen, im Falle eines Zahnersatzes die Zahnärzte informiert. "Stellen sie die Tasche ruhig dorthin. Hier kommt nichts weg", sagt sie einem Besucher - außer er ist der Eigentümer eines vermissten Stücks.

Frist dauert halbes Jahr

Ein halbes Jahr werden die Fundsachen aufbewahrt. Meldet sich jemand, werden genaue Beschreibung der vermissten Sachen erwartet: Wenn kein Eigentümer sich melde, könne der Finder sie gegen eine Gebühr mitnehmen. Dieses Schicksal widerfährt dem Kinderrad vor ihr nicht. Denn: "Das wird heute noch abgeholt." kh

<p>138 Fahrräder werden zurzeit im Keller des Bürgerbüros aufbewahrt. Auch Dinge, die im Bussen der RVM zurückgelassen werden, finden sich dort wieder. MLZ-Fotos (2) Herbers</p>

<p>138 Fahrräder werden zurzeit im Keller des Bürgerbüros aufbewahrt. Auch Dinge, die im Bussen der RVM zurückgelassen werden, finden sich dort wieder. MLZ-Fotos (2) Herbers</p>

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