Heeker Unternehmen will mit moderner Technik tote Soldaten in Stadtlohn aufspüren

dzSchlacht im Lohner Bruch

Die Schlacht im Lohner Bruch von 1623 beschäftigt noch heute viele Wissenschaftler. Nun wurden die Untersuchungen des Schlachtfeldes neu aufgerollt. Man setzte auf moderne Technik.

Stadtlohn

, 06.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Knapp 400 Jahre sind vergangen seit die Schlacht im Lohner Bruch am 6. August 1623 dem protestantischen Feldherren Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel eine vernichtende Niederlage zufügte. Etwa drei Kilometer entfernt vom heutigen Stadtlohner Stadtkern verloren nach aktuellem Stand der Wissenschaft circa 6300 Soldaten ihr Leben. Noch heute beschäftigt die „Schlacht bei Stadtlohn“ Historiker, Archäologen – und offenbar das Heeker Unternehmen „Geo Radar NRW“.

„Die Firma kam auf uns zu und hat angeboten, kostenlos das Areal zu untersuchen, auf dem damals die Schlacht im Lohner Bruch stattgefunden hat“, berichtet Stadtarchivar Ulrich Söbbing. Eine Gelegenheit, die sich die Stadt Stadtlohn nicht entgehen ließ. Sie übergab die notwendigen Informationen über die Schlacht prompt an das Heeker Unternehmen.

„Immer wieder wird gefragt, wo die vielen Toten geblieben sind. An einigen Stellen hat man kleinere Gräber gefunden. Frühere Untersuchungen haben nicht mehr ergeben“, erklärte Söbbing am Sonntag bei der Eröffnung des Museums zur Schlacht am Lohner Bruch. Nun gibt es neue Hoffnung.

Mit Drohnen werden erste Messungen erstellt

In der vergangenen Woche begannen die Mitarbeiter von „Geo Radar NRW“ mit Phase eins der Analyse. Mit einer Drohne überflogen sie das etwa zehn Hektar große Gelände, das sich auf der Höhe der Stadtgrenze zu Ahaus befindet. Das Fluggerät war mit einem Sensor ausgestattet, der die heute als Acker genutzte Fläche auf magnetische Anomalien untersuchte. „Mit dieser Form der Analyse können wir mögliche Störkörper wie zum Beispiel eisenhaltige Materialien feststellen“, erklärte Yannick Fahlenbock, Geowissenschaftler bei „Geo Radar NRW“.

Die ersten Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Die Messungen der Drohne wurden auf eine Karte übertragen und zeigen zahlreiche Anomalien. Die goldgelb markierten Abweichungen sind auch für Laien auf den ersten Blick zu erkennen. Für die Wissenschaftler Grund genug, Teil zwei der Analyse einzuleiten.

Während der zweiten Phase geht es ins Detail

Am Mittwochmorgen rückt Yannick Fahlenbock mit seiner Kollegin, der Geophysikerin Luisa Kahlert, erneut an. Dieses Mal werden die schweren Geschütze aufgefahren. Mit einem selbst konstruierten geländefähigen Georadar untersuchen sie das Gelände ein zweites Mal. „Das Radar verfügt über acht Sender-Empfänger-Paare und kann unter anderem durch den geringen Abstand zum Boden ein deutlich genaueres Bild zeichnen“, erläutert der 28-jährige Geowissenschaftler.

Heeker Unternehmen will mit moderner Technik tote Soldaten in Stadtlohn aufspüren

Der Geowissenschaftler Yannick Fahlenbock und die Geophysikerin Lusia Kahlert inspizieren das Gelände. © Johannes Schmittmann

Auch an diesem Vormittag wird Yannick Fahlenbocks und Luisa Kahlerts Einsatz schnell belohnt. Nachdem sie die ersten beiden Felder abgefahren haben, können sie schon mehrere Abweichungen feststellen. Die genauen Ergebnisse gibt es erst nach der Auswertung im Labor. Mit Prognosen halten sich die Mitarbeiter von „Geo Radar NRW“ noch zurück. „Einzelne Knochen werden wir auch mit dieser Messtechnik nicht erkennen können, aber vielleicht sind Hinweise auf eine Grabstätte zu erkennen“, so Fahlenbock, „Der Vorteil an der Messung mit dem Georadar ist, dass wir die Tiefe der Funde feststellen können.“ Per Software lässt sich außerdem eine 3D-Ansicht des Untergrundes erstellen.

Analyse übernehmen Archäologen

Die Analyse des abschließenden Berichts liegt dann nicht mehr in den Händen des Heeker Unternehmens. Das übernimmt die Stadt und später gegebenenfalls die Archäologen vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe, wie Ulrich Söbbing erklärt. Aber auch er gibt sich noch zurückhaltend: „Natürlich bin ich gespannt, ob man was findet. Aber es gab vor einigen Jahren eine ähnliche Untersuchung mit kleineren Mitteln, die wenig ergab.“ Allerdings sei es durch die sehr weit fortgeschrittene Technik auch nicht undenkbar.

Falls das Ergebnis der Messungen tatsächlich klare Hinweise auf Grabstätten oder Vergleichbares liefert, liegt es im Ermessen des Landesamtes für Archäologie, ob Ausgrabungen vorgenommen werden.

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