Grüne wollen für Stadtlohn Klimanotstand ausrufen und Einweg-Kaffeebecher abschaffen

dzKlimaschutz in Stadtlohn

Die Fraktion der Grünen möchte in Stadtlohn den Klimanotstand ausrufen und regt an, neue Konzepte zu erarbeiten. Ein erster Schritt könnte sein, Einweg-Kaffeebecher abzuschaffen.

Stadtlohn

, 23.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Meldung kommt nicht mehr wirklich überraschend. Nachdem bereits in zahlreichen Kommunen - zuletzt unter anderem in Münster - der sogenannte „Klimanotstand“ ausgerufen wurde, bringt nun die Grünen-Fraktion in Stadtlohn den Stein ins Rollen. Bei der nächsten Ratssitzung am 3. Juli steht das Thema auf der Tagesordnung. Richard Henrichs, Fraktionsvorsitzender der Stadtlohner Grünen, erklärt, wieso: „Der Klimawandel ist eine globale Herausforderung, die nur bewältigt werden kann, wenn sich möglichst viele Akteure bei der Eindämmung beteiligen.“ Stadtlohn habe durch den Hitzesommer 2018, die Hochwasser- beziehungsweise Starkregenereignisse von 2013 und 2016 am eigenen Leib die Folgen des Klimawandels zu spüren bekommen.

Henrichs sieht eine globale und lokale Notwendigkeit, das Thema Klimaschutz anzugehen. „Die zurückliegenden Wahlen zeigen, dass die Thematik von der breiten Bevölkerung mitgetragen wird. Je mehr Orte sich daran beteiligen, desto eher findet es in der Bundes- und vielleicht später Europapolitik Gehör.“ In der gleichen Ratssitzung soll auch über ein Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzept diskutiert werden. „Wir wollen prüfen, ob die Erstellung des Konzepts eine sinnvolle Möglichkeit ist, den Handlungsbedarf zu erörtern“, wird Heinrichs in einer offiziellen Pressemitteilung zitiert.

Klimanotstand ist kein juristischer Begriff

Doch was steckt eigentlich hinter dem Begriff „Klimanotstand“? „Es ist kein juristischer Begriff, es ist eine Absichtserklärung“, erklärt Henrichs im Gespräch mit unserer Redaktion. Mit der Erklärung des Klimanotstandes bekräftigen Kommunen, dass es einen menschenverursachten Klimawandel gibt und die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen, um diesen zu begrenzen beziehungsweise zu stoppen. Bereits im Februar rief die schweizer Hauptstadt Basel als erste Stadt in Europa den Klimanotstand aus. Stadtlohn ist als 120. Kommune in die NRW-Aktionsliste „Klimanotstand in jedem Rathaus“ aufgenommen worden.

Dass der Begriff „Notstand“ mit einer akuten Katastrophe assoziiert wird, ist Richard Henrichs bewusst. „Es wird immer ein paar Nörgler geben, die wieder Panikmache von den Grünen wittern. Aber es geht um die Inhalte, nicht um die Begrifflichkeit.“ Auch in Stadtlohn seien die Zeiten vorbei, in denen Vorschläge der Grünen nur belächelt würden.

Erster Schritt könnte Coffee-to-go-Becher sein

Ein Mehrwegbecher für den Kaffee zum Mitnehmen, der in Bäckereien und Tankstellen angeboten werden könnte, ist in Stadtlohn bisher allerdings nicht mehr als eine vage Idee. „Ich habe die Umsetzung des ‚Mein-Ahaus-Becher‘ in der Nachbarkommune interessiert verfolgt. Ich könnte mir vorstellen, dass so etwas auch für Stadtlohn denkbar wäre“, sagt Henrichs. In Ahaus hatte auf Initiative der Grünen-Fraktion Ahaus Marketing & Touristik (AMT) das Heft des Handels in die Hand genommen und konnte vor zwei Wochen den „Mein-Ahaus-Becher“ vorstellen. Der 100 Prozent CO²-freundliche und biologisch abbaubare Becher soll den Gegenentwurf zu Einwegbechern darstellen und Müllberge verhindern.

„Viele denken, dass die Coffee-to-go-Geschichte nur Großstädte betrifft, aber wir haben die Einwegbecher auch hier auf dem Land. Ein Pfandsystem, an dem sich möglichst viele beteiligen, hätte einen großen Vorteil“, so Richard Henrichs. Das Stadtmarketing Stadtlohn (SMS) ist bereits über die Idee informiert. Auch die Bäckereien wurden von den Stadtlohner Grünen angeschrieben. Bisher ohne Antwort. „Es ist eine sehr kurzfristige Aktion und wir wollen auch keinen Antrag stellen. Wir wären froh, wenn es ohne politischen Druck funktioniert“, erklärt der Fraktionsvorsitzende. Man wolle nicht den Eindruck einer „Bevormundungspartei“ erwecken.

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