Gutbürgerlich speisen gleich neben einem Rollfeld, wo Flugzeuge starten und landen: Dieses besondere Extra bietet das Restaurant von Frano Nikolic auf dem Flugplatz Stadtlohn-Vreden.

Stadtlohn

, 14.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 5 min

Elegantes Ambiente und gutes Essen finden sich manchmal dort, wo man es auf den ersten Blick am wenigsten erwarten würde. So ist das Restaurant, zu dem ich mich an diesem verregneten Donnerstagabend auf dem Weg mache, an einem der wohl ungewöhnlichsten Orte in der Region stationiert: mitten auf einem Flugplatz.

Zugegeben, die Landebahn ist recht weit draußen, irgendwo zwischen Feldern und Weiden. Etwas versteckt liegt auch das Lokal zwischen Flugzeughangars und hohen Zäunen. Aber der weite Weg dorthin lohnt sich in jeden Fall, schon allein wegen des besonderen Flairs.

Gute Restaurants verstecken sich manchmal auch an etwas ungewöhnlichen Orten: wie hier mitten auf dem Flugplatz Stadtlohn-Vreden.

Gute Restaurants verstecken sich manchmal auch an etwas ungewöhnlichen Orten: wie hier mitten auf dem Flugplatz Stadtlohn-Vreden. © Stephan Teine

Zu Füßen des Towers auf dem Flugplatz Stadtlohn-Vreden betreibt Familie Nikolic seit Jahrzehnten das Flugplatzrestaurant. Besonders im Sommer ist dieser Ort ein beliebtes Ausflugsziel für große und kleine Technikfans. Die Starts und Landungen der Flieger sind immer wieder ein Ereignis für Besucher, die besonders im Sommer in Scharen anreisen.

Das verrät mir ein Blick auf die große Sonnenterrasse vor dem Lokal, den riesigen Kinderspielplatz nebenan und die E-Bike-Ladestation. Heute Abend scheint es jedoch eher ruhig zu sein. Kein Wunder, denn es ist dunkel und diesig. Nur wenige Autos parken vor dem Restaurant, aus dessen Fenstern ein einladender Lichtschein nach draußen fällt.

Meine Begleiterin betritt das Restaurant mit gemischten Gefühlen. Vor genau 56 Jahren hatte sie hier mal ein Vorstellungsgespräch. Als 14-Jährige, direkt nach ihrem Schulabschluss, war sie in Begleitung ihres Onkels und ihres Cousins hierher gekommen, um für einen Ausbildungsplatz vorzusprechen – ohne Erfolg. Was allerdings in all den Jahren aus der Gaststätte von damals geworden ist, beeindruckt sie genauso wie mich.

Stilvolle Einrichtung

Die Inneneinrichtung wirkt frisch und sehr geschmackvoll. Eine helle Holzvertäfelung, dunkle Möbel und der ansprechend gestaltete Barbereich wecken Erwartungen in mir. Hinter der Theke steht Frano Nikolic, der Chef höchstpersönlich. Er begrüßt uns mit einem herzlichen Lächeln und wünscht einen guten Abend.

Im hinteren Teil des nahezu leeren Gastraums dürfen wir uns einen Tisch aussuchen. Auch hier ist alles Ton in Ton. Ruhige Beige- und Brauntöne dominieren, die Beleuchtung ist intim. Einen erfrischenden Kontrast hierzu bilden die roten Lederpolsterbänke.

Wir wählen einen Tisch für zwei an der breiten Fensterfront. Von hier aus hat man tagsüber sicher einen tollen Blick auf die Startbahn. Frano Nikolic legt die Speisekarten vor uns ab und entzündet die silberne Kerze auf dem Tisch.

Während ich schon überlege, was ich essen will, kassiert der Chef bei einem Ehepaar am Nebentisch ab. „Es war herrlich“, höre ich die Frau sagen, „aber zu viel Pommes. Wir müssen an die Linie denken!“ Na ja, denke ich mir, das nennt sich wohl Stöhnen auf hohem Niveau.

Die Speisekarte

Die Auswahl auf der Speisekarte ist enorm: Rund 120 Gerichte und Beilagen sind dort aufgeführt, vom klassischen Schinkenschnittchen über ein 300-Gramm-Filetsteak und Lammkarree bis hin zur Apfeltorte. Hinzu kommen noch Aperitifs, Weine und weitere Getränke mit und ohne Alkohol.

Selbstverständlich führt das Restaurant auch traditionelle Balkanküche und verschiedene Weine aus Frano Nikolics Heimat. Wer gern Fleisch isst, kommt hier voll auf seine Kosten. Allerdings gibt es auch einige vegetarische Alternativen wie Salate, Omeletts und Suppen.

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Meine Begleitung weiß recht schnell, worauf sie Lust hat: Als Vorspeise eine Gulaschsuppe, danach den Spezialteller, etwas Krautsalat und als Getränk ein Alster. Ich entscheide mich für eine Tomatensuppe und den Grillteller, mit einer Extraportion gebratener Champignons.

Nachdem das Ehepaar am Nebentisch gegangen ist, sind wir allein in diesem Teil des Restaurants. Ich höre aber die Stimmen von ein paar Herren im Gastraum nebenan. „Das hat hervorragend geschmeckt. Mein Kompliment an die Küche!“, sagt einer zu Frano Nikolic, als er zum Abkassieren an deren Tisch kommt. Die durchweg positiven Urteile der Gäste machen mich neugierig.

Nicht nur die Charter- und Privatmaschinen draußen in den Hangars, auch der Chef und sein Team scheinen fliegen zu können. Wenige Minuten, nachdem wir bestellt haben, bringt er uns bereits die Getränke an den Tisch, kurz danach die Vorspeisen.

Das mag der Tatsache geschuldet sein, dass heute nicht viel los ist. Und im gleichen Tempo wird es so weitergehen. Die straffe Organisation vor und hinter den Kulissen beeindruckt mich. So flott bin ich in einem Restaurant schon lange nicht mehr bedient worden.

Die Vorspeise

Meine Tomatensuppe ist schön dickflüssig und höllisch heiß. Dazu serviert der Chef eine halbe Scheibe Brot. Der Geschmack ist in Ordnung, aber ich hätte mir vielleicht einen Tick mehr Sahnigkeit gewünscht. Aber wie gesagt, das ist Stöhnen auf hohem Niveau.

Die Tomatensuppe

Die Tomatensuppe © Anna-Lena Haget

Die Gulaschsuppe kommt bei meiner Begleitung allerdings sehr gut an. „Lecker, und ordentlich Fleisch drin“, urteilt sie. Probieren lässt sie mich allerdings nicht, da ist sie kleinlich.

Das Hauptgericht

Kaum haben wir die Vorspeise verputzt, bringt Frano Nikolic schon die Hauptgerichte. Mein Grillteller macht seinem Namen alle Ehre: Vollgepackt mit einer Auswahl vom besten, was der Balkangrill zu bieten hat.

Ein Schweinesteak, ein Hacksteak und ein Cevapcici, garniert mit einem großen Fleischspieß und einer Scheibe krossem Bacon liegen auf einem großen Haufen Pommes Frites und Djuvecreis.

Der Grillteller

Der Grillteller © Anna-Lena Haget

Cool: Der Koch hat an einige Portion roher Zwiebeln am Tellerrand gedacht. Ich liebe rohe Zwiebeln! Auch ein kleiner, gemischter Salat ist im Preis inbegriffen. Die gebratenen Champignons serviert der Chef in einer Extra-Schale.

Als kleine Aufmerksamkeit bringt Frano Nikolic mir Mayonnaise für meine Pommes.

Der kleine, gemischte Salat

Der kleine, gemischte Salat © Anna-Lena Haget

Mir gefällt der freundliche, schnelle Service. Und auch, dass das Küchenteam mit dem Pfeffer nicht gespart hat, finde ich gut. Der Fleischberg auf meinem Teller erweist sich als doch sehr mächtig und ich muss mit den letzten Bissen ein wenig kämpfen. Aber es schmeckt einfach zu gut, um irgendetwas zurückgehen zu lassen.

Der Spezialteller

Der Spezialteller © Anna-Lena Haget

Meine Begleiterin widmet sich derweil ihrem Spezialteller. Sie stößt unter ihrem Spiegelei auf drei saftige Schweinelendchen. Dazu gibt es Bratkartoffeln, Erbsen, Möhren und Champignons. Ein Schüsselchen Krautsalat hat sie extra dazu geordert.

Unser Tisch füllt sich mit duftenden Speisen und meine Begleitung ist vollends zufrieden. „Das Fleisch ist schön weich und ideal gewürzt. Nicht so scharf, genau richtig“, urteilt sie und langt kräftig zu.

Die Nachspeise

Auf unserem Tisch steht eine Eiskarte, auf der süße Verführungen angepriesen werden. Wir müssen nicht lange überlegen und bestellen noch je einen gemischten Eisbecher. Eiscreme geht immer, auch wenn ich eigentlich schon satt bin.

Der gemischte Eisbecher

Der gemischte Eisbecher © Anna-Lena Haget

Frano Nikolic wird später erzählen, dass er seit 40 Jahren im Geschäft ist. Und er genießt die etwas ruhigere Zeit im Winter, bevor es im Sommer wieder von Gästen nur so wimmelt. Sein Lokal braucht keine Werbung, denn er kann auf die Mundpropaganda seiner Gäste vertrauen – und damit fährt er seit Jahrzehnten sehr gut, wie er versichert.

Kinderfreundlichkeit

Das absolute Highlight für die Kleinen ist zweifelsfrei der Spielplatz vor der Tür. Dort können Kinder ungestört toben und die Flieger beobachten, die hier abheben und landen.

Praktisch: Die Eltern haben sie dabei notfalls immer im Blick. Das Restaurant bietet außerdem eine kleine Kinderkarte an, auf der sich die Jüngsten ihr Lieblingsgericht in einer kindgerechten Größe aussuchen können.

Barrierefreiheit

Das Restaurant ist durchgehend ebenerdig, so dass auch gehbehinderte Menschen und Rollstuhlfahrer sich darin frei bewegen können. Das gleiche gilt für die Sonnenterrasse. Auch die Toilettenanlagen sind ebenerdig erreichbar.

Parkplatzsituation

Der Flugplatz Stadtlohn-Vreden bietet ausreichend Parkplätze, und vor dem Restaurant gibt es zusätzliche Parkbuchten für Autos. Sogar an die Fahrradfahrer wurde gedacht. E-Bike-Besitzer können an der Ladestation ihr Rad aufladen lassen, während sie das Restaurant besuchen. Und zur Not kann man sich sogar mit dem eigenen Privatjet einfliegen lassen.

Die Preise

Die Preise sind auf dem Boden geblieben: Für das Drei-Gang-Menü inklusive Getränken lege ich am Ende des Abends 64 Euro auf den Tisch. Wirklich angemessen für die großen Portionen.

Ich bezahle für die Tomatensuppe vier Euro, für die Gulaschsuppe 4,50 Euro. Der Grillteller kostet 17 Euro, der Spezialteller 19 Euro. Die Extraportion gebratene Champignons und der Weißkrautsalat schlagen mit jeweils drei Euro zu Buche. Für die gemischten Eisbecher zahle ich je vier Euro. Eine Cola kostet 2,50 Euro, das Alster (0,3 l) kostet drei Euro.

Das sagt das Netz

Bei Google bekommt das Flugplatzrestaurant 4,2 von fünf möglichen Punkten. Ein User schreibt vor einem Monat: „Hervorragendes Essen. Preis Leistung sehr gut. Freundliche Bedienung. Einfach selber ausprobieren.“

Auf Tripadvisor.de bekommt das Restaurant fünf von fünf möglichen Punkten. Dort schreibt ein User im November 2019: „Bedienung sehr freundlich und zuvorkommend. Kinderfreundlich! Sonnige Terrasse mit guten Einblick in den Flugbetrieb.“

Anschrift und Öffnungszeiten

Flugplatzrestaurant am Flugplatz Stadtlohn-Vreden, Wenningfeld 41, Stadtlohn, Tel. (02563) 3220. www.flugplatz-stadtlohn.de

Geöffnet ist das Lokal täglich ab 10 Uhr, warme Küche gibt es durchgehend bis 21 Uhr, Montag ist Ruhetag.

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