Familie Lesker und der Corona-Alltag: das Leben auf dem Kopf gestellt

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Das Coronavirus hat den Alltag der Familie Lesker aus Stadtlohn völlig verändert. Durch feste Rituale, klare Regeln und Flexibilität hat man die schwierige Situation bisher dennoch gemeistert.

Stadtlohn

, 12.05.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Der Stadtlohner Bernd Lesker ist Diplom-Ingenieur und leitet bei einem großen Unternehmen für Baumaterialien den Bereich Anwendungstechnik und Produktmanagement. Nach eigenen Angaben reist der 42-Jährige pro Jahr dienstlich rund 65.000 Kilometer. Auto, Flugzeug, Bahn.

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Seine vierjährige Tochter Johanna, geht in den Kindergarten, sein achtjähriger Sohn Alexander, besucht die dritte Klasse. Ehefrau Kerstin arbeitet auf 450-Euro-Basis in einer Bäckerei. So zumindest stellte sich die Situation im Hause Lesker bis Anfang März des Jahres dar. Doch die anhaltende Corona-Krise hat das Leben der Familie völlig auf dem Kopf gestellt.

Drastische Umstellung durch Corona-Maßnahmen

„Für uns war es eine drastische Umstellung, an die sich die ganze Familie zunächst gewöhnen musste“, berichtet Bernd Lesker im Gespräch mit der Redaktion. Für ihn heißt es fortan: Homeoffice statt Außentermine. Eines der Schlafzimmer muss dafür zum Büro umfunktioniert werden. Doch nicht nur für den 42-Jährigen ändert sich die Situation, sondern auch für die anderen Leskers.

Kerstin Lesker wird durch Ausfälle und Umstrukturierung mehr in der Bäckerei gebraucht. Dadurch wird die Betreuung der beiden Kinder zu einer echten Herausforderung, denn sie müssen fortan ebenfalls zu Hause bleiben. Kitas und Schulen werden bundesweit wegen Corona geschlossen. „Alexander hatte seine Aufgaben von der Klassenlehrerin, bei der er Hilfe benötigte und Johanna musste mit ihren erst vier Jahren sowieso beschäftigt werden“, erklärt Bernd Lesker.

Aufgabenteilung wird zum Balanceakt

Die Aufgabenteilung zwischen ihm und seiner Frau wird zum Balanceakt. Ohne Anlaufschwierigkeiten verläuft der nicht, wie er unumwunden zugibt. „Am Anfang hat Kerstin versucht, mir komplett den Rücken freizuhalten und hat dafür gesorgt, dass die Kinder das Büro quasi nicht betreten. Doch ich habe schnell gemerkt, dass diese klare Trennung nicht machbar ist“, sagt der Stadtlohner.

„Wenn Papa da ist, wollen sie natürlich ‚Hallo‘ sagen oder auch nur einen Kaffee vorbeibringen. Das unterdrücken zu wollen und die Kinder bewusst fernzuhalten, ist Quatsch.“ Nach kurzer Zeit stellt der 42-Jährige fest, dass auch viele seiner Geschäftspartner die Kinder zu Hause haben und er mit der Situation nicht alleine dasteht. „Da gab es schnell den Konsens: Kinder gehören zum Lebensalltag dazu.“ Ganz ohne Grenzen verläuft es seitdem natürlich trotzdem nicht. „Aber nun kann ich entspannt sagen: Jetzt passt es gerade gut“, so Lesker.

Altersunterschied anfangs ein Problem

Entspannt waren die letzten Wochen allerdings nicht immer. Denn vor allem die beiden Kinder müssen sich an den Lockdown gewöhnen. „Der Altersunterschied von vier Jahren macht es schwierig. Durch Schule und Kindergarten sind sie es nicht gewöhnt, sich den ganzen Tag miteinander beschäftigten zu müssen“, erklärt Bernd Lesker. Doch auch hier habe es schnell Fortschritte geben: „Sie mussten sich zusammenraufen und haben ein ganz neues Verständnis füreinander entwickelt. Das ist sehr positiv.“

Dass es während der gesamten letzten Zeit bei den Leskers gut funktioniert hat, ist einigen klaren Regelungen zu verdanken, wie Bernd Lesker glaubt: „Es gab bei uns immer feste Abläufe und Rituale. Um 7.30 Uhr sind wir aufgestanden, vormittags gab es für die Kindern kein Fernsehen oder Tablets. Nachmittag hatten sie dann Freizeit.“ Damit habe man versucht, so viel Normalität wie möglich zu bewahren.

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Und klare Regeln gab es nicht nur für die Kinder. „Trotz Homeoffice habe ich mich wie immer jeden morgen rasiert und mich ordentlich angezogen. Im Schlabberlook kommt man nicht in den Arbeitsmodus – zumindest ich nicht“, sagt Bernd Lesker.

Fazit fällt unterschiedlich aus

Obwohl die Corona-Pandemie noch lange nicht vorbei ist – eventuell sogar eine zweite Welle droht – hat die Familie Lesker am Ende der vergangenen Woche schon ein kleines Fazit gezogen. „Wir haben uns gegenseitig gefragt, was gut und was schlecht gelaufen ist. Jeder wurde angehört und konnte seine Meinung offen sagen“, berichtet Bernd Lesker.

Schnell kristallisierte sich heraus, dass der Lockdown für die Kinder ganz unterschiedliche Auswirkungen hatte und hat. Was auch am Kontakt zu den Institutionen lag. „Die Lehrerin meines Sohnes hat sich persönlich bei uns gemeldet. Die ganze Zeit über war es ein kurzer Draht, so ging der Anschluss nie verloren“, erklärt Bernd Lesker. Daher glaubt er nicht, dass Alexander Lesker mit Problemen zu kämpfen hat, wenn er in dieser Woche das erste Mal wieder den Unterricht besucht.

Leichte Kritik an der Kita

Bei seiner Tochter Johanna sieht das ein bisschen anders aus. „Sie verspürt aktuell keinen Drang, wieder in den Kindergarten zu gehen. Hier wurde auch von Anfang an der Kontakt nicht gehalten. Ich hätte mir schon gewünscht, dass in regelmäßigen Abständen etwas kommt. Auch wenn ich weiß, dass die Situation für alle neu und schwierig ist“, sagt Bernd Lesker.

Ob er sich bei der Betreuung der Kind mehr Unterstützung von Bund und Ländern gewünscht hätte? „Man fühlt sich schon ein bisschen alleine gelassen. Es gab zwar die Notbetreuung, aber wer nimmt sie denn wirklich in Anspruch?“, fragt der 42-Jährige. Vor allem das Wort „Not“ sei eine große Hürde. „Bin ich wirklich in Not? Man bekommt automatisch ein schlechtes Gefühl.“ Pauschalisieren will Bernd Lesker die Kritik an der Regierung aber nicht: „Es gab hier kein richtig oder falsch. Es muss jedes Mal neu abgewägt werden.“

Keine schnelle Rückkehr zur Normalität

Auch wenn die Gesamtzahl der Infizierten weiterhin auf einem niedrigen Stand ist, weitere Lockerungen anstehen, glaubt Bernd Lesker nicht, dass es für ihn persönlich eine schnelle Rückkehr zur Normalität geben wird: „Ich stelle mich darauf ein, noch wenigstens bis Ende Mai aus dem Homeoffice zu arbeiten. Und auch danach wird es nicht mehr so sein wie vor der Pandemie.“

Dass er in Zukunft zum Beispiel wieder 65.000 Kilometer pro Jahr unterwegs ist, glaubt er nicht: „In den Köpfen hat es Klick gemacht. Viele Meetings werden auch nach der Krise weiterhin per Videokonferenz stattfinden.“ Ganz auf das persönliche Treffen verzichten, will Bernd Lesker aber auf keinen Fall. „Gerade in Kundengesprächen ist das direkte Gespräch sehr wichtig. Nur so kann man Vertrauen ineinander gewinnen.“

Das Schlafzimmer bleibt also vorerst ein Büro. Und Johanna und Alexander werden ihren Vater wohl auch weiterhin öfter zu Gesicht bekommen als vor der Krise. „Es schweißt uns zusammen. Eigentlich muss man sagen, dass Corona uns als Familie gut getan hat“, sagt Bernd Lesker.

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