Einweihung der Feuer- und Rettungswache: Noch sieht vieles nach Baustelle aus

dzFeuerwehr in Stadtlohn

Die neue Feuer- und Rettungswache am Steinkamp in Stadtlohn soll am Samstag offiziell eingeweiht werden. Die Handwerker müssen sich sputen, am Donnerstag sah noch vieles nach Baustelle aus.

Stadtlohn

, 19.09.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer hat der Feuerwehr das Wasser abgestellt? Stadtbrandinspektor Günter Wewers dreht am Hahn. Nichts. Kein Wasser. Dabei will er gerade im Besprechungsraum eine Tasse Kaffee kochen. Das fehlende Nass ist am Donnerstagmorgen nicht die einzige Baustelle in der neuen Feuer- und Rettungswache am Steinkamp.

Der rund 7,5 Millionen Euro teure Neubau soll am Samstag offiziell eingeweiht werden, am Sonntag ist Tag der offenen Tür für die Bevölkerung. Vieles sieht am Donnerstag aber noch nach Baustelle aus.

Nicht nur Undichtigkeiten sind zu beheben, damit das Wasser wieder läuft, auch an den Sanitäranlagen muss noch geschraubt werden. Hinzu kommen Malerarbeiten und die Verkabelung der Informationstechnik. Die Arbeiter müssen sich sputen.

Einweihung der Feuer- und Rettungswache: Noch sieht vieles nach Baustelle aus

Gut 7,5 Millionen Euro investierte die Stadt in die neue Feuer- und Rettungswache. © Feuerwehr Stadtlohn

Zum Festakt am Samstag werden rund 500 geladene Gäste erwartet. „Den Großteil davon stellen die Feuerwehrleute mitsamt Anhang“, entschuldigt Günter Wewers die für Außenstehende enorm klingende Zahl.

Die Stadtlohner Wehr trifft sich um 17.30 Uhr auf dem Marktplatz und zieht von dort unter Begleitung der Wiesentaler Musikkapelle mit ihren Fahrzeugen zum neuen Standort. Die Bevölkerung kann sich diesen Umzug ansehen, die Feier selbst ist nur für die geladenen Gäste bestimmt.

Die Allgemeinheit hat einen Tag später, von 10 bis 18 Uhr, die Möglichkeit, den Neubau beim Tag der offenen Tür in Augenschein zu nehmen. Günter Wewers: „Für den Sonntagsspaziergang kann es nur einen Weg geben: zur Feuer- und Rettungswache in Stadtlohn.“

Einweihung der Feuer- und Rettungswache: Noch sieht vieles nach Baustelle aus

Zwei Tage vor der offiziellen Einweihung laufen die letzten Arbeiten. © Christian Bödding

Bis dahin stehen auch die 140 Spinde an Ort und Stelle, die am Donnerstagvormittag gerade abgeladen werden. Die Stellplätze sind in den Umkleiden mit Kreide auf dem Boden eingezeichnet „Da fehlen aber noch die Füße“, weist der Stadtbrandinspektor die Mitarbeiter der Lieferfirma auf ein wichtiges, fehlendes Detail an allen Spinden hin.

Mehr Platz für die Wehr

Mit Inbetriebnahme der neuen Feuer- und Rettungswache sind dann endlich die Zeiten vorbei, in denen sich die Feuerwehrleute mangels Platz in der Fahrzeughalle umziehen mussten.

Nach dem Brandschutzbedarfsplan sind 132 Feuerwehrleute vorzuhalten, aktuell kommt die Stadtlohner Wehr auf 115 Aktive, darunter sechs Frauen. Seit 2013 gibt es eine Jugendfeuerwehr, sie hat jetzt endlich einen eigenen Klubraum, eine Wand wurde von den „Lackaffen“ aus Münster mit einem Feuerwehrmotiv gestaltet, in einer Ecke steht ein Kicker.

Einweihung der Feuer- und Rettungswache: Noch sieht vieles nach Baustelle aus

Der Raum für die Jugendfeuerwehr, die Wand gestalteten die "Lackaffen" aus Münster. © Christian Bödding

Im Obergeschoss – der Weg führt über ein feuerwehrrotes Treppenhaus – sind neben einem großen Schulungsraum auch mehrere Büroräume, zum Beispiel für den Wehrführer. Das Erdgeschoss bleibt vor allem der Technik, verschiedenen Werkstätten und den Fahrzeugen vorbehalten

Die Halle verfügt über 13 Einstellplätze, die Stadtlohner Wehr besitzt 11 Fahrzeuge, darunter ein Teleskopmastfahrzeug, drei Tanklöschfahrzeuge, einen Gerätewagen Logistik und zwei Mannschaftstransportwagen. „Der Fuhrpark ist gut in Schuss“, sagt der Stadtbrandinspektor. „Endlich haben wir für unsere Fahrzeuge eine respektable Unterkunft.“

Seit Oktober 2017 wurde an dieser Unterkunft nach den Plänen des Stadtlohner Architekten Maik Horst gebaut. Aufgrund der Hochkonjunktur in der Baubranche mussten einige Einsparungen vorgenommen werden, um den Kostenrahmen nicht zu sprengen.

Einweihung der Feuer- und Rettungswache: Noch sieht vieles nach Baustelle aus

Stadtbrandinspektor Günter Wewers lädt die Bevölkerung am Sonntag, 22. September, zum Tag der offenen Tür ein. © Christian Bödding

Eine Halle wurde gestrichen und der Übungs-Turm von 18 Metern auf 14,5 Meter abgesenkt. „Aber beim Hochwasserschutz haben wir nicht gespart“, sagt Günter Wewers. Das Gelände liege an tiefer Stelle, der Boden sei „ordentlich verrohrt“ worden, damit bei Starkregen nicht sofort alles in den städtischen Kanal laufe. „Schließlich haben wir hier sehr viel versiegelte Fläche.“

Einsatzzentrale und Stabsraum

Das Wasser spielte auch bei der Raumstruktur eine Rolle. „Der Stadt war wichtig, hier Räume für außergewöhnliche Ereignisse zu haben.“ Immer öfter müsse mit Starkregen und Hochwasser gerechnet werden. Um in solchen Gefahrenlagen zusammenzuarbeiten, gebe es nun eine Einsatzzentrale und einen Stabsraum.

Ebenso wichtig: die psychosoziale Betreuung nach Einsätzen, auch dafür steht jetzt ein Raum zur Verfügung. Mit der Einweihung endet die „Behelfsphase“, in der die Feuerwehr in einer ehemaligen Baustoffhandlung an der Bahnallee untergebracht war.

Ein Neubau an anderer Stelle war von Anfang an nicht in Betracht gezogen worden. „Wir haben vom Steinkamp einen guten Erreichungsgrad. Wir können 80 Prozent aller Einsatzorte innerhalb von acht Minuten erreichen“, erläutert der Stadtbrandinspektor.

Einweihung der Feuer- und Rettungswache: Noch sieht vieles nach Baustelle aus

140 Spinde für die Feuerwehrleute, die Boxen müssen noch an ihren jeweiligen Platz. © Christian Bödding

Das liege nicht zuletzt an der Stadtlohner Besonderheit: „Wir sind ein geschlossener Ortsteil mit 20.000 Einwohnern, außer dem Ortsteil Büren.“ Entsprechend zentral und schlagkräftig könne die Wehr agieren und organisieren.

Günter Wewers: „Bei uns gibt es kein Kirchturmdenken. Wir haben eine Wehr vor Ort. Der Neubau mag gewaltig aussehen, aber das muss man vor dem Hintergrund betrachten, dass wir zum Beispiel keine separaten Löschzüge haben.“

Der Ortsteil Büren werde im Alarmfall nicht allein gelassen, beruhigt der Wehrführer. „Legden und Stadtlohn werden dann gleichzeitig alarmiert.“

Rettungswache

Bei Bedarf rückt vom Steinkamp auch der Rettungsdienst aus. Die Rettungswache wurde den gestiegenen Anforderungen entsprechend neu konzipiert und liegt vis-a-vis der Wehr. Der Kreis Borken betreibt die Wache als Träger des Rettungsdienstes im Mietverhältnis. Die Feuerwehr und die Stadt setzen dabei auf Langfristigkeit. Mit Blick auf den Neubau sagt Stadtbrandinspektor Günter Wewers: „Der muss für die nächsten 40 Jahre locker reichen.“

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