Ehrenamt überfordert – Stadt übernimmt die Pflege des Losbergstadions

dzSuS Stadtlohn

Den ehrenamtlichen Platzwarten wächst die Arbeit über den Kopf. Der SuS gibt die Platzpflege im Losbergstadion wieder an die Stadt zurück. Die will nun einen hauptamtlichen Platzwart einstellen.

Stadtlohn

, 03.06.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor zwei Jahren gab es noch ein besonderes Lob der Gemeindeprüfungsanstalt für die Stadt Stadtlohn: Nur wenige Kommunen in Nordrhein-Westfalen schafften es wie Stadtlohn, mit relativ geringem finanziellen Aufwand ihre Sportplätze in Schuss zu halten.

Ab dem 1. Juli aber wird es teurer für die Stadt. Für die Pflege des Losbergstadions und des SuS-Sportgeländes will die Stadt einen hauptamtlichen Platzwart einstellen. Das hat der Haupt- und Finanzausschuss in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen.

Platzpflege seit 1997 in Vereinshand

Das Geheimnis der Stadt Stadtlohn in der Vergangenheit: Sie konnte seit 1997 auf ehrenamtliches Engagement bauen: Der SuS erhielt einen Zuschuss von rund 30.000 Euro im Jahr und kümmerte sich eigenständig um die Platzpflege im Losbergstadion und hielt das große SuS-Sportgelände insgesamt in Ordnung.

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„Das können wir heute nicht mehr schaffen, das Team der ,Alten Herren‘, das sich seit über 20 Jahren darum gekümmert hat, ist in die Jahre gekommen. Viele sind über 70, manche schon über 80 Jahre alt“, sagt SuS-Vorsitzender Wilfried Steinhage.

Ehrenamtler scheuen Dauerbelastung

Und ehrenamtliche Nachwuchskräfte, die diese Aufgabe mit regelmäßigen Einsätzen übernehmen können, seien „leider“ nicht in Sicht. Steinhage: „Das Freizeitverhalten hat sich geändert. Und die Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement auch. Nach wie vor finden wir viele Freiwillige, die mitanpacken wollen – aber sporadisch und nicht im wöchentlichen Rhythmus.“

Hinzu komme, dass der Verein nicht über alle notwendigen Gerätschaften verfüge. Es gehe ja schließlich nicht nur ums Rasenmähen, sondern auch um die Pflege der Anlagen drumherum. „Wir sind in den letzten Jahren nicht mehr mit der Pauschale ausgekommen und haben noch Geld aus der Vereinskasse zusätzlich draufgelegt. All das können wir jetzt nicht mehr stemmen“, sagt der Vorsitzende Wilfried Steinhage.

In der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses stieß der SuS auf viel Verständnis. Einstimmig stimmten die Kommunalpolitiker aus allen Fraktionen für den Vorschlag der Verwaltung, zum 1. Juli die Stelle eines Platzwartes auszuschreiben. Der Erste Beigeordnete Günter Wewers hob hervor, dass das Losbergstadion schließlich nicht nur vom Verein, sondern auch für den Schulsport genutzt werde. Außerdem könnten sich Synergien mit dem Gärtner des benachbarten Losbergparks ergeben. Außerdem, Wewers weiter: „Eine gut funktionierende Sportanlage in einem sauberen Erscheinungsbild ist bei der hohen Nutzerfrequenz ein nicht zu unterschätzendes Aushängeschild für unsere Stadt.“

Verein verzichtet auf Pflegepauschalen

Im Gegenzug verzichtet der SuS auf die jährlichen Zuschüsse für die Platzpflege in Höhe von 30.500 Euro. Diese Summe spart die Stadt also künftig ein. Doch muss sie gleichzeitig rund 48.000 Euro zusätzlich für Personalkosten ausgeben, sodass unter dem Strich finanziell eine Verschlechterung um fast 18.000 Euro im Jahr verbleibt.

DJK baut weiter auf Ehrenamt

Und was ist mit dem Wessendorf-Stadion der DJK an der Hölderlinstraße? Auch die DJK bekommt von der Stadt eine Pflegepauschale, die wegen der kleineren Anlage auch etwas geringer als beim SuS ausfällt.

„Bei der DJK gibt es noch ein aktives ehrenamtliches Team, das die Pflegearbeiten weiterhin übernimmt“, so Wewers. Aber auch hier gebe es Gesprächsbedarf, weil der SuS die DJK bislang immer mit einem Rasenmäher unterstützt habe.

Auch der 3500 Mitglieder zählende SuS will sich nicht komplett aus der ehrenamtlichen Platzbetreuung herausziehen. „Ich kann mir gut vorstellen, dass wir jedes Jahr zu einem freiwilligen Großeinsatz aufrufen“, sagt Wilfried Steinhage. „Dann werden sich sicher auch viele Freiwillige melden. – Aber ich bin erleichtert, dass wir die Verantwortung für die regelmäßige Pflege jetzt abgeben können.“

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