Die Fünftklässler Lennox, Mike und Lukas (von links) nehmen die Notbetreuung gerne in Anspruch. Schulsozialarbeiterin Michelle Cannoletta blickt Mike über die Schulter. © Stefan Grothues
Losbergschule

Distanzlernen in der Losbergschule – wenn das Homeschooling nicht klappt

Mal ist es der kleine Bruder, der nervt, mal der große. Oder Hund Hugo. Oder das W-Lan streikt. Lukas, Leon und Lennox jedenfalls sind froh, trotz Homeschooling in die Losbergschule zu dürfen.

Lukas (11) wagt sich jetzt an die ganz großen Zahlen. Schriftliches Multiplizieren steht für die Klasse 5c der Losbergschule in Mathe auf dem Stundenplan. Die meisten seiner Klassenkameraden brüten zu Hause über den Aufgaben. Lukas löst sie in der Schule. Homeschooling ist eben nicht für jeden möglich.

„Meine Mutter arbeitet im Krankenhaus, mein Vater in der Behindertenhilfe“, erzählt Lukas. Der Elfjährige wäre viele Stunden alleine zu Hause. Und er weiß, worauf das hinauslaufen würde: „Zuhause kann ich ja immer irgendetwas anderes machen, da habe ich viel weniger Lust auf die Aufgaben als hier.“ Und überhaupt würde dort auch der kleine Bruder nerven.

60 Kinder in der Notbetreuung oder in der Study Hall

Lennox (10) lacht. Er weiß genau, wovon sein Klassenkamerad spricht. „Bei mir ist es der große Bruder! Und unser Hund Hugo stört mich auch immer beim Lernen.“ Lennox Vater ist bei der Feuerwehr im Schichtdienst. Und auch seine Mutter muss jeden Tag zur Arbeit.

Rund 30 Kinder der fünften und sechsten Klassen der Losbergschule kommen trotz Lockdown und Homeschooling tagtäglich in die Schule. In betreuten Kleingruppen von vier bis fünf Kindern erledigen sie dort die Aufgaben, die ihre Mitschüler zu Hause lösen. Und sie nehmen in der Schule an den Videokonferenzen teil, in denen die Lehrer die Kinder im Homeschooling erreichen.

Weitere rund 30 ältere Schülerinnen und Schüler ab Klasse 7 besuchen die sogenannte Study Hall, die bislang noch in verschiedenen Klassenräumen der Losbergschule untergebracht ist und ab der kommenden Woche in die Aula umzieht.

Lernen im Schichtsystem

Schulsozialarbeiterin Michelle Cannoletta erklärt, was die Study Hall ist: „Sie ist ein flexibles Angebot für Schüler ab der siebten Klasse, die einfach klare Strukturen zum Lernen brauchen oder denen zu Hause die technischen Voraussetzungen fehlen, weil sie kein stabiles W-Lan haben.“

Im Schichtsystem wechseln sich die Schülerinnen und Schüler nach Anmeldung in der Study Hall ab, damit nicht gleichzeitig zu viele Schüler in der Schule sind. Und damit ihnen allen auch schuleigene iPads oder Laptops zur Verfügung gestellt werden können. Betreut werden die Schüler dabei nicht von Lehrerinnen und Lehrern, sondern von den vier Schulsozialpädagogen und Betreuungskräften des JFB.

„Wir sind überraschend weit gekommen“

„Wir bräuchten eigentlich noch mehr iPads. Aber wir helfen uns auch so. Viele Aufgaben können auch auf Papier gelöst werden. Und die Videokonferenzen übertragen wir auch mit einem Beamer“, sagt die Schulsozialarbeiterin. Unterm Strich ist Michelle Cannoletta mit der Ausstattung sehr zufrieden: „Luft nach oben gibt es immer, aber wir kommen sehr gut klar. Eigentlich sind wir im letzten Jahr überraschend weit gekommen.“

Schulsozialpädagoge Gerrit Messelink unterstützt den Achtklässler Leon Janzen bei den Deutschaufgaben.
Schulsozialpädagoge Gerrit Messelink unterstützt den Achtklässler Leon Janzen bei den Deutschaufgaben. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Das findet auch Gerrit Messelink. Der Schulsozialpädagoge geht im Nachbarklassenraum mit dem Achtklässler Leon (14) noch einmal die Deutschaufgaben durch. Leon ist froh über diese Unterstützung. „Zuhause ist das Lernen schwieriger. Da lenkt mich das Handy leichter ab. Hier kann ich immer direkt fragen, und dann wird mir geholfen.“

Soziale Kontakte fehlen den Kindern besonders

Gerrit Messelink hält das Angebot für immens wichtig, auch wenn es den „normalen“ Schulunterricht nicht ersetzen könne. Messelink: „Wir betreiben hier Schadensbegrenzung, damit die Lernlücken nicht zu groß werden.“

In dem Punkt sind sich Leon, Lukas und Lennox einig: Die drei freuen sich, wenn der Schulalltag irgendwann wieder seinen normalen Gang geht: mit Sportunterricht, Experimenten in Physik und vor allem im Miteinander mit den Schulfreunden. Dass Bildung allein längst nicht alles ist, das erfährt Schulsozialarbeiterin Michelle Cannoletta in diesen Wochen in Gesprächen immer wieder: „Den Kindern machen die fehlenden sozialen Kontakte sehr zu schaffen.“

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Stefan Grothues

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