Digitale Entwicklung: St.-Anna-Realschule setzt aufs richtige Pferd

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Seit Jahren legt die St.-Anna-Realschule einen Schwerpunkt auf die digitale Entwicklung. Das kommt der Schule in der Corona-Krise zugute. Online- und Präsenzunterricht werden nun kombiniert.

Stadtlohn

, 01.06.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

In der Krise auch eine Chance zu sehen, ist ein geflügeltes Sprichwort. An der St.- Anna-Realschule hat man die Chance schon vor der Krise genutzt. Die Umstellung auf Online-Unterricht – jetzt auch in Verbindung mit Präsenzphasen – klappte reibungslos. Schon vor Jahren hatte man die Weichen für diese Art des Unterrichts gestellt, gerade viel in die Infrastruktur investiert. „Natürlich hätten auch wir gerne auf die Corona-Krise verzichtet, um unser System zu testen. Aber es zeigt sich nun, dass wir früh aufs richtige Pferd gesetzt haben“, erklärt Schulleiter Rüdiger Schipper.

Seit Jahren setzt die Realschule auf den Schwerpunkt „Digitale Entwicklung“: Gigabit-Internet, Glasfaserverbindung oder auch WLAN sind Standard – ebenso wie elektronische Tafeln. Der Schulserver IServ, der den Aufbau eines Schulnetzwerks einschließlich Webportal ermöglicht, wurde bereits 2015 installiert, Schipper selbst kennt das System bereits seit 15 Jahren: „Ich kenne sogar den Entwickler persönlich.“ Als Lernplattform dient auch Moodle.

Schon Fünftklässler sind fit am iPad

An der Klosterstraße arbeiten schon die Fünft- und Sechstklässler mit iPads, die unter der Verwaltung der Schule stehen. „So sind Chancengleichheit und Eignung für den Unterricht für alle Schüler gewährleistet“, so Schipper. Ebenso verfügt das gesamte Kollegium über dienstliche iPads. Das bereits vorhandene Lernmanagementsystem über den Video-Server musste sich nun neu beweisen. „Es musste sich zeigen, ob es auch funktioniert, wenn wir nur noch diesen Weg gehen und dieses nicht nur unterstützend nutzen“, berichtet Schipper.

Während der Fachlehrer von zuhause aus unterrichtet, hält Winfried Waschk in einem der drei Klassenräume die Aufsicht bei der Klasse 7a. So werden gleichsam Unterrichtsqualität und personelle Unterstützung sichergestellt.

Während der Fachlehrer von zuhause aus unterrichtet, hält Winfried Waschk in einem der drei Klassenräume die Aufsicht bei der Klasse 7a. So werden gleichsam Unterrichtsqualität und personelle Unterstützung sichergestellt. © Michael Schley

Kombiniert wird der Online- nun mit dem Präsenzunterricht, der nach einem rollierenden Plan umgesetzt wird. Klassen werden auf drei Räume verteilt, der Fachlehrer unterrichtet von zu Hause aus. In den drei Räumen sind weitere drei Lehrer zur Aufsicht, die vor allem koordinieren. „Schüler, die zum Beispiel Krankheitssymptome aufweisen, können sich von zu Hause aus zuschalten“, erklärt Schipper.

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In jedem Klassenraum gibt es zwei Kameras, die von dort auch gesteuert werden. „Wir wollen natürlich keine Big Brother-Situation“, betont Schipper, der sich ebenso zuschalten kann. Somit wird gewährleistet, dass alle Schüler gleichzeitig Unterricht beim Fachlehrer im „Online-Klassenzimmer“ genießen können – versetzt, um Begegnungen zu vermeiden, aber mit einer gemeinsamen Kernzeit.

Kernfächer bilden aktuell den Schwerpunkt

„Den Schwerpunkt bilden aktuell die Kernfächer, aber auch die Nebenfächer laufen sehr gut“, so Schipper. Das System ermöglicht auch Teamarbeit, alle Teilnehmer können in einem Online-Konferenzraum tagen, sogar Einzelgespräche von Schülern mit dem Lehrer sind möglich. „Dort können in einem geschützten Raum auch einmal Probleme besprochen werden, die man sonst nur im Präsenzunterricht behandeln kann.“ So ist eine morgendliche Konferenz auch Usus, um einen guten Start in den Tag zu bekommen.

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Mit Spannung erwartet man Mitte Juni einen Stresstest. „Wir wollen einen Online-Stundenplan testen über alle Klassen mit drei verpflichtenden Online-Konferenzen“, so Schipper. Der Server werde es schaffen, da ist er sich sicher. Man müsse natürlich auch abwarten, wie sich die Situation zu Hause darstelle. „Wie sieht es aus bei Familien mit drei Kindern und dem Mann im Homeoffice?“ Die Obergrenze werde zunächst bei drei Stunden am Tag gesetzt – „mehr ist bei dieser fokussierten Arbeit am Bildschirm nicht sinnvoll“.

Stresstest steht Mitte Juni bevor

Die Klassen 5 bis 9 erhalten dann Wochenpläne, können Aufgaben herunterladen, diese bearbeiten und die Ergebnisse wieder zur Verfügung stellen. Fast so, wie im normalen Unterricht. „Da muss man natürlich einschränken, dass im Präsenzunterricht eine andere Tiefe und Schärfe möglich sind. Beratung online braucht mehr Zeit“, erkennt der Schulleiter an. Aber man sei in den Kernfächern aktuell schon sehr weit gekommen.

Konzentriert arbeitet ein Teil der Klasse 7a die Aufgabenstellungen ab, die ihr der Fachlehrer auf die digitale Tafel wirft. So lässt sich Online- und Präsenzunterricht unter Corona-Bedingungen effektiv kombinieren.

Konzentriert arbeitet ein Teil der Klasse 7a die Aufgabenstellungen ab, die ihr der Fachlehrer auf die digitale Tafel wirft. So lässt sich Online- und Präsenzunterricht unter Corona-Bedingungen effektiv kombinieren. © Michael Schley

Das Feedback bei den Eltern sei stark, so Rüdiger Schipper. „Wir fragen das regelmäßig ab, 98 Prozent finden die Arbeit gut bis sehr gut.“ Dank eines Online-Kommunikationssystems konnte schon weit vor der Corona-Krise ein Netzwerk mit allen Eltern aufgebaut werden, das Lesen von Mails, die an diese geschrieben werden, muss von diesen gar bestätigt werden. „So erhalten wir eine enorme Verlässlichkeit und Reaktionsgeschwindigkeit“, so Schipper. Man kooperiere in diesem Bereich auch mit Nachbarschulen.

„Mehr können wir aktuell nicht machen"

„Außer mit verpflichtendem Präsenzunterricht können wir aktuell nicht mehr machen“, fasst Rüdiger Schipper das Projekt noch einmal zusammen. Und freut sich bereits auf den bevorstehenden Stresstest. Apropos Stresstest: Sollte auch das Schuljahr 2020/21 beginnen, wie das laufende ende, dann sei man vorbereitet. „Wir behalten aber die Hoffnung, dass das gemeinsame Online-Lernen dann vielleicht schon wieder nur unterstützend funktionieren muss.“

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