Die Gärtner-Elf hält das Wessendorf Stadion in Schuss

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Wenn diese Elf den Rasen im Wessendorf Stadion betritt, dann geht‘s zur Sache. Das ehrenamtliche „Team der Gärtner“ hält nicht nur das Grün in Schuss. Und das Spiel dauert länger als 90 Minuten.

Stadtlohn

, 19.06.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mittwochsmorgens um Neun im Wessendorf Stadion an der Hölderlinstraße. Die Elf, die jetzt auf den Platz aufläuft, trägt kein DJK-Trikot und keine Fußballschuhe. Aber jeder einzelne trägt die Eintracht im Herzen. Als Kinder hat sie der Fußball vor mehr als fünf Jahrzehnten zur DJK Eintracht geführt. Jetzt sind sie Rentner. Und sie sind das Team der Gärtner.

Über taktische Aufstellungen muss nicht lange geredet werden. Jeder kennt seine Aufgabe. Das Spiel kann gleich beginnen. Werner Rehermann schnappt sich den Laubbläser, Bernhard „Seppi“ Schuer den Freischneider. Es gibt immer was zu tun: Vier Sportplätze wollen gepflegt sein, genauso wie die angrenzenden Grünanlagen. Da ist Teamgeist gefragt. Woche für Woche.

Schon vor einem halben Jahrhundert gemeinsam gekickt

Seit fünf Jahren kümmern sich Werner Rehermann, Robert Veldscholten, Georg Wensing, Reinhard Rehermann, Hans Pohlmann, Klaus Mauritz, Bernhard „Seppi“ Schuer, Rob Holtschlag, Alois Terhechte, Clemens Lesker und Werner Veldscholten um das Wessendorf Stadion und das Vereinsheim.

„Seppi und ich haben damals gedacht, dass das gepflegter aussehen könnte“, erzählt Werner Rehermann (71). Ihn und Bernhard „Seppi“ Schuer (70) verbindet eine lange gemeinsame DJK-Geschichte, die in kurzen Hosen begann. Seppi Schuer kickte schon 1960 als Zehnjähriger in der DJK-Jugend, Werner Rehermann seit 1964.

„Die DJK Eintracht ist mehr als nur Sport“

Wie die beiden erlebten auch ihre Mitstreiter den Verein nicht nur als Sportverein. „In der DJK zählte schon immer nicht nur der sportliche Erfolg“, sagt Werner Rehermann. „Für uns Kinder und Jugendliche war der Verein immer auch ein attraktives Freizeitangebot. Und das ist die DJK auch heute noch. Seit vielen Jahren ist für uns auch Integration ein besonderes Anliegen.“ So seien viele Bindungen entstanden, die das Ehrenamt begünstigen.

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Werner Rehermann zeigt auf das Vereinsheim: „Das haben wir 1988 komplett in Eigenleistung errichtet.“ Seine Kameraden vom Team der Gärtner nicken. Viele von ihnen haben immer schon Hand angelegt im Verein. Auch 1990 beim Bau der Gesundheitsabteilung. Oder beim Bau des Pavillons für das Ferienlager in Hönningen.

Team-Senior ist 82 Jahre alt

Die Jüngsten im Team der Gärtner sind 65 Jahre alt, Senior ist Clemens Lesker mit 82 Jahren. Auf alle sei gleichermaßen Verlass, sagt Werner Rehermann. Das Geheimnis des Engagements kennt er auch: „Wir haben alle Spaß an der Arbeit. Die Geselligkeit kommt auch nicht zu kurz, zum Beispiel bei gemeinsamen Pättkestouren. Und wir wissen, dass der Verein durch unsere Arbeit Geld sparen kann. Es ist ja besser, wenn die Vereinsmittel in die Jugendarbeit fließen als in den Unterhalt des Stadions.“

So war es bislang auch beim anderen großen Sportverein, dem SuS. Doch der hat vor kurzem erklärt, lieber auf die finanziellen Zuwendungen der Stadt für die Platzpflege verzichten zu wollen. Stattdessen soll ein städtischer und hauptamtlicher Platzwart diese Aufgabe übernehmen.

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Der SuS-Vorsitzende Wilfried Steinhage erklärte, dass ehrenamtliche Nachwuchskräfte „leider“ nicht in Sicht seien. Steinhage: „Das Freizeitverhalten hat sich geändert. Nach wie vor finden wir viele Freiwillige, die mitanpacken wollen – aber sporadisch und nicht im wöchentlichen Rhythmus.“

Ist auf Dauer auch das Team der DJK-Gärtner durch Überalterung gefährdet? Werner Rehermann schüttelt den Kopf: „Nein, der Nachwuchs ist schon in Sicht. Fünf angehende Rentner wollen zum Team dazustoßen, sobald sie in den Ruhestand wechseln.“

Ein Spiel dauert 90 Minuten und hinterlässt einen zertretenen Rasen. Das Team der Gärtner steht jeden Mittwoch 180 Minuten auf dem Platz. Und zum Abpfiff um zwölf ist das Grün wieder picobello.

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