Die Biergartenzeit im Stadtlohner Losbergpark ist eröffnet

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Bereits am ersten Abend gut besucht war der Biergarten im Stadtlohner Losbergpark. Bis zum 16. August soll die Biergartensaison gehen.

Stadtlohn

, 18.07.2020, 18:26 Uhr / Lesedauer: 4 min

Bernd Busert sitzt unter einem Sonnenschirm und beobachtet die Besucher seines Biergartens. Vor ihm liegt eine Liste mit Namen – es sind schon einige der 43 Tische im neuen Pop-Up-Biergarten im Losbergpark besetzt. Die Liste mit Reservierungen zeugt davon, dass noch einige Gäste kommen werden.

Am Freitag (17.7.) hat der 33-Jährige seinen Biergarten erstmals geöffnet. Rund 300 Gäste sind am Abend gekommen, für 400 wäre Platz gewesen. So etwas gab es in der Region noch nicht und es muss sich erst herumsprechen, ist Bernd Busert zuversichtlich, dass er seinen Biergarten schon bald voll bekommt. „Es war schön und gemütlich“, resümiert der Stadtlohner zufrieden.

Die Gruppe aus dem Westerwald genießt zusammen mit Jörg Potthof (rechts) den Besuch in dem neuen Biergarten.

Die Gruppe aus dem Westerwald genießt zusammen mit Jörg Potthof (rechts) den Besuch in dem neuen Biergarten. © Bernd Schlusemann

Dabei gilt es für ihn natürlich, in der jetzigen Corona-Zeit viele Vorgaben des Ordnungsamtes einzuhalten. Desinfektionsspender an allen Eingängen, Hinweisschilder, dass beim Gang zur Toilette eine Maske aufzusetzen ist, und vieles mehr hat der Familienvater vorab mit den Mitarbeitern der Stadtverwaltung besprochen und dann in einem Hygienekonzept umgesetzt.

Tische und Bänke sind festgeschraubt

Die 8er-Tische sind so weit auseinander gesetzt, dass sich auch noch jemand an den Tischenden mit einem Stuhl dazusetzen kann, ohne die Abstandsregelungen zu brechen. Auf dem Zeltboden festgeschraubte Tische und Bänke garantieren, dass keine Tische zusammengerückt werden können. Es gilt halt bei aller Feierlaune, weiter Abstand zu halten.

„Das ist am ersten Abend gut gelungen“, schildert Bernd Busert am Samstagmittag. Jeder, der sich an einen Tisch setzt, muss einen Bogen ausfüllen, Name und Telefonnummer angeben. „Erst dann kann bestellt werden“, sagt der Gastronom und Zeltverleiher, und ergänzt, dass die Leute sich schon daran gewöhnt haben.

Am frühen Samstagmittag war es noch ruhig in dem Biergarten. Die Hygienevorschriften waren trotzdem einzuhalten. Spender mit Desinfektionsmittel stehen an allen Eingängen.

Am frühen Samstagmittag war es noch ruhig in dem Biergarten. Die Hygienevorschriften waren trotzdem einzuhalten. Spender mit Desinfektionsmittel stehen an allen Eingängen. © Bernd Schlusemann

Klar, als am späteren Abend einige Gäste nach ein paar Bierchen und in Feierlaune zu nah zusammenrückten, mussten Busert und seine Mitarbeiter auch schon mal darauf hinweisen, dass die Abstandsregeln einzuhalten sind. Die Gäste hätten Verständnis gezeigt und sich entsprechend verhalten, freut sich Busert, dass seine Gäste mit viel Vernunft in den Biergarten gekommen sind.

Mit der Stadt gut zusammengearbeitet

Kritik hat Bernd Busert von dem einen oder anderen Gastronomen aus der Region gehört. Wie es denn sein könne, dass er so etwas genehmigt bekomme? Hier rät der Stadtlohner ganz simpel, „mit Stadt und Ordnungsamt darüber zu sprechen, wie so etwas umgesetzt werden kann“. „Mit der Stadt hat das reibungslos funktioniert“, ergänzt Busert.

Am Ende der Gespräche hat die Stadtverwaltung ihm eine 850-Quadratmeter-Fläche im Losbergpark für die nächsten vier Wochen für den Freiluft-Biergarten zur Verfügung gestellt. Der Rasen unter dem Zeltboden dürfte nach dieser Zeit kaputt sein, doch auch dafür ist gesorgt: Busert lässt die Fläche nach der Biergartenzeit von einem Gärtner neu einsäen.

Am ersten Abend spielten die Wiesentaler, und manches Schützenfestlied klang durch den Losbergpark, so, als wenn dort sonst wie Ende Juni die St. Otgerus-Schützengilde ihr Fest feiert. Die Schützenvereine mussten in diesem Jahr alle ihre Feste absagen. Auch andere Großveranstaltungen dürfen auf Grund der Corona-Pandemie nicht stattfinden. Das hat Bernd Busert als Zeltverleiher besonders hart getroffen.

Erst vor einem Jahr das Geschäft übernommen

Zum 1. Januar 2019 hat er den Zeltverleih Stockhorst in Gescher übernommen. „Wir sind voller Tatendrang ins zweite Jahr gegangen“, schildert Bernd Busert, dass nach Karneval und dem dann folgenden Corona-Lockdown nichts mehr ging. Egal ob Send in Münster oder die vielen Schützenfeste in der Region. Ab Mitte März klingelte das Telefon des Zeltverleihers nicht für neue Aufträge, sondern meist für Absagen.

Für rund 400 Besucher bietet der Pop-Up-Biergarten Platz.

Für rund 400 Besucher bietet der Pop-Up-Biergarten Platz. © Bernd Schlusemann

Der 33-Jährige hat rund 4.500 Quadratmeter Zeltfläche, die in der Saison meist als drei Großzelte und mehreren kleineren Zelten irgendwo für Feste aufgebaut werden. Acht fest angestellte Mitarbeiter und für Veranstaltungen rund 35 400-Euro-Kräfte beschäftigte der Stadtlohner bis zum Lockdown. Jetzt hat er die Festangestellten in Kurzarbeit geschickt, beziehungsweise zwei Lkw-Fahrer „in die Landwirtschaft ausgeliehen“, sagt Bernd Busert.

Die Situation „ist schwierig“, beschreibt der Stadtlohner. Klar, er hat die Hilfen vom Staat in Anspruch genommen, sieht aber auch, dass es schwierig wird, wenn sich die Pandemie bis ins nächste Jahr zieht.

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So wie Bernd Busert mit Elan in das zweite Jahr als selbstständiger Unternehmer gehen wollte, mit so viel Elan hat er umgedacht. Der Pop-Up-Biergarten ist nur ein Beispiel, auch an der Umsetzung des Autokinos in Stadtlohn war er beteiligt.

In der Krise kreativ geworden

Einige kleine Zelte hat er an Altenpflegeheime als Begegnungszelte verliehen. So können Angehörige Familienmitglieder in Pflegeheimen besuchen, andere Zelte stehen dort, damit Mitarbeiter sich beim Schichtwechsel getrennt umziehen können und sich so nicht begegnen. Ein größeres Zelt hat Busert an ein Unternehmen vermietet, das dort in den nächsten Monaten Waren einlagert.

Dass er im Jahr 2020 noch einmal ein Zelt für eine größere Veranstaltung aufbauen kann, diese Hoffnung hat Bernd Busert aufgegeben. Für ihn stellt sich auch die Frage, ob beispielsweise Weihnachtsmärkte oder der Karneval stattfinden können.

Es sind schwierige Zeiten für Bernd Busert, seine Familie und seine Mitarbeiter im zweiten Jahr nach der Geschäftsübergabe von der Familie Stockhorst aus Gescher an den Stadtlohner. Trotzdem steckt der 33-Jährige den Kopf nicht in den Sand, versucht mit solchen Aktionen sein Unternehmen zu erhalten und gleichzeitig den Stadtlohnern und den Menschen aus der Region ein Ziel und etwas Abwechslung in der Zeit der Pandemie zu bieten.

Gästen gefällt der Biergarten

Und das ist ihm gelungen. „Das ist hier sehr schön gemacht“, meint Rudi Hoppen und findet Zustimmung bei seinen Tischnachbarn. Der 64-Jährige und seine Gruppe kommen aus dem Westerwald und besuchen Bekannte in Stadtlohn.

Rund 400 Besucher haben Platz in dem Biergarten.

Rund 400 Besucher haben Platz in dem Biergarten. © Bernd Schlusemann

„Wir wollten mal schauen, wie es ist“, meint Jörg Potthoff. Der Stadtlohner genießt nicht nur den Besuch im Biergarten. „Damit können wir gleichzeitig auch die Gastronomie unterstützen“, meint er auch mit Blick auf den Arira-Imbiss am Eingang. Den hat Bernd Busert ganz bewusst als heimisches Unternehmen mit ins Boot genommen.

Verschiedene besondere Aktionen geplant

Der Pop-Up-Biergarten wird in den nächsten vier Wochen bei kostenlosem Eintritt bis zum 16. August geöffnet sein, montags bis freitags ab 17 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr. An diesen Beiden Tagen gibt es am Nachmittag auch Kaffee und Kuchen.

Bernd Busert hat für jedes Wochenende einen besonderen Act gebucht. Am nächsten Samstag geht es mit der Central-Park-Band aus Bochum zurück in die 70er-Jahre. Die-Simon&Garfunkel-Tribute Band sorgt mit Hits des amerikanischen Folk-Rock-Duos für Unterhaltung und Stimmung bei den Gästen des Biergartens. Karten gibt es online ab Montag für 22 Euro. Einlass ist um 17 Uhr, die Band spielt ab 18 Uhr.

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