Die Berkel erhält jetzt ein breiteres Bett

Gewässerschutz

Schweres Gerät und Ökologie müssen kein Widerspruch sein. Am Unterlauf der Berkel verschaffen Bagger dem Fluss mehr Platz für mehr Wildnis.

Stadtlohn

, 01.12.2018, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der verbreiterte Flusslauf ist bereits jetzt zu erkennen. Die Berkel erhält durch die Strukturverbesserung Bereiche mit unterschiedlichen Tiefen und Fließgeschwindigkeiten. So bietet sie Lebensräume für Fische und Kleinstlebewesen.grothues

Der verbreiterte Flusslauf ist bereits jetzt zu erkennen. Die Berkel erhält durch die Strukturverbesserung Bereiche mit unterschiedlichen Tiefen und Fließgeschwindigkeiten. So bietet sie Lebensräume für Fische und Kleinstlebewesen.grothues

Am sonst so ruhigen Berkelstrand nördlich des Linwards gerät einiges in Bewegung: Baggerschaufeln graben sich ein ums andere Mal in die Uferböschung, Lkw fahren über mit Stahlplatten belegte Trassen Tausende von Kubikmeter Erdreich ab. Die Fachleute sprechen von „strukturverbessernden Maßnahmen“ an Berkel und dem Nebengewässer Claushues Pohl. Oder anders gesagt: Das Flussbett wird verbreitert, so dass die Berkel und auch der Claushues Pohl naturnaher und freier fließen können.

Umgestaltung auf 900 Metern

Die Berkel wird dabei auf einem 900 Meter langen Abschnitt unterhalb des Stadtgebiets bis zur Mündung des Claushues Pohl umgestaltet. Dabei wird die Flusssohle um anderthalb Meter aufgeweitet. Dadurch können flachere Uferbereiche entstehen, in denen sich das Wasser selbst seinen Weg sucht. Neu eingebrachtes Totholz wie Baumstämme, Äste oder Wurzeln schaffen geschützte Bereiche mit unterschiedlichen Strömungen und Temperaturen. So entstehen Lebensräume und Nahrungsquellen für Kleinstlebewesen und für Fische. Die neuen Strömungsverhältnisse sollen im Uferbereich auch die Bildung von flachen Gleithängen und steilen Prallhängen fördern.

Anforderungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie

Hintergrund der Maßnahme ist die Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, die fordert, dass der gute ökologische Zustand der Gewässer hergestellt und geschützt werden muss. „Dies ist aktuell nicht der Fall, da durch menschliche Eingriffe in der Vergangenheit die Ufer befestigt und die natürlichen Erosions- und Sedimentationsprozesse verhindert wurden“, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt Stadtlohn.

Weitere Renaturierungs-Maßnahmen

Auch am Nebengewässer Claushues Pohl werden 400 Meter Fließstrecke renaturiert. Hier sind es vor allem Sohl- und Uferbefestigungen sowie Betonschwellen aus den 1970er-Jahren, die den Bachlauf schnurgerade kanalisieren und deshalb entfernt werden. „Durch die Umsetzung aller Maßnahmen, die neben Erd- und Tiefbauarbeiten auch den Einbau von Totholzelementen im Gewässer umfassen, wird ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der ökologischen Verhältnisse an den Gewässern geleistet“, so Günter Wewers, Sprecher der Stadt Stadtlohn. Die Flächen befinden sich weitestgehend im Eigentum des Kreises. Die Kosten für die Strukturverbesserung liegen bei rund 900.000 Euro. 20 Prozent muss die Stadt zahlen, 80 Prozent werden vom Land NRW finanziert.

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