Canario überzeugt sowohl mit „normalen“ als auch mit außergewöhnlichen Pizzen und Nudeln

dzRestaurant-Check

Der flüchtige Blick beim Vorbeifahren lässt eine „Pizzeria an der Ecke“ vermuten. Weit gefehlt. Ob Pizza, Pasta oder Carpaccio – sogar bis hin zum Espresso überzeugt das Restaurant „Canario“.

Stadtlohn

, 15.02.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 5 min

Der Restaurant-Check bei Canario war ein ganz besonderer. Wir waren zweimal da. Nicht, weil es uns nicht beim ersten Mal nicht geschmeckt hätte. Aber dass wir den ersten Besuch als Privatvergnügen verbucht haben, hat einen bestimmten Grund. Und der hat mit der Speisekarte zu tun.

Unser erster Besuch ist an einem Donnerstagabend. Es ist voll, sehr voll, im Eingangsbereich stehen viele Leute, aber wir bekommen gleich rechts um die Ecke einen Zweiertisch, der gerade frei geworden ist. Im Augenwinkel habe ich beim Reingehen eine Tafel wahrgenommen, die habe ich aber bis zur Bestellung schnell vergessen. Wir sehen die italienischen Klassiker auf der Karte und bestellen Vorspeisen und Pizza.

Nach dem Zahlen, wir sind sehr zufrieden, sehen wir, wie am Nebentisch ein Stück Fleisch mit Flusskrebsen obendrauf serviert wird. Wo hat der Gast das denn her? Mir fällt die Tafel ein. Hmm, hätte die freundliche Servicekraft ja mal drauf hinweisen können. Aber wir wirkten wahrscheinlich schon zu fest entschlossen. Und saßen tatsächlich an dem einzigen Tisch ohne freie Sicht auf die Tafel. Die sehen wir uns beim Rausgehen mal näher an und der Gedanke reift: Für einen Check wären die Gerichte interessanter.

Can Hadraj und ein Teil seines Teams. Er ist stolz auf sein Personal, am Wochenende hat er bis zu zwölf Leute beschäftigt.

Can Hadraj und ein Teil seines Teams. Er ist stolz auf sein Personal, am Wochenende hat er bis zu zwölf Leute beschäftigt. © Markus Gehring

Die Vorfreude darf eine Woche wachsen. Am Mittwoch drauf sind wir erneut an der Alten Poststraße, beruflich. Diesmal werden wir zu einem Tisch im hinteren Bereich geführt. Das Ambiente ist einladend und angenehm, die gut besetzten Tische stehen nicht zu eng beieinander. Dem Nachbarn rückt man nicht zu sehr auf die Pelle. Aber man kann schon schauen, was sie so auf dem Teller haben.

Unsere ganze Aufmerksamkeit gilt natürlich zunächst den Gerichten auf der Tafel. Die Flasche Pellegrino-Wasser wird schnell von der freundlichen Servicekraft gebracht, dann wird ausgesucht. Ein Gericht fällt mir ins Auge: Ich esse gern Pizza, eigentlich am liebsten und fast immer vegetarisch. Aber Rindfleisch mag ich auch sehr. „Pizza mit Roastbeef, Rucola und Pesto“ – ich wage an diesem Abend wirklich was mit dieser Kombination. Mein Mann hat sich schnell für Bandnudeln mit Steinpilzen, Gemüse und Hähnchenbrust entschieden. Wir sind gespannt.

Die Vorspeisen
Der Anti-Pasti-Teller bietet Vielfalt.

Der Anti-Pasti-Teller bietet Vielfalt. © Anne Winter-Weckenbrock


Der Anti-Pasti-Teller ist schon ein echter Hingucker. Acht verschiedene Kleinigkeiten. Meinem Mann trete ich sofort die Scheibe Carpaccio und die Melone mit Parmaschinken ab. Aber das Vitello tonnato ist ein Traum. Das Bruschetta ebenso gut wie vergangene Woche und die Flusskrebse in Honig-Senf auf geröstetem Weißbrot sind eine richtig leckere Überraschung. Tomate und Mozzarella, gegrillte Zucchini und Thunfischpaste in getrockneter Tomate runden den Genuss ab. Ein vielversprechender Einstieg.

Eine Vorspeise: das Rindercarpaccio mit hauchdünnen Parmesanscheiben

Eine Vorspeise: das Rindercarpaccio mit hauchdünnen Parmesanscheiben © Anne Winter-Weckenbrock

Das nur leicht gewürzte Carpaccio überzeugt meinen Mann. Er lobt die gute Qualität des hauchdünn geschnittenen Rinderfilets. Alles ist sehr schön angerichtet auf dem Teller. Dünn geschnittene Parmesanscheiben bedecken auf der Tellermitte ein Rucolanest – auch mal eine Idee. Nach einer kleinen Pause geht er die etwas dicker geschnittene Carpaccioscheibe und den Parmaschinken auf Melone vom Antipasti-Teller an und ist auch hier ganz angetan.

Die Hauptspeisen

Bandnudeln mit Steinpilzen und Hähnchenbrust und Gemüse

Bandnudeln mit Steinpilzen und Hähnchenbrust und Gemüse © Anne Winter-Weckenbrock

Auf einem großen weißen Pastateller sind helle und grüne Bandnudeln in die Kuhle gedreht. Das sieht schon gut aus. Nach der ersten Gabel steht fest: Die Nudeln haben eine „Frischequalität“. Mit den Steinpilzen und den Hähnchenstücken ergibt die Pasta eine gelungene Komposition. Die Sahnesoße ist nicht zu schwer, ist sehr fein abgestimmt und die Steinpilze verleihen ihr einen intensiven frischen Geschmack. Ein rundes Gericht und von der Portion passend – selbst für jemanden, der Hunger mitgebracht hat.

Die Pizza mit Roastbeef, Rucola und Pesto

Die Pizza mit Roastbeef, Rucola und Pesto © Anne Winter-Weckenbrock

Die Pizza mit Roastbeef schaue ich mir ja erst mal genau an. Die Frau vom Service hatte mir versichert, dass das Roastbeef auf keinen Fall blutig, aber auf jeden Fall noch schön weich ist. Die Scheiben sind schön dünn, nur noch ein bisschen in der Mitte rosa, und es liegt viel Rucola obendrauf. Ganz mein Ding.

Und tatsächlich: Das Rindfleisch schmeckt in Kombination mit Tomatensoße und ein wenig Käse sehr, sehr gut. Das Pesto muss in homöopathischer Dosis die Würze geben, das schmecke ich nicht extra heraus. Dafür aber den frisch gemahlenen Pfeffer auf dem Fleisch. Der Pizzateig ist auch nicht zu dick – eine runde Sache.

Das Dessert

Das Panna Cotta mit Erdbeermus

Das Panna Cotta mit Erdbeermus © Anne Winter-Weckenbrock

„Dessert? Sprechen Sie uns an“, steht auf der Karte. Da kennt mein Mann nichts, denn er hatte schon beim ersten Mal das Panna Cotta genossen. Und: Wieder ist es klasse im Geschmack und nicht zu süß. Der Erdbeerspiegel und die Erdbeerstückchen sind schön angerichtet, der „Dessertteller“ ist ungewöhnlich und stilvoll.

Die Portionsgröße ist auch passend, auch wenn es für meinen Mann noch ein Tick mehr hätte sein dürfen. Aber man soll ja auch auf die Figur achten. Und so passt das Schokotäfelchen zum Espresso auch noch. Apropos Espresso: Auch der ist extrem lecker, da wird eine gute Bohne gemahlen.

Das Fazit

Wir haben sehr lecker gegessen, die Bedienung war freundlich und immer ansprechbar, die Tische waren einladend, aber nicht zu verspielt gedeckt, Porzellan und Besteck hochwertig. Viele Kleinigkeiten ergeben ein gutes Gesamtbild. Insgesamt war der Espresso zum Abschluss eine gelungene Abrundung eines auch kulinarisch gelungenen Abends.

Uns war „Canario“ schon von verschiedenen Seiten empfohlen worden. Jetzt können wir es auch weiter empfehlen an alle, die einen zwanglosen Mittag oder Abend verleben wollen, der schon damit beginnt, dass nicht reserviert wird. „Wir finden immer einen Platz, sonst werfen wir einen raus“, hatte – so stellt sich später am Abend raus – der Chef selbst meinem Mann mittags am Telefon gesagt. So macht er es auch, sagt Can Hadraj lachend in unserem Gespräch, relativiert aber natürlich: Rausgeschmissen werde niemand. Aber wenn viele Leute auf einen Tisch warten, wird schon mal eine Besetzung, die mit dem Essen fertig ist, an die Theke auf ein Getränk eingeladen.

Ein Blick ins Restaurant Canario: Im hinteren Teil hat Can Hadraj einen Innenhof nachempfunden.

Ein Blick ins Restaurant Canario: Im hinteren Teil hat Can Hadraj einen Innenhof nachempfunden. © Markus Gehring

Mittags sind die Tische voll – und abends auch. Es ist ein Kommen und Gehen, viele Stammgäste, das bestätigt Can Hadraj. Im Sommer ist er seit 13 Jahren an der Alten Poststraße – und hat sich einen Ruf weit über Stadtlohns Grenzen hinaus erarbeitet. 1991 kam er als 17-Jähriger nach Gescher, wo er im Restaurant seines Cousins nur einige Monate aushelfen wollte. Er blieb – und machte sich dann vor 13 Jahren in Stadtlohn selbstständig.

Er lebt seinen Beruf und hat einen hohen Qualitätsanspruch, sagt er überzeugend. Und es ist nicht nur so, dass er das zubereitet, was auf der Karte und der Tafel steht: „Der Kunde darf sich auch was wünschen, ich versuche, das möglich zu machen.“ Er ist von früh bis spät im Betrieb – und das gerne.

Ein Blick ins Restaurant Canario: Von diesem Teil aus kann das Geschehen auf der L 572 beobachtet werden.

Ein Blick ins Restaurant Canario: Von diesem Teil aus kann das Geschehen auf der L 572 beobachtet werden. © Markus Gehring

Die Preise

Wir zahlen insgesamt 52,50 Euro. Für die gebotene Qualität ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. Die Antipasti und die Bandnudeln kosten 9,50 Euro, das Carpaccio und die Pizza Roastbeef 10,50 Euro. Das Dessert und die Flasche San Pellegrino schlagen mit 5,50 Euro zu Buche, der Espresso mit 1,50 Euro. Rotwein und Weißwein trocken, steht in der Karte. Beim Weißwein verbirgt sich ein guter und leckerer Lugana hinter dieser Angabe und der war mit 4,50 Euro für das Glas beim ersten Besuch wirklich günstig.

Kinderfreundlichkeit

Es gibt keine eigene Kinderkarte, aber jede Portion kann kleiner ausfallen und wie für die Großen kocht Can Hadraj auch für die Kleinen auf Wunsch.

Barrierefreiheit

Vor dem Haupteingang sind Treppenstufen. Aber wenn ein Gast mit Rollstuhl oder Rollator ins Restaurant möchte, hilft das Canario-Team, über eine Stufe am Nebeneingang hineinzukommen.

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Das sagt das Netz

4,8 von 5 möglichen Sternen geben die User dem Restaurant Canario bei Google. „Einfach gesagt ist super da“ oder „Sehr leckere Pizza und guter Service. Immer wieder gerne“, heißt es bei den Google-Bewertungen genauso wie „Super freundlicher Empfang und das um kurz vor halb 11 abends. Das Essen ist auch top und die Location sehr angenehm.“

Auch bei Tripadvisor schneidet Canario mit 4,5 von 5 Punkten sehr gut ab. Bei einer Bewertung haben wir uns wiedergefunden: „Das kleine Lokal hat mich sehr angenehm überrascht. Der Inhaber ist außergewöhnlich freundlich und das Essen war mehr als gut. Vertrauen Sie ruhig der Tagesempfehlung von Can. Ich hatte Pizza Roastbeef mit Rucola und Parmesan und habe selten eine so gute Pizza gegessen.“

Das Restaurant

Canario, Ristorante

Alte Poststraße 15

Stadtlohn

Tel. (02563) 2 05 64 44

geöffnet täglich von 11.30 bis 14.30 Uhr und 17 bis „open End“

Dienstag ist Ruhetag

SO FUNKTIONIERT DER RESTAURANT-CHECK

Wir gehen ohne Ankündigung in die jeweiligen Restaurants – als ganz normale, zahlende Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben die Lokale so, wie wir über sie mit Freunden und Bekannten sprechen würden – mit ihren Schwächen und Stärken.
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