Nachhaltigkeit und Lokalität stehen für Bürgerstiftung seit 15 Jahren an erster Stelle

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Die Bürgerstiftung „Aktive Bürger – Borken, Stadtlohn und Umgebung“ investiert seit 15 Jahren in sozial-karitative Projekte. Dabei setzen die Mitglieder auf Nachhaltigkeit und Lokalität.

Stadtlohn

, 17.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bisher ist es eine 15-jährige Erfolgsgeschichte. Und wenn es nach den führenden Köpfen der Bürgerstiftung „Aktive Bürger – Borken, Stadtlohn und Umgebung“ geht, dann ist sie noch lange nicht zu Ende erzählt. „Stiftungen sind schließlich auf die Ewigkeit ausgelegt“, sagt Berthold te Vrügt. Gemeinsam mit Elisabeth Hüls bildet er den Stiftungsvorstand.

2004 wurde die Bürgerstiftung durch den damaligen münsterschen Regierungspräsidenten Jörg Twenhöven offiziell als Stiftung anerkannt. Seitdem fördern sie beispielsweise Projekte in Schulen, Seniorenheimen und Vereinen. Auch an der Gründung der Stadtlohner Jugendkulturwerkstatt wirkte man federführend mit.

Schon damals schrieben sich die Gründer die bis heute bestehenden Leitsätze auf die Fahne. „Unsere Stiftung engagiert sich vor Ort im sozial-karitativen Bereich. Der regionale Bezug ist ganz, ganz wichtig“, erklärt Elisabeth Hüls.

Heinrich Tömmers: „Wir sind eine Mitmach-Stiftung“

Heinrich Tömmers (75), der durch sein Alter satzungsbedingt in diesem Jahr aus dem Vorstand ausschied, nennt die Bürgerstiftung gerne „Mitmach-Stiftung“. „Das Kapital wird langsam und sicher von vielen Stiftern gesammelt und angelegt. Wir bekommen Geld von Leuten vor Ort und wir investieren es in Projekte vor Ort“, so Tömmers.

Nachhaltigkeit und Lokalität stehen für Bürgerstiftung seit 15 Jahren an erster Stelle

Beate Dillage-Wiechmann (Geschäftsführung), Heinrich Tömmers, Berthold te Vrügt (Vorstand), Silvia Frechen (Geschäftsführung) und Elisabeth Hüls bei einer ihrer regelmäßigen Sitzungen am Montagnachmittag in der Stadtlohner VR-Bank. © Johannes Schmittmann

Wem das nötige Kleingeld fehlt, kann sich an anderer Stelle einbringen. „Es gibt auch Bürger, die auf uns zukommen und uns ihre Zeit oder Ideen stiften. Auch darauf sind wir angewiesen“, erklärt Elisabeth Hüls und stellt klar: „Bei uns arbeiten alle ehrenamtlich.“

Das Besondere: Jeder Cent, der aus Kapitalerträgen und Spenden zusammenkommt, wird direkt in ausgewählte Projekte gesteckt. „Durch unsere drei Gremien – Vorstand, Kuratorium und Stifterversammlung – gibt es eine große Transparenz und Kontrolle. Das ist unerlässlich und zahlt sich aus. Es hat sich über die Jahre ein Netzwerk von unschätzbarem Wert entwickelt. Das ist nicht vom Himmel gefallen“, sagt Berthold te Vrügt.

63 Zustifter – 807.000 Euro Stiftungskapital

Aktuell zählt die Bürgerstiftung 63 Zustifter. Die stetige Weiterentwicklung der Stiftung lässt sich am deutlichsten an den Zahlen erkennen. Im Jahr 2004 mit 50.000 Euro gestartet, beträgt das Stiftungskapital mittlerweile über gut 800.000 Euro. „Von den Erträgen können wir wirklich etwas bewegen“, so Berthold te Vrügt.

Die Niedrigzinspolitik macht allerdings auch der Bürgerstiftung zu schaffen. „Es kommt immer häufiger vor, dass Menschen aus der Region kleinere Beträge an uns spenden und nicht stiften. Auch diese Spenden gehen natürlich eins zu eins in die nächsten Projekte“, sagt Heinrich Tömmers. 31.600 Euro ergaben sich im verganen Jahr aus Kapitalerträgen und Spenden.

Nachhaltigkeit und Lokalität stehen für Bürgerstiftung seit 15 Jahren an erster Stelle

Auch das Jugendwerk Stadtlohn erhielt in der Vergangenheit Unterstützung. © privat

Welche Projekte am Ende den Zuschlag erhalten, entscheidet zunächst der Vorstand. Das Kuratorium muss die Entscheidung allerdings noch absegnen. Bei der Zusammenstellung der Gremien wurde bewusst darauf geachtet, einen Querschnitt der Gesellschaft abzubilden. „Dadurch ergibt sich ein ganz besonderer Ideenpool“, erklärt Elisabeth Hüls.

Nur Projekte werden gefördert, keine Einzelpersonen

Für eine Förderung müssen aber gleich mehrere Kriterien erfüllt werden. Es werden nur Projekte gefördert, nie Einzelpersonen. „Wir sind nicht dafür da, Frau Müller in Not zu helfen. Wir stellen stattdessen dem Verein ‚Familie in Not‘ Geld zu Verfügung, um verschiedene Aktionen umzusetzen“, so Hüls.

Außerdem sei die Stiftung nicht dafür da, Geld in Projekte zu investieren, für die eigentlich jemand anderes zahlen müsste. Ein Beispiel: Damals zahlte die Bürgerstiftung für Anti-Aggressions-Training an Stadtlohner Schulen. Dafür kommt allerdings mittlerweile das Jugendamt auf, weshalb sich die Stiftung aus diesem Bereich zurückgezogen hat.

Nachhaltigkeit steht im Fokus

Ein wichtiges Schlagwort, das im Gespräch mit der Redaktion immer wieder fällt, ist die Nachhaltigkeit. „Für uns ist das Projekt mit der Übergabe des Schecks nicht beendet. Wie schauen immer: Was passiert danach? Aus einem Projekt entsteht oft das nächste“, sagt Berthold te Vrügt. Deshalb sei es wichtig, diese Termine möglichst immer persönlich zu besetzen.

Ein und dasselbe Projekte mehrfach zu fördern, komme allerdings nur in absoluten Ausnahmefällen vor. „Wir haben ein Raster, nach dem wir Anträge genehmigen oder ablehnen. Allerdings gibt es keine Blaupause. Wir als Vorstand müssen immer abwägen, ob es zu uns passt oder nicht“, so das Vorstandsmitglied.

Wenn Elisabeth Hüls auf die 15 Jahre zurückblickt, denkt sie besonders gerne an das Jahr 2015 zurück. In diesem Jahr förderte die Bürgerstiftung ein Projekt, bei dem am Ende die Chorgruppe „Ohrwürmer“ gemeinsam mit Schülern der ehemaligen Stadtlohner Johannesschule auf der Bühne stand und ein Konzert gab. „Da bekomme ich heute noch Gänsehaut.“

Die Bürgerstiftung „Aktive Bürger“

  • 297.000 Euro sind bisher in regionale Projekte geflossen
  • Wer wenigstens 1000 Euro stiftet, wird Mitglied der Stifterversammlung
  • Um die Bürgernähe zu unterstreichen, heißt die Stiftung seit diesem Jahr auf offiziell „Bürgerstiftung – Aktive Bürger“. Vorher hieß sie „Stiftung – Aktive Bürger“
  • Wer sein gespartes Geld in ein bestimmtes Projekt investieren möchte, kann bei der Bürgerstiftung auch eine Unterstiftung gründen
  • Kontakt: Bürgerstiftung Aktive Bürger, Butenwall 57, Borken; Tel. (02861) 80 06 12 12; info@stiftung-aktivebuerger.de
  • www.stiftung-aktivebuerger.de
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