Bürgemeisterkandidaten sind bei Podiumsdiskussion oft einer Meinung

dzKommunalwahl

Günter Wewers und Berthold Dittmann treten zwar gegeneinander um das Amt des Bürgermeisters an, doch die Wahl fällt schwer: So unterschiedlich sind ihre Standpunkte nämlich nicht.

Stadtlohn

, 21.08.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Zwei Stunden haben sich die beiden Stadtlohner Bürgermeisterkandidaten Günter Wewers (CDU) und Berthold Dittmann (parteilos) am Donnerstag einen Schlagabtausch geliefert. Auf Einladung der Münsterland Zeitung waren sie in die Stadthalle gekommen. Chefreporter Stefan Grothues stellte die Fragen an die Kandidaten zusammen mit Redaktionsleiter Bernd Schlusemann, der auch die Begrüßung übernommen hatte.

Wegen der Coronabeschränkungen konnten nur 100 Stadtlohner vor Ort dabei sein. Viele haben die Diskussion online live verfolgt.

Unterschiede in den Standpunkten der beiden Kontrahenten mussten die Zuhörer schon mit der Lupe suchen.

Unterschiede in den Standpunkten der beiden Kontrahenten mussten die Zuhörer schon mit der Lupe suchen. © Stephan Rape

Die Unterschiede zwischen den Kandidaten mussten Zuhörer dabei allerdings schon mit der Lupe suchen. In vielen Themen waren sich Günter Wewers und Berthold Dittmann, der von UWG, SPD, FDP und den Grünen unterstützt wird einig. Der Satz: „Wie mein Mitbewerber schon gesagt hat...“ fiel mehrfach:

Gewerbeflächen
Wewers: „Wir werden auch an vielen Stellen bald neue Flächen ausweisen können. Allerdings unterliegen wir auch immer behördlichen Einschränkungen. Ich möchte in das Thema auf jeden Fall mehr Dampf hineinbekommen und die Flächen schnell entwickeln.“

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Dittmann: „Stadtlohn ist ein attraktiver Standort. Wir müssen den Horizont weiter ziehen und früher als heute Flächen erwerben. Das Thema Wirtschaftsförderung insgesamt muss einen höheren Stellenwert bekommen. Klar ist auch, dass wir nur die Flächen verkaufen können, die auch zur Verfügung stehen.“
Berthold Dittmann (parteilos) wird von UWG, SPD, FDP und Grünen in Stadtlohn unterstützt. Im Gegensatz zu seinem Gegenkandidaten wirkte er auf der Bühne etwas farbloser kam dafür schneller auf den Punkt.

Berthold Dittmann (parteilos) wird von UWG, SPD, FDP und Grünen in Stadtlohn unterstützt. Im Gegensatz zu seinem Gegenkandidaten wirkte er auf der Bühne etwas farbloser kam dafür schneller auf den Punkt. © Stephan Rape

Wohnungen

Wewers: „Wir wissen, dass der durchschnittliche Stadtlohner ein Einfamilienhaus möchte. Gleichzeitig werden gerade ja auch viele Wohnungen in Mehrfamilienhäusern gebaut. Ich bin dafür, neue Grundstücke und Baugebiete auszuweisen, denn nur mit Nachverdichtung funktioniert es nicht.“
Dittmann: „Es gibt auch in Stadtlohn Menschen, die auf Sozialwohnungen angewiesen sind. Die Kosten für Wohnraum schießen auch in Stadtlohn durch die Decke und sind für Familien zunehmend schwieriger zu stemmen. Da brauchen wir neue Konzepte: junge Leute in alten Häusern oder Baulücken in bestehenden Wohngebieten, die erst geschlossen werden müssen. Stadtlohn ist in den vergangenen Jahren gigantisch gewachsen. Nach außen haben wir da definitiv eine Grenze erreicht.“

Schulen

Wewers: „850.000 Euro aus dem Digitalpakt und 250.000 Euro aus dem Vital-NRW-Projekt Berkel-Schlinge fließen in die technische Ausstattung der Schulen. Stadtlohn ist eine der ersten Kommunen, die die Mittel beantragt hat. In den meisten Klassen können wir schon mit Tablets arbeiten.“
Dittmann: „Die technische Ausstattung ist das Eine. Die Corona-Krise hat gezeigt, dass wir alle Schulen schnellstmöglich online bekommen müssen. Wir müssen Schüler und Lehrer auch so weit schulen, dass sie die Technik nutzen können und dass Anwenderfehler nicht den Erfolg zunichte machen.“

Günter Wewers (CDU) punktete vor allem mit seiner langjährigen Erfahrung in der Stadtlohner Verwaltung und seiner hemdsärmeligen Art. Er hatte allerdings Schwierigkeiten, sich an die vorgegebene Redezeit von zwei Minuten pro Antwort zu halten und bekam mehrfach die rote Karte gezeigt.

Günter Wewers (CDU) punktete vor allem mit seiner langjährigen Erfahrung in der Stadtlohner Verwaltung und seiner hemdsärmeligen Art. Er hatte allerdings Schwierigkeiten, sich an die vorgegebene Redezeit von zwei Minuten pro Antwort zu halten und bekam mehrfach die rote Karte gezeigt. © Stephan Rape

Innenstadt

Dittmann: „Citymanagement und Stadtmarketing sollten in eins aufgehen. Da arbeiten wir momentan an einigen Stellen noch doppelt. Auch die Wirtschaftsförderung ist ein Teil des Stadtmarketings. Unsere Kirmes entwickelt sich nicht positiv. Vielleicht sollte man die Kirmes zu einem Stadtfest umwidmen, um so die Innenstadt zusätzlich zu beleben.“
Wewers: „Zweifellos ist unsere Innenstadt wunderschön. Wir haben Leerstände, die Situation ist aber noch nicht dramatisch. Unsere Innenstadt liegt mir sehr am Herzen. Wir müssen uns da aber auf den eigentlichen Stadtkern konzentrieren (an dieser Stelle wollte er noch weiter ausholen, wurde aber durch die beschränkte Redezeit gestoppt). Klar ist, dass wir rund um den Marktplatz für noch mehr Verweilatmosphäre sorgen müssen. Auch mit Events.“

Transparenz und Bürgerbeteiligung

Wewers: „Politik und Verwaltung müssen transparenter werden und die Bürger früher informieren. Das funktioniert bei einigen Projekten über Beteiligungsforen schon gut. Diesen Weg müssen wir verstärkt gehen.“
Dittmann: „Wie müssen klarer zeigen, wie wir zu Ratsbeschlüssen kommen. Manche Bürger fühlen sich ganz einfach übergangen. Das Ratsinformationssystem ist insgesamt zu unübersichtlich. Eine Bürgerdialogplattform oder Homepages für einzelne Projekte wäre da eine Lösung. Transparenz steht für mich auf jeden Fall ganz vorne.“

Berkelmühle und -promenade

Wewers: „Das Projekt dauert so lang, weil es eng mit dem Hochwasserschutzkonzept verzahnt ist. Da haben wir nicht mit genügend Transparenz gearbeitet. Ich bitte noch um etwas Geduld. In diesem Jahr können wir mit dem Mühlengebäude anfangen. Am Ende werden wir ein Top-Projekt dort stehen haben. Da bin ich sicher.“
Dittmann: „Ich bin ungeduldig, weil schon ein so langer Weg hinter uns liegt. Manches kann man nicht beeinflussen und andere Dinge dauern eben lange. Da wäre aber ein besseres Projektmanagement gefragt gewesen. Hätten wir das Projekt vorher besser bewertet, hätten wir uns viel Schimpfe und Kummer ersparen können.“

Wegen der Beschränkungen durch das Coronavirus durften die Zuhörer nur mit großem Abstand in der Stadthalle Stadtlohn Platz nehmen.

Wegen der Beschränkungen durch das Coronavirus durften die Zuhörer nur mit großem Abstand in der Stadthalle Stadtlohn Platz nehmen. © Christian Bödding

Altes Berkelstadion

Wewers: „Das Berkelstadion ist definitiv ein Filetstück in der Stadt und jetzt ja auch wieder frei von jeder Planung. Wir müssen sehen, ob wir die jetzige Stadthalle sanieren und weiter betreiben können. Geht das nicht, kann ich mir einen Neubau im Berkelstadion vorstellen. Das wäre aber auch eine mindestens zweistellige Millioneninvestition.“
Dittmann: „Wir sind mit dem Berkelstadion wieder da, wo wir vor vielen Jahren schon gestanden haben. Die Diskussion müssen wir nun ergebnisoffen führen. Klar ist nur, dass wir das nicht übers Knie brechen dürfen. Wir haben keinen Druck, das Gelände zu verkaufen. Klar ist, dass wir eine bessere Lösung für die Obdachlosenunterkünfte finden müssen.“
Öffentlicher Nahverkehr und Entlastung der Innenstadt

Dittmann: „Teils gibt es in einem Haushalt drei oder mehr Autos. Dafür brauchen wir neue Mobilitätskonzepte. Stadtteilautos oder Ride-Sharing sind da erste Ideen. Wir müssen da innovativ rangehen. Den Bau einer Umgehungsstraße sehe ich im Moment noch sehr schwierig.“
Wewers: „Wir sind nun einmal auf dem Land. Öffentlichen Nahverkehr wird es hier nie in bester Qualität geben. Wir arbeiten daran, die Verzahnung der Busse zu verbessern. Ich will die Umgehungsstraße noch nicht ganz aufgeben. Aber auch so läuft die L572 ja nicht direkt durch die Innenstadt. Wir brauchen da eine grüne Welle, um den Rückstau zu verringern.“

Radwege

Dittmann: „Wir Münsterländer sind eine radelnde Zunft. Im Moment sind die Freizeitradler noch die stärkere Gruppe. Um Radfahren auch für Pendler attraktiv zu machen, brauchen wir auch direkte Radwege, zum Beispiel von Stadtlohn nach Gescher.
Wewers: Wir sind in vielen Gesprächen. Priorität hat für mich der Radweg entlang der L572 zwischen Stadtlohn und Ahaus. Da muss ein abgetrennter Radweg her, allein schon um den Schulweg zu sichern.

Trinkwasser

Dittmann: Der Verbrauch ist gestiegen. Wir haben keine andere Wahl, als das Angebot zu erhöhen. Nur durch Sparen können wir den Mehrverbrauch nicht eindämmen. Wir sind keine wasserarme Gegend. Gleichzeitig müssen wir die Menschen sensibilieren und Über-Verbräuche im Zweifel auch über höhere Kosten einfangen.
Wewers: Wasser ist zunächst ein Lebensmittel. Damit muss man sparsam umgehen. Durch den neuen Behälter am Wasserwerk erhöhen wir zwar nicht die Wassermenge, haben aber einen größeren Puffer. Auch eine neue Hochdruckleitung soll bald etwas Entspannung bringen. Gleichzeitig müssen wir im Versorgungsgebiet nach neuen Quellen suchen und versuchen, Wasserrechte von der Salzgewinnungsgesellschaft zurückzubekommen.

Die gesamte Podiumsdiskussion sehen Sie hier im Video

Video
Duell der Bürgermeisterkandidaten in Stadtlohn

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