Blick aus Richtung Stadtlohn auf Büren. Rechts neben dem Wohnhaus vor der Kirche soll ein freistehendes Doppelhaus errichtet werden. Der Bauausschuss unterstützt das Vorhaben. © Stefan Grothues
Splittersiedlung

Büren darf um ein Doppelhaus in den Außenbereich wachsen – ausnahmsweise

Für die Bewohner ist Büren ein Dorf, das lebendig bleiben soll. Baurechtlich ist Büren eine Splittersiedlung, die nicht wachsen darf. Jetzt musste der Bauausschuss eine Entscheidung treffen.

Dorfentwicklung, Landschaftsschutz und Mehrgenerationen-Wohnen – diese hehren Ziele würde jeder gerne fördern. Manchmal stehen sie aber auch in Widerstreit miteinander, so wie jetzt bei einem Bauvorhaben in Büren. Die Politiker haben sich in diesem Fall einstimmig für das Anliegen einer Familie entschieden, die fest in Büren verwurzelt ist.

Als „Geschari Burion“ wurde Büren bereits 1023 urkundlich erwähnt. Die eigentliche Dorfgeschichte begann immerhin vor fast 120 Jahren mit dem Schul- und Kapellenbau. Baurechtlich aber wird Büren heute unter dem wenig anheimelnden Begriff der „Splittersiedlung“ geführt.

Außenbereichssatzung schützt Landschaft vor Zersiedelung

Dieser Begriff klingt wie das Gegenteil von Dorfidyll. Die Juristen definieren ihn nüchtern und kühl: „Eine Splittersiedlung ist eine Ansiedlung, welcher mangels einer angemessenen Baukonzentration das für die Annahme eines Ortsteils im Sinne des Paragrafen 34 Baugesetzbuch notwendige Gewicht fehlt und die damit Ausdruck einer unorganischen Siedlungsstruktur ist.“

Mit anderen Worten: Eine Splittersiedlung sollte auf keinen Fall noch weiter wachsen. Die Absicht des Baurechts ist trotz der Sprache durchaus ehrenwert. Splittersiedlungen sollen nicht weiter wachsen, um die Zersiedlung des Außenbereichs zu verhindern. Im Falle Bürens soll das Landschaftsschutzgebiet Almsick-Büren-Estern geschützt werden. Der Landschaftsplan Stadtlohn hat sich zum Ziel gesetzt, Alleen zu schützen und „kleinstrukturierte Nutzungsgeflechte aus Acker- und Grünlandnutzung in Verbindung mit Kleingehölzen“ zu erhalten.

Mehrgenerationen-Wohnen mit pflegenden Angehörigen geplant

Die Grenze zwischen Innenbereich, in dem gebaut werden darf, und Außenbereich, in dem auf keinen Fall ein neues Wohnhaus entstehen darf, verläuft am westlichen Ortsrand quer über das Grundstück einer Familie. Zwei Paare einer Familie, beide um die 60 Jahre alt, wohnen dort in einem bestehenden Haus. Weil ein Bewohner pflegebedürftig geworden ist, soll nun ein neues Doppelhaus gebaut werden, um ein Mehrgenerationen-Wohnen mit pflegenden Angehörigen zu ermöglichen.

Platz für ein neues Haus ist auf dem Grundstück vorhanden – wäre da nur nicht die Außenbereichsgrenze, die das Grundstück zerschneidet. Nach Rücksprache mit dem Kreis Borken empfahl die Stadt Stadtlohn in diesem Fall, den Antrag der Familie auf Erweiterung des Geltungsbereiches der Außenbereichssatzung Büren zur Errichtung eines Zweifamilienwohnhauses abzulehnen.

Cäcilia Völker: „Das Dorf darf nicht ausbluten“

Cäcilia Völker (CDU) wandte sich im Ausschuss energisch gegen diesen Beschlussvorschlag: „Wir sehen eine fortschreitende Zersplitterung durch das Bauvorhaben nicht. Wir halten die Pläne für angemessen. Wir wollen der jüngeren Generation eine Chance geben, in Büren zu bleiben, sonst blutet das Dorf aus. Wenn die Jüngeren gehen, ist das Dorf irgendwann tot.“

Auch Dennis Bausch (FDP) sah keine wirklichen Hinderungsgründe für den Hausbau: „Es geht doch nur um einen Garten von nicht einmal 600 Quadratmetern, der umgewidmet werden müsste. Erwin Plate (UWG) machte einen „Sonderfall“ geltend. „Es geht doch hier um eine Pflegesituation, um das Zusammenwohnen von Jung und Alt. Wir hätten die Linien bei der Außenbereichssatzung anders gezogen, wenn wir das damals schon gewusst hätten.“

Diese sozialen Aspekte seien baurechtlich nicht relevant, erklärte Fachbereichsleiter Mathias Pennekamp. Er zeigte aber großes Verständnis dafür, dass der Bauausschuss den Beschlussvorschlag der Verwaltung zurückwies und stattdessen einstimmig dem Antrag auf Erweiterung der Außenbereichssatzung zustimmte, um so den Hausbau zu ermöglichen.

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