Brexit hätte positive Folgen für den Flugplatz Stadtlohn-Vreden

dzFlugplatz Stadtlohn-Vreden

Auch wenn der Brexit für die Europäer ein Verlust wäre: Für den Flugplatz Stadtlohn-Vreden würde der EU-Ausstieg der Briten tatsächlich einen Vorteil mit sich bringen.

von Josef Barnekamp

Stadtlohn, Vreden

, 10.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Der Brexit hätte zur Folge, dass der Flugplatz Stadtlohn-Vreden wieder den Status eines Zollflugplatzes bekommen würde. Das sagte Flugplatz-Geschäftsführer Norbert Hetkamp am Montag im Kreis-Ausschuss für Wirtschaft, Verkehr und Bauen. Für den Flugplatz hätte dieser Zollstatus den Vorteil, dass Geschäftsleute zur Zollabfertigung nicht mehr nach Münster-Greven oder sonst wo fliegen müssen, wenn sie in Drittländer reisen. Bislang hat der Flugplatz Stadtlohn-Vreden diesen Status nicht mehr, weil es weniger als 50 Starts und Landungen jährlich Richtung Drittländern oder aus Nicht-EU-Staaten gibt. Würde Großbritannien nach einem Brexit Drittland, würde die notwendige Zahl von Flugbewegungen überschritten und die Zollbeamten kontrollierten vor Ort. Das würde Geschäftsfliegern Zeit, Flugbenzin und Motorenabnutzung ersparen, so Hetkamp.

Flugplatz hat Gewinn gemacht

In seinem Vortrag ging Norbert Hetkamp auch auf die grundlegende Entwicklung des Platzes ein, dessen mehr als fünf Millionen Euro teurer Ausbau vor rund zehn Jahren politisch umstritten war. Seit 2013 haben man in vier Jahren Gewinn gemacht, sagt Hetkamp. Zuletzt habe der 3300 Euro betragen. „Wir sind stark von der Anzahl der Starts und Landungen abhängig“, sagte der Flugplatz-Geschäftsführer mit Blick auf die Einnahmen der Flugplatz-Gesellschaft, die zu 88 Prozent vom Kreis Borken und zu sechs Prozent von den Städte Vreden und Stadtlohn gehalten wird. Auf rund 40.000 Flugbewegungen, also Starts und Landungen, komme man pro Jahr. Einbrüche habe es 2016 und 2017 gegeben, vor allem wegen des Wetters, hieß es.

Mit rund 532.000 Euro war der Erlös aus dem Verkauf von Flugbenzin dickster Posten der auf rund eine Million Euro bezifferten Einnahmen. Rund 175.000 Euro betrugen die Personalkosten und trugen zu den ebenfalls rund auf ebenfalls auf rund eine Million Euro bezifferten Ausgaben bei.

60 Arbeitsplätze am Flugplatz

Laut Hetkamp sind derzeit elf Firmen am Flugplatz Stadtlohn-Vreden angesiedelt. Sie kommen zusammen auf rund 60 Arbeitsplätze, darunter 50 Prozent Vollzeitstellen. Mittlerweile gibt es elf Hallen, darunter zwei Werften, mit insgesamt Raum für 130 Motorflugzeuge auf dem Gelände. Acht Hallen gehören der Flugplatz-Gesellschaft. Zudem sind am Flugplatz Segelflugvereine angesiedelt. Rund 200 Piloten gebe es am Flugplatz insgesamt. Auf der rund 1240 Meter langen Start- und Landebahn können Flugzeuge bis 5,7 Tonnen Abfluggewicht abheben und landen. Mit Sondererlaubnis sind auch größere Maschinen willkommen, sagte Hetkamp mit Blick auf einen 22-Tonnen-Flieger, der kürzlich zu Gast war.

„Sieben bis zehn Anrufe pro Jahr“ wegen Lärmbeschwerden

Ein Flugbetrieb sei „theoretisch rund um die Uhr möglich“, betonte Hetkamp. Nachts kämen aber allenfalls Hubschrauber, etwa von Polizei und Rettungskräften, um beispielsweise aufzutanken. „Bei 40.000 Flugbewegungen bleiben Klagen nicht aus“, sagte Hetkamp auf eine Frage aus dem Ausschuss, ob es Beschwerden über Lärm und ähnliches gebe. Man bekomme „sieben bis zehn Anrufe pro Jahr“ von Anwohnern, sagte Hetkamp weiter. Diese Klagen bezögen sich in der Regel darauf, dass Piloten sich nicht an die Platzrunde, also die vorgegebene Ein- und Ausflugschneise hielten.

Nachfragen aus dem Ausschuss gab es zu dem Vortrag ansonsten kaum. Mit Blick auf die Diskussionen der Vergangenheit sagte SPD-Sprecherin Elisabeth Lindenhahn aber: „Ich freue mich, dass der Flugplatz in gute Gewässer gekommen ist.“

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