Betrüger kann auf Haftaufschub wegen schwangerer Freundin hoffen

dzLandgericht

Landgericht stellt notorischem Betrüger aus Stadtlohn Haftaufschub wegen Schwangerschaft seiner Verlobten in Aussicht. Dafür zog der 31-Jährige seine Berufung zurück.

von Klaus Möllers

Stadtlohn

, 15.06.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wegen Betrugs über das Internet ist jetzt ein zweites Mal der Fall eines 31-Jährigen gerichtlich verhandelt worden. Bei der ersten Verhandlung im Januar am Amtsgericht Ahaus hatte der Mann seinen Wohnsitz in Stadtlohn. Das Amtsgericht hatte ihn in erster Instanz im Januar zu einer Haftstrafe von zwei Jahren verurteilt und dass er Wertersatz für entstandene Schäden leisten muss.

In vier Fällen hat er laut dem Gericht als Anbieter von Waren beziehungsweise Accounts des Netzwerks Instagram Zusagen zu Angeboten gemacht, ohne diese einzuhalten. Er hatte demnach auch nicht vor, Leistungen zu erbringen. Stattdessen wollte er bloß das Geld einstreichen. Zum Teil waren es vierstellige Euro-Beträge.

Jetzt lesen

So handelte es sich etwa im Dezember 2018 um einen Ring, für den ein Kunde 310 Euro überwies. Als Überweisungskonto gab der 31-Jährige die Bankverbindung seiner Mutter an. Er habe „bis heute weder den Ring geliefert, noch den Kaufpreis zurückgezahlt“, zitierte der Richter am Landgericht Münster jetzt aus dem Ahauser Urteil.

Ähnlich verhielt es sich demnach im Januar 2019 bei einem anderen Kunden mit einem iPhone mit einem Kaufpreis von 1054 Euro. Nächstes Opfer war eine Person, die einen Instagram-Account erwerben wollte. Preis: 1189 Euro. Das Geld ließ der 31-Jährige auf das Konto seines Bruders überweisen. Die Zugangsdaten wurden nie geliefert, erklärte der Richter. Im März 2019 dann wiederum handelte es sich um einen Instagram-Account mit einem Verkaufswert von 1150 Euro. Das Geld floss auf das Konto seiner damaligen Freundin.

Haftaufschub wegen Schwangerschaft

Dass dies alles betrügerische Handlungen waren, sah der Angeklagte offenbar ein. Er war zwar in Berufung gegen das Ahauser Urteil gegangen – allerdings nicht, um es am Landgericht grundsätzlich infrage zu stellen. Vielmehr sei seine heutige Verlobte aktuell schwanger und er wolle einen Haftaufschub um drei Monate erreichen, damit er vor dem Haftantritt für sie da sein könne, erklärte der Anwalt des Mannes sinngemäß. Zudem erhoffe er sich ein Urteil mit Bilden einer Gesamtstrafe, in die frühere Amtsgerichts-Urteile einfließen sollten, damit die Gesamtstrafe milder als die Einzelstrafen zusammen ausfalle.

Technisch sei eine solche Gesamtstrafe wegen der zeitlichen Zusammenhänge nicht machbar, erklärte der Richter. Vier Taten, die in früheren Urteilen von Amtsgerichten in Ahaus und Nordhorn verhängt worden waren, waren bereits in einer weiteren Verhandlung vor der selben Strafkammer am Landgericht im vergangenen September berücksichtigt worden. Im Juli, August und Oktober 2018 hatten die Amtsgerichte Nordhorn beziehungsweise Ahaus den Mann wegen zwei Fällen von Betrug und wegen Beleidigung verurteilt. Am Landgericht ging es um gefährliche Körperverletzung - die Amtsgerichtsurteile wurden in die Strafhöhe einbezogen. Gesamtstrafe: zwei Jahre Gefängnis.

Berufung zurückgezogen

Richter und Staatsanwalt stellten dem 31-Jährigen nun in Aussicht, dass er den Haftaufschub wegen der Schwangerschaft sehr wahrscheinlich bekommen werde. Vorteilhaft wäre es für ihn auch, wenn er seine Berufung zurückziehe. Denn: Bei der Außenstelle der Staatsanwaltschaft Münster in Bocholt sind noch zwei weitere Verfahren gegen den Mann anhängig – ebenfalls wegen Betruges. Die Staatsanwaltschaft habe signalisiert, dass sie beide Fälle angesichts des Verhältnisses von Aufwand und Ergebnis einstellen könne. Das mache sie aber vom Verhalten des Angeklagten abhängig. Der 31-Jährige zog die Berufung daraufhin zurück. Der Mann wohnt mittlerweile nicht mehr in Stadtlohn und ist ins Rheinland verzogen.

Lesen Sie jetzt