Bemalte Steine erobern Stadtlohn und gehen auf große Reise

dzBemalte Steine

Phantasievoll verzierte Steine gehen auf große Reise. Barbara Hölscher und Jürgen Wonke aus Stadtlohn bemalen Steine, begeistern damit ihre Finder und tun auch noch Gutes.

von Christin Lesker

Stadtlohn

, 12.01.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein kleiner Stein mit Dänemark-Flagge in Herzform und der Aufschrift "Veilby Klit". Mit diesem Stein, den Barbara Hölscher und Jürgen Wonke im Dänemark-Urlaub gefunden haben, fing alles an. Dann waren die Stadtlohner infiziert. Inzwischen haben sie mehrere hundert Steine bemalt, versteckt und die kleinen Kunstwerke reisen sogar über Deutschlands Grenzen hinaus. Auch dem Hospiz hilft das Paar mit seinen Steinen.

Bemalte Steine erobern Stadtlohn und gehen auf große Reise

Der Fund dieses ersten Steines im Dänemark Urlaub, war der Startschuss für das neue Hobby von Barbara Hölscher und Jürgen Wonke. Seitdem bemalen sie Steine mit verschiedensten Motiven. © Christin Lesker

"Es macht so viel Freude, die Reaktion der Leute auf unsere Steine zu sehen", erklärt Barbara Hölscher strahlend. "Vor allem wenn Kinder sie finden, sind sie begeistert und wollen die Steine gar nicht mehr hergeben. Das muss man einmal erlebt haben, dann ist man infiziert", ergänzt ihr Lebensgefährte Jürgen Wonke.

Steine auf großer Reise

Dabei sind die beiden mit ihrem Hobby lange nicht die Einzigen. "Berkelstone" heißt die Facebook-Gruppe mit über 200 Mitgliedern, die sie gegründet haben, um die weiten Reisen ihrer Steine zu verfolgen. Viele Steine hat das Paar im Urlaub in Dänemark ausgewildert, andere sind schon bis Duisburg, in die Loreley oder nach Südtirol gewandert. "Es ist super spannend zu verfolgen, wer unsere Steine wo findet und wo er sie wieder auswildert", erklärt Barbara Hölscher.

Denn so funktioniert, das Konzept, das seinen Ursprung in den USA hat und weltweit funktioniert. Viele Hobby-Künstler bemalen Steine und legen sie an belebten Orten aus. Wer einen Stein findet, folgt den Anweisungen auf der Rückseite des Steins. "Finden. Posten. Wieder auslegen oder behalten", heißt es dort zum Beispiel.

Schutzengel-Steine für das Hospiz

Das Schönste für beide sind die begeisterten Reaktionen der Finder und die Freude, die sie anderen damit machen. "Manche Steine fand ich zu schade, um sie auszuwildern, deshalb habe ich sie in meinem Hundesalon gegen eine Spende fürs Hospiz angeboten." In der Zeit von Anfang November bis Mitte Dezember sind so ganze 230,50 Euro zusammen gekommen. "Das Hospiz hat sich riesig gefreut und kam ganz leise mit einer neuen Bitte auf mich zu." Seitdem malt das Paar kleine Schutzengel-Steine, die das Hospiz an die Angehörigen der Verstorbenen verteilt.

Bemalte Steine erobern Stadtlohn und gehen auf große Reise

Mit viel Hingabe malt das Paar Schutzengel-Steine für das Hospiz in Stadtlohn. Dort werden sie an die Angehörigen der Verstorbenen verteilt. © Christin Lesker

Als die beiden ihren ersten Stein im Dänemark Urlaub fanden, waren sie sofort begeistert. "Wir haben uns schon im Urlaub Stifte gekauft und direkt angefangen zu malen". Den ersten Stein haben sie damals in der "Elbstone"-Gruppe gepostet. "Das ist ein großes Netzwerk. In der Gruppe sind über 25.000 Mitglieder", macht Jürgen Wonke klar.

Versteckte Talente

Wer einmal einen Stein findet, ist infiziert. "Man geht dann mit offen Augen durchs Leben. Eine Nachbarskind will nun immer raus und neue Steine suchen, seitdem sie einen gefunden hat." Für Jürgen Wonke macht aber vor allem das Malen Spaß. "Ich wusste bis dahin gar nicht, dass Jürgen solche Talente hat", staunt seine Barbara Hölscher. Was Jürgen Wonke mit den Acrylstiften und kleinen Pinseln auf die Steine zaubert, sind kleine Meisterwerke. Von Karikaturen der Mona Lisa, über Porträts der eigenen Hunde oder Urlaubs-Landschaften ist alles dabei.

Bemalte Steine erobern Stadtlohn und gehen auf große Reise

Jürgen Wonke und Barbara Hölscher bemalen Steine und verstecken sie. © Christin Lesker

Barbara Hölscher hat mit der Zeit die Dottertechnik für sich entdeckt. Mit speziellem Werkzeug werden so Muster aus Punkten auf die Steine gemalt. Zu Halloween, Ostern oder Weihnachten passt das Paar die Motive gerne thematisch an. "Wichtig ist immer, den Stein am Ende mit Acryllack zu versiegeln", macht Jürgen Wonke klar. Sonst sind die Kunstwerke ganz schnell wieder zerstört.

Bemalte Steine erobern Stadtlohn und gehen auf große Reise

Mit den bemalten Steinen, die Barbara Hölscher in ihrem Hundesalon anbietet, hat sie in kurzer Zeit über 230 Euro Spenden fürs Hospiz gesammelt. © Christin Lesker

Der perfekte Stein

Aber auch Form und Oberfläche des Steins spielen eine große Rolle. "Viele Steine hier sind rau und kantig, dann klappt das Bemalen nicht so gut." In Dänemark am Strand hingegen wurden die Steine lange vom Meer geschliffen und lassen sich deshalb gut bemalen. "Wenn wir im Urlaub in Dänemark sind, nehmen wir eine große Kiste Steine mit zurück", sagt Jürgen Wonke und lacht, als er davon erzählt wie sie aufgeregt den Strand nach den besten Steinen abgesucht haben. Groß, flach und glatt. So sehe ein guter Stein für alle Einsteiger und jene aus, die nicht gerne filigran malen.

An mutigen Künstlern fehlt es der Gruppe aber noch. "Viele Leute finden und freuen sich über die Steine, aber die wenigsten malen auch selber." Dabei steht der Spaß im Vordergrund und es muss kein großes Kunstwerk sein. "Wer einen bemalten Stein findet, der sieht die Arbeit und freut sich. Deshalb ist es schon super, wenn man eine Blume oder einen tollen Spruch darauf macht", ermutigt Jürgen Wonke alle, die sich bis jetzt nicht getraut haben, selbst aktiv zu werden.

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