Baustart für Wasserleitung: Millionenprojekt für mehr Versorgungssicherheit

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Eine zehn Kilometer lange neue Leitung wird ab 2022 Trinkwasser von Borken nach Stadtlohn befördern. Der 3,5 Millionen Euro teure Leitungsbau könnte auch Folgen für den Wasserpreis haben.

Stadtlohn, Südlohn, Vreden

, 14.09.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie sind strahlend blau, zwölf Meter lang und stapeln sich am Rande der Wirtschaftswege zwischen Borken, Südlohn und Stadtlohn. Die Rohre aus Polyethylen sollen ab 2022 helfen, die Trinkwasserversorgung in Stadtlohn, Vreden und Südlohn sicherzustellen. Der Bau einer 9,6 Kilometer langen neuen Trinkwasserleitung von Borken nach Stadtlohn begonnen.

Leitungsprojekt seit vier Jahren in der Planung

SVS-Geschäftsführer Thomas Spieß freut sich. „Die ersten Überlegungen für den Bau der neuen Leitung haben wir schon 2016 angestellt, also schon lange vor den Dürresommern und den damit verbundenen hohen Verbrauchsspitzen“, sagte Thomas Spieß am Freitag bei einer Baustellenbesprechung zum Auftakt der Arbeiten an der Übergabestation zwischen Burlo und Weseke.

Die neue Trinkwasserleitung ist aus Polyethylen und hat einen Innendurchmesser von 280 Millimeter.

Die neue Trinkwasserleitung ist aus Polyethylen und hat einen Innendurchmesser von 280 Millimeter. © Stefan Grothues

Die Verbrauchsspitzen in den heißen Sommern hatten seit 2018 wiederholt zu Engpässen in der Trinkwasserversorgung geführt. Dabei wird Thomas Spieß nicht müde zu betonen: „Eigentlich gibt es genug vom ,Lebensmittel Trinkwasser‘ für die Versorgung der Stadtlohner, Vredener und Südlohner – auch zum Duschen oder für die Versorgung der Tiere in der Landwirtschaft. Nur die Rasensprenger und Swimmingpools lassen uns an die Grenzen kommen.“

Hälfte des Trinkwassers für SVS-Kunden kommt aus Borken

Drei Millionen Kubikmeter Trinkwasser haben die SVS-Kunden in Stadtlohn, Südlohn und Vreden im Jahr 2019 verbraucht. Die SVS-Versorgungsbetriebe konnten aber wegen der geologischen Gegebenheiten und der Förderrechte nur die Hälfte des verbrauchten Trinkwassers selbst im Wasserwerk Hundewick fördern. Der Rest wird vor allem von den Stadtwerken Borken zugekauft.

Baubesprechung zum Baustart an der Übergabestation in Borken (von links): Norman Sladeczek (SVS), Karsten Sieger (Team-Tillmann Bau), Norbert Kuhmann (Eggert Rohrleitungsbau), SVS-Geschäftsführer Thomas Spieß, Ludger Sühling (Rheinische Wasserwerksgesellschaft) und SVS-Netmeister Bernhard Wüpping.

Baubesprechung zum Baustart an der Übergabestation in Borken (von links): Norman Sladeczek (SVS), Karsten Sieger (Team-Tillmann Bau), Norbert Kuhmann (Eggert Rohrleitungsbau), SVS-Geschäftsführer Thomas Spieß, Ludger Sühling (Rheinische Wasserwerksgesellschaft) und SVS-Netmeister Bernhard Wüpping. © Stefan Grothues

Bislang floss das aus Borken zugekaufte Wasser durch eine PVC-Leitung von Borken nach Stadtlohn. Diese Leitung stammt in großen Teilen noch aus den 1970er-Jahren und hatte einen kleineren Durchmesser als die neue Leitung. „Wir mussten etwas für die Versorungssicherheit tun“, so Thomas Spieß. Das Polyethylen ist flexibler und langlebiger als das PVC.

Alte Leitung bleibt als Reserve in Betrieb

Die neue Leitung wird in einem Abstand von drei oder vier Metern parallel zur alten Leitung verlegt. Über vier „Spangen“ sind die beiden Leitungen auf der knapp zehn Kilometer langen Strecke miteinander verbunden. Die alte Leitung wird auch in Zukunft mit genutzt werden. Sollte eine Leitung beschädigt werden, sichert immer noch eine zweite Leitung die Versorgung.

Die ersten Meter sind schon geschafft: die neue Wasserleitung zwischen Stadtlohn und Südlohn. Das PE-Rohr wird in ein Meter Tiefe in die Erde gebracht.

Die ersten Meter sind schon geschafft: die neue Wasserleitung zwischen Stadtlohn und Südlohn. © Stefan Grothues

Beliebig viel Wasser kann aber nicht von Borken nach Stadtlohn gepumpt werden. Maximal sind in dem langfristig abgeschlossen Vertrag 1,75 Millionen Kubikmeter im Jahr als Obergrenze vorgesehen.

Ortsdurchquerung im Frühjahr 2021 ist eine besondere Herausforderung

Der erste Bauabschnitt hat jetzt an der Übergabestation zwischen Burlo und Weseke begonnen. Bis Herbst 2021 soll die Leitung bis zum ehemaligen Lidl-Markt in Südlohn fertiggestellt sein. „Die Durchquerung des Dorfes Südlohn im Frühjahr 2021 und die Unterquerung der Schlinge werden besondere Herausforderungen sein“, sagt der Fachplaner Ludger Sühling von der Rheinischen Wasserwerksgesellschaft.

Der erste Bauabschnitt reicht von der Borkener Übergabestelle bis zum ehemaligen Lidlmarkt in Südlohn.

Der erste Bauabschnitt reicht von der Borkener Übergabestelle bis zum ehemaligen Lidlmarkt in Südlohn. © SVS-Versorgungsbetriebe

Der zweite Bauabschnitt von Südlohn nach Stadtlohn soll bis Herbst 2022 verwirklicht werden. Weil aber hier gerade Wirtschaftswege instand gesetzt werden, werden jetzt bereits abschnittsweise neue Rohre verlegt. Spieß: „Das spart Mühe und Geld.“

Sieben-Millionen-Euro-Investition könnte sich auf Trinkwasserpreis auswirken

Die Versorgungssicherheit hat ihren Preis: Rund 3,5 Millionen Euro investieren die SVS-Versorgungsbetriebe in den Bau der neuen Trinkwasserleitung. Rechnet man den Bau des Trinkwasserbehälters und des neuen Brunnens in Hundewick hinzu, liegt die Investitionssumme bei insgesamt 7 Millionen Euro.

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„Vor diesem Hintergrund wird sich der SVS-Aufsichtsrat in seiner nächsten Sitzung im Oktober auch Gedanken über die Trinkwasserpreise machen, sagte SVS-Geschäftsführer Thomas Spieß am Freitag.

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