Christin Lesker studiert an einer Universität in Malmö und ist deswegen mitten in der Pandemie nach Schweden ausgewandert. Dieses Bild ist in Malmö auf einer Aussichtsplattform an der Öresund-Brücke entstanden. © Privat
Auswandern nach Schweden

Auswandern in Zeiten von Corona: Mein Weg nach Schweden

Hohe Infektionszahlen, Lockdown und Reisewarnungen. Corona sorgt noch immer für einen Ausnahmezustand. Trotzdem bin ich für das Studium mitten in dieser Zeit umgezogen. Nach Schweden.

Auswandern in Zeiten von Corona. Könnte schwierig werden, dachte ich. Aber ich wollte es unbedingt versuchen. Denn mein Zielland war Schweden. Natürlich lässt sich über die schwedische Coolness im Umgang mit dem Virus streiten. Ein Land ohne Maskenpflicht, mit offenen Restaurants und Geschäften klang trotzdem sehr verlockend für mich. Der tatsächliche Weg dorthin hat mich allerdings überrascht.

Seit August 2020 studiere ich an einer Universität in Malmö in Schweden. Trotz des „Schwedischen Sonderweges“ im Umgang mit dem Virus fand mein Studium die ganze Zeit online statt. Denn anders als Bars und Friseure sind die Universitäten in Schweden geschlossen. Statt Mitstudenten kennenzulernen, saß ich also alleine zu Hause in Stadtlohn, habe Bücher gewälzt und Online-Vorlesungen besucht.

Mit der schwindenden Motivation, so weiter zu machen, wuchs die Motivation umzuziehen. Anfang Dezember 2020 fing ich also an, meinen Umzug nach Malmö zu planen. Eine Wohnung suchen, meinen Versicherungsschutz im Ausland klären, mein Bankkonto upgraden – alles kein Problem. Beim Organisieren des Transportes wurde es komplizierter.

Unsicherheit bis zur Abreise

Um auch meinen Hausstand zu verfrachten, sollte mein Bruder mich mit dem Bulli nach Malmö bringen. Die Fähre entpuppte sich zwar schnell als das sicherste Transportmittel für den Hinweg. Für meinen Bruder aber war bis kurz vor der Abreise Ende Januar unklar, ob er auf dem Rückweg die kürzere Route durch Dänemark nehmen kann, ob er nach seiner Rückkehr zu einer Quarantäne verpflichtet ist oder ein negatives Testergebnis reicht.

Die Bars und Restaurants in Schweden sind trotz Corona-Pandemie geöffnet.
Die Bars und Restaurants in Schweden sind trotz Corona-Pandemie geöffnet. © Christin Lesker © Christin Lesker

In den Wochen vor der Abreise habe ich regelmäßig die Reisebestimmungen und Corona-Zahlen sowohl für Deutschland als auch für Schweden gecheckt. Lange galten die Bestimmungen nur bis zum 31. Januar, mein Bruder wollte am 2. Februar zurückfahren. Und obwohl die Auskunft der Corona-Hotline meist vielversprechend war – eine Garantie, ob die Bestimmungen nach dem 31. Januar verlängert, gelockert oder verschärft werden, gab es nicht.

Die Wochen der Vorbereitung

Die Fähre für den Hinweg habe ich deshalb erst einige Tage vor der Abreise gebucht. Ich habe Telefonate geführt und Dokumente gesammelt, die den Grenzübergang, vor allem für meinen Bruder auf dem Rückweg, so reibungslos wie möglich machen.

Etwas mulmig war mir bei der Abreise trotzdem: Wird es an den Grenzen doch schärfere Kontrollen geben? Kann mein Bruder problemlos zurück, nachdem er einmal in Schweden ist? Wie sicher ist es für ihn, nach Schweden einzureisen? Gewappnet mit dem Ordner voller Dokumente ging es am 30. Januar trotzdem los.

Eine große Überraschung

An der Grenze von Deutschland nach Schweden folgte dann die große Überraschung: Denn es passierte nichts. Gar nichts. Keine Kontrolle, kein Test, keine Fragen, warum wir in dieser Pandemie-Zeit unbedingt nach Schweden müssen. Nicht einmal ein schiefer Blick für uns zwei „Touristen“.

Trotz vieler Warnungen im Internet vor den strengen Grenzkontrollen, vor allem zwischen Schweden und Dänemark, passierten wir, als wenn es Corona nicht gäbe. Nirgends wollte man wissen, was wir vorhaben. Nicht einmal, als mein Bruder zwei Tage später durch Dänemark zurück nach Deutschland fuhr.

Wenn ich an die Unsicherheit vor der Abreise denke, muss ich noch immer schmunzeln, denn es mag sein, dass ich mir umsonst einen Kopf gemacht habe. Mag sein, dass die Informationen eindeutiger waren, als ich sie wahrgenommen habe und es keinen Grund zur Sorge gab. Und doch bleibt seit meiner Ankunft in Schweden ein Gefühl der Überraschung über so viel Lockerheit an den Grenzen.

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