Das Auto in der Auffahrt an der Overbergstraße brannte im März 2020 fast komplett aus. Nur durch viel Glück und den schnellen Einsatz der Feuerwehr griffen die Flammen nicht auf das Haus über. Ein heute 25-Jähriger wurde am Dienstag wegen des Vorwurfs der Brandstiftung freigesprochen. © Feuerwehr Stadtlohn
Feuer in der Overbergstraße

Amtsgericht kann 25-Jährigem Brandstiftung nicht nachweisen

Im März ist in der Stadtlohner Overbergstraße ein Auto ausgebrannt. Wahrscheinlich wegen Brandstiftung. Doch die konnte das Ahauser Amtsgericht einem 25-Jährigen am Dienstag nicht nachweisen.

Unstrittig ist, dass im März 2020 an der Overbergstraße in Stadtlohn ein Auto in Flammen aufgegangen ist. Ziemlich wahrscheinlich ist, dass der Brand gelegt wurde. Klar ist auch, dass die Bewohner des Hauses, vor dem das Auto geparkt war, viel Glück hatten: Es fehlte nicht viel und die Flammen hätten sich auf das Gebäude ausgeweitet. Doch damit endeten am Dienstag vor dem Ahauser Amtsgericht die belastbaren Beweise.

Ein 25-Jähriger musste sich dort wegen des Verdachts der Brandstiftung verantworten. Der Vorwurf: Er hatte in dem Haus einen Geburtstag gefeiert und war später mit einem Nachbarn aneinander geraten. Kurze Zeit nachdem er mit anderen Partygästen im Taxi in Richtung Stadtlohner Innenstadt aufgebrochen war, stand das Auto in Flammen. Er soll es angezündet haben. Doch dieser Vorwurf war nicht zu halten.

Kurzer Streit nach dem Ende der Geburtstagsparty

Zunächst hatte der Angeklagte, ein geborener Stadtlohner, der jetzt in Coesfeld lebt, von dem Abend erzählt. Nach der Party habe er mit mehreren Partygästen in die Innenstadt fahren wollen. Weil er seine Jacke vergessen hatte, klingelte er noch einmal bei einem Nachbarn. Der habe ihn mit Blick auf die Uhr aber harsch abgewiesen. „Das konnte ich auch verstehen. Ich war ja betrunken und es war schon spät.“ Er sei dann ohne Jacke gefahren. Ein Feuer habe er zu dem Zeitpunkt nicht beobachtet. „Die Auffahrt war dunkel. Das hätte ich doch gesehen“, erklärte er. Auch habe er das Auto auf keinen Fall angezündet.

Ein Brandsachverständiger schilderte dann, wie sich die Flammen ausgebreitet hatten. Aller Wahrscheinlichkeit nach hatte das Feuer am rechten Hinterrad begonnen und sich dann auf das ganze Fahrzeug ausgeweitet. „Etwa 20 Minuten wird das gedauert haben“, schätzte er. Weil das Auto nur rund 1,40 Meter vor der Hauswand stand, wurden die Eingangstür, eine Tür zum Garten und mehrere Fenster beschädigt. „Die Fenster waren doppelt verglast. Wenn auch die innere Scheibe geborsten wäre, hätte sich das Feuer auf das Haus ausbreiten können“, sagte er vor Gericht.

Technische Ursache kommt kaum in Frage

Eine technische Ursache für den Brand schloss er praktisch aus. Am rechten Hinterrad gebe es keine Technik, die das Feuer hätte auslösen können. Nach dem Spurenbild sei Brandstiftung zu 80 bis 90 Prozent die Brandursache. Möglich sei, dass der Brand mit einem Bündel Werbeprospekte gelegt wurde, die zuvor im Hausflur gelegen hatten. Sicher sei das aber nicht. Auch Hinweise auf den Täter habe es nicht gegeben. „Ich bin ja kein Hellseher“, erklärte der Sachverständige.

Ein Polizist schilderte den weiteren Ablauf der Ermittlungen: Zunächst habe er vermutet, dass der Angeklagte das Auto aus Rache nach dem Streit angezündet habe. So wurden von der Polizei mehrere Handys der Partyclique überwacht und untersucht. „Die erhoffte Reaktion ist aber ausgeblieben“, schilderte er. Die Gespräche oder Chatverläufe seien unauffällig geblieben.

Zeitlich passe der Brand zwar gut mit der Abfahrt der Partygäste zusammen, doch weder die Taxifahrerin noch Nachbarn, die fast zeitgleich das Haus verließen, hätten etwas beobachtet.

„Zu viele Fragen bleiben offen“

Richter und Schöffen zogen sich zu einer kurzen Beratung zurück. „Aus unserer Sicht wird das für eine Verurteilung nicht ausreichen“, erklärte er. Nach dem kleinen Streit habe der Angeklagte nur ein sehr schwaches Motiv gehabt. Und auch sei nicht auszuschließen, dass ein völlig anderer Täter für das Feuer verantwortlich sei.

Das sah auch die Staatsanwältin so: „Es bleiben einfach zu viele Fragen offen“, erklärte sie und forderte den Freispruch. Insgesamt zehn Zeugen, die noch darauf warteten eine Aussage zu machen, wurden nicht mehr gehört.

Freispruch nach fast zweieinhalb Stunden Verhandlung. „Es war mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit jemand aus Ihrer Gruppe“, sagte der Richter zum Angeklagten. Aber es gebe eben auch viele Alternativen. Und im Zweifel werde eben für den Angeklagten entschieden.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape
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