Ein 25-Jähriger hat ein 11-jähriges Mädchen aus Stadtlohn im Internetchat sexuell missbraucht. Dafür erhielt er eine sechsmonatige Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. © picture alliance/dpa
Missbrauch

25-Jähriger missbrauchte 11-jährige Stadtlohnerin im Internetchat

Ein Mann aus Baden-Württemberg hat ein Kind aus Stadtlohn im Internetchat sexuell missbraucht. Vor Gericht kämpfte er jetzt um ein milderes Urteil, weil der Fleck im Führungszeugnis störe.

Der Täter war 25 Jahre alt, das Opfer erst 11. Der Täter saß in Baden-Württemberg, das Opfer in Stadtlohn. Über 500 Kilometer trennten die beiden am Tattag. Sexueller Missbrauch von Kindern ist aber auch ohne unmittelbaren körperlichen Kontakt ein Verbrechen, stellte der Richter am Amtsgericht Ahaus am Montag klar.

Was war am Tattag geschehen? Der Mann aus Baden-Württemberg hatte im August 2018 auf einer anonymen Chat-Plattform Kontakt mit einem elfjährigen Mädchen aus Stadtlohn aufgenommen und den Chat dann per WhatsApp weitergeführt. Das Mädchen gab sich als 13-Jährige aus. Der Mann sprach mit dem Kind über seine sexuellen Wünsche und forderte es auf, sich zu entkleiden, was das Mädchen aber ablehnte. An diesem Punkt beendete das Mädchen den Chat.

Strafbefehl: Sechs Monate Haft auf Bewährung

Sexueller Missbrauch von Kindern ist nach Paragraf 176 des Strafgesetzbuches auch dann strafbar, wenn der Täter ohne unmittelbaren körperlichen Kontakt auf die sexuelle Selbstbestimmung des Kindes einwirkt. Eine räumliche Nähe des Kindes zu dem Täter ist hierbei nicht erforderlich, weshalb auch die Simultanübertragung per Internet genügt. Dafür droht das Gesetz den Tätern mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren.

Der Mann aus Baden-Württemberg war vom Amtsgericht in Ahaus bereits zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden – weil er zum ersten Prozesstermin nicht erschienen war, erfolgte das Urteil in Form eines Strafbefehls.

Täter legte Einspruch gegen das Strafmaß ein

Gegen das Strafmaß legte der heute 28 Jahre alte Täter Einspruch ein. Am Montag wurde sein Fall erneut in Ahaus verhandelt, dieses Mal in Anwesenheit des Angeklagten. Die Tat leugnete er nicht. „Dass das schlimm ist, was ich gemacht habe, das sehe ich ja selber ein“, erklärte er vor Gericht.

Das Strafmaß bereite ihm aber große Probleme: Beruflich müsse er sich bei bestimmten Auftraggebern einer Zuverlässigkeitsüberprüfung unterziehen. Dafür brauche er das Führungszeugnis, in dem aber die Verurteilung zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe auftauchen würde. Das wäre bei einer dreimonatigen Freiheitsstrafe nicht so, habe ihm sein Anwalt erklärt.

„Der größte Blödsinn in meinem Leben“

Die Tat bezeichnete der Mann als „größten Blödsinn, den ich in meinem Leben gemacht habe.“ Er könne sich das heute gar nicht mehr erklären: „Das war ganz, ganz großer Mist.“ Inzwischen sei er verlobt, Vater geworden, ein zweites Kind sei unterwegs. Er habe sich auch um eine Psychotherapie bemüht und mehrere Therapeuten konsultiert. Eine Bescheinigung konnte er allerdings noch nicht vorlegen.

Der Richter runzelte die Stirn. „Ich muss Ihnen sagen, dass ich die sechsmonatige Freiheitsstrafe in Ihrem Fall für durchaus angemessen halte.“ Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft sprang dem Richter zur Seite. „Das sehe ich ganz genauso. Im übrigen gehört so etwas in Führungszeugnis. Sexueller Missbrauch ist ein schweres Vergehen. Dafür muss man auch die Konsequenzen tragen. Mit sechs Monaten kommen Sie noch ganz gut weg“, erklärte sie in Richtung des 28-Jährigen.

Eindringlich legte der Richter dem Angeklagten nahe, seinen Einspruch gegen den Strafbefehl zurückzuziehen. „Die Konsequenzen mögen hart für Sie sein. Das Führungszeugnis aber hat ja einen Zweck: Die Gesellschaft muss Bescheid wissen, hingucken und nachfragen. Ihr Einspruch hat in meinen Augen keine Erfolgsaussichten.“

Darauf hin zog der Mann seinen Einspruch zurück. Damit ist das Urteil rechtskräftig. Der Verurteilte wird auf Jahre hinaus mit dem dunklen Fleck in seinem Führungszeugnis leben müssen.

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Stefan Grothues

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