Die Hüls-Unternehmensgruppe will die Firma Halco schließen, um Hülsta in Stadtlohn zu stärken. Die Halco-Mitarbeiter sind enttäuscht – und empört.

Stadtlohn

, 08.10.2018, 19:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Hüls-Unternehmensgruppe will ihr Tochterunternehmen Halco an den Standorten Coesfeld und Stadtlohn schließen. Das hat Paul Jähn, Chief Executive Officer (CEO) der Hüls AG & Co. KG, am Montag auf einer Belegschaftsversammlung in Coesfeld den rund 200 Mitarbeitern mitgeteilt. Die Entscheidung, die „nach Abwägung sämtlicher Handlungsoptionen“ getroffen worden sei, führe für die Hülsta-Werke zu „besserer Wertschöpfung, besserer Auslastung und besserer Produktivität“, erklärte Paul Jähn am Montag in einer Pressemitteilung.

Von einem „ganz finsteren Kapitel“ sprach dagegen der Halco-Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Bergerbusch. „Die Kollegen haben nicht nur Angst um ihren Arbeitsplatz. Sie sind auch stinksauer“, so Wolfgang Bergerbusch am Montagnachmittag im Gespräch mit der Münsterland Zeitung.

Mitte 2019 soll Schluss sein

Die Hüls-Unternehmensgruppe wolle im Rahmen der Konzentration auf die Dachmarke Hülsta das Stammwerk in Stadtlohn stärken, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens. Die Halco GmbH, die Möbel und Möbelbauteile in Auftragsfertigung für Drittkunden produziert, werde „in diesem Zusammenhang“ ihren Geschäftsbetrieb spätestens bis Mitte 2019 einstellen. Paul Jähn: „Die Hüls-Gruppe befindet sich in einem herausfordernden Markt mitten im Umbruch. Unser erklärtes Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit von Hülsta zu festigen und zu stärken. Mit der IG Metall und den gewählten Arbeitnehmervertretern würden nun kurzfristig Verhandlungen für einen Interessenausgleich für die Beschäftigte aufgenommen. Nach Angaben von Wolfgang Bergerbusch besteht aber keine Hoffnung, dass Halco-Mitarbeiter von Hülsta übernommen werden. Das habe Paul Jähn auf der Belegschaftsversammlung ausgeschlossen.

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Laut Betriebsrat sollen die Verhandlungen über einen Sozialplan am kommenden Freitag beginnen. Der Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Bergerbusch hegt jedoch keine großen Erwartungen: „Wir rechnen mit einer schlechten Ausstattung.“ Mit Sicherheit werde es am Freitag noch keine Einigung geben. Seinen Pessimismus begründete er mit der Informationspolitik der Geschäftsleitung in den letzten Monaten. „Die Leute sind mies behandelt worden. Es gibt hier nur lange Gesichter in der Firma“, sagt Wolfgang Bergerbusch. Schon vor Wochen wurden im Internet die von Halco gemietete Produktionshalle und Büros zu einem Kaufpreis von 5,45 Millionen Euro angeboten (Münsterland Zeitung berichtete). Die Geschäftsleitung habe die Belegschaft und Betriebsrat aber nicht informiert und sich gegen mehrfache Nachfragen gesperrt. Bergerbusch: „Es gab nur Gerüchte. Wir sind immer nur hingehalten worden. Erst heute haben wir von den Plänen erfahren.“

„Auf der Zielgeraden“

In den vergangenen Jahren hat sich die Hüls-Gruppe in einem Restrukturierungsprozess bereits von mehreren Tochterunternehmen getrennt, unter anderem durch den Verkauf der Firmen Parador und Ruf Betten im Jahr 2016. Im gleichen Jahr wurde die Firma Arte M im Schwarzwald geschlossen.

Den Sofahesteller Rolf Benz verkaufte die Hüls-Gruppe 2018 an ein chinesisches Unternehmen. Die Firmen Loddenkemper und Femira stehen nach Angaben von Fachinformationsdiensten ebenfalls zum Verkauf. Dazu will sich die Hüls-Unternehmensgruppe derzeit aber nicht näher äußern.

200 Halco-Mitarbeiter verlieren in Stadtlohn und Coesfeld ihren Arbeitsplatz

Die Halco-Produktionshallen in Coesfeld. © Münsterland Zeitung

Paul Jähn teilte am Montag auf Nachfrage zur Restrukturierung nur soviel mit: „Mit diesen Maßnahmen befinden wir uns im Bereich der internen Herausforderungen auf der Zielgeraden, um das Markenkonzept von Hülsta weitgehend auszubauen und allen relevanten Vertriebskanälen ein zielgruppenorientiertes Produktportfolio anzubieten – auch im Objektgeschäft.“

Hülsta beschäftigt derzeit rund 750 Beschäftigte, die Unternehmensgruppe gut 1400.

Halco in Stichpunkten

  • Die 2002 gegründete Halco GmbH produziert auf über 13.000 Quadratmetern in Produktionsstätten in Coesfeld und Stadtlohn Lack-, Möbel- und Aluminiumbauteile in Auftragsfertigung.
  • Die beiden größten Auftraggeber machen rund 90 Prozent des Auftragsvolumens aus. Piure ist einer davon und hat sich am Montag nach Angaben der Hüls-Gruppe wie folgt zu der Entscheidung geäußert: „Auch wir haben ein ureigenes Interesse, unsere Produktion bei Halco zu beenden und arbeiten entsprechend seit Monaten an dem Thema.“
  • In Coesfeld beschäftigt Halco rund 180, und in Stadtlohn an der Boschstraße rund 25 Mitarbeiter.
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