Strenge Einlasskontrollen (wie hier im Sommer bei TuS Herten), 2G-Regelung oder gar Saisonunterbrechung? Hallensportler machen sich Sorgen, wie es weitergeht und wie streng die Vorgaben der Politik sein werden. © Olaf Krimpmann
Corona: Was hoffen oder befürchten Hallensportler?

„Ohne Zuschauer fehlt die wirtschaftliche Grundlage“

Mit Spannung und mit Sorge blicken Hallensportler im Kreis Recklinghausen auf das Ergebnis der Ministerpräsidenten-Konferenz am Donnerstag. Sie fragen: Wie hart werden die Einschnitte sein?

Die vierte Welle der Corona-Pandemie hat schon für harte Einschnitte im Amateursport gesorgt. Der Handballverband Sachsen hat den Spielbetrieb unterbrochen wie ebenso der Fußballverband. Wegen der hohen Inzidenz und der überlasteten Krankenhäuser im Freistaat gelten dort ab dem kommenden Wochenende härtere Corona-Regeln, die einen regulären Spielbetrieb nicht mehr zulassen.

Die Ministerpräsidenten der Länder entscheiden nun am Donnerstag über ein gemeinsames Vorgehen in der Pandemie, nachdem NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst bereits angekündigt hatte, dass bei Sportveranstaltungen im Land ab Montag die 2G-Regel greifen werde. Das heißt, dass nicht geimpfte und nicht von einer Corona-Erkrankung genesene Zuschauer draußen bleiben müssen, ein einfacher Negativtest reicht bei Erwachsenen nicht aus.

Wir hörten uns um in den heimischen Vereinen, was diese von der Ministerpräsidentenkonferenz erwarten – ob etwa die Beschlüsse dort weitergehen als es die Pläne des NRW-Ministerpräsidenten vorsehen.

Beispiel Basketball

Die BSV Münsterland Baskets Wulfen fahren bereits ein konsequentes 2G-Konzept, mit dem der Klub offenbar gut fährt. In die Gesamtschulhalle darf der Regionalligist bis zu 942 Zuschauern Einlass gewähren – Stand heute. „Es bleibt eine zwiespältige Angelegenheit“, sagt Carsten Duvenbeck, der Coronabeauftragte des Vereins. „Einerseits geht es um Verantwortung, andererseits um wirtschaftliche Fragen.“

Immer ein Selbstläufer im Basketball: Das Dorstener Derby zwischen BSV Wulfen und BG Dorsten. © Lücke © Lücke

Im Dezember steht das Derby gegen die BG Dorsten an, das stets ein Selbstläufer ist in der Stadt. Aber ein Derby ohne Fans, ohne Schlachtgesänge? Das kann sich Duvenbeck nicht vorstellen: „Das Schlimmste wären wirklich Geisterspiele – für den Sport und für den Verein.“

Durch die monatelangen Lockdowns der Vergangenheit hätten viele Vereine bereits Schaden genommen, Mannschaften seien weggebrochen. In der Regionalliga sind die Vereine dazu auf Eintrittsgelder und Einnahmen aus dem Catering angewiesen. Duvenbeck ist überzeugt: „Sollte es zu Geisterspielen kommen, geht die 1. Regionalliga in eine Pause, um die Kosten zu minimieren. Das ist seinerzeit, glaube ich, auch so beschlossen worden.“

Beispiel Handball

Beim Oberligisten HSC Haltern-Sythen gilt für Zuschauer noch die 3G-Regelung, allerdings soll in der Halle des Schulzentrums umgestellt werden auf 2G – den Beschluss dazu hatte es gegeben, ehe Ministerpräsident Wüst am Dienstag vorgeprescht war, sagt der Vorsitzende Barthold Budde.

Tollhaus Sporthalle Schulzentrum Haltern: So voll war es mitunter noch in Zeiten vor der Pandemie. © Manfred_Rimkus © Manfred_Rimkus

Beim HSC hatten sie vor Wochen nachgehalten: Wie viele Zuschauer sind eigentlich nicht geimpft? Budde: „Das waren zwei. Wir dürfen aktuell 120 Zuschauer in die Halle lassen, da sind zwei nicht viele. Und die müssen dann eben draußen bleiben.“ Heißt: An 2G führt kein Weg vorbei. Und wenn es noch schlimmer kommen würde? Budde gibt sich pragmatisch: „Wir rechnen mit allem und sind vorbereitet.“

Schon durch den Lockdown sei der Verein gut durchgekommen, auch Geisterspiele habe der Verein bereits bestritten (und bei den Streams eine große Resonanz erfahren). Budde: „Wir haben im Verein einen großen Rückhalt.“ Aber der Funktionär weiß auch: Das ist nicht allerorts so. Budde: „Die Mannschaftszahlen allgemein sinken, das sehen wir auch“.

Beispiel Tennis

In Westfalen hat die Winter-Hallensaison begonnen, die gilt als relativ unproblematisch. Die Größe der Mannschaften ist mit vier Spielerinnen oder Spielern pro Mannschaft überschaubar, ebenso der Zuspruch von Zuschauern. Ein mehrtägiges Turnier zu veranstalten, ist eine andere Hausnummer. Der VfT Schwarz-Weiß Marl geht kein Risiko ein: Schon vor Wochen ist im Vorstand der Beschluss gefasst worden, erneut auf das Giersch-Wasmuth-Turnier im Januar zu verzichten. „Der Aufwand erschien uns damals schon als zu hoch. Die Entwicklung zeigt, dass wir richtig mit der Entscheidung liegen“, so der Vorsitzende Dr. Klaus Beher.

Beim Giersch-Wasmuth-Turnier des VfT SW Marl ist die Kulisse bei den Finals stets ansehnlich. © Olaf Krimpmann © Olaf Krimpmann

47 Auflagen hat der Verein mit Bravour gemeistert, 50 sollen es mindestens werden. „Das bleibt das Ziel“, versichert Beher. Das bedeutet aber, dass sich die Pandemielage endlich dauerhaft bessert. „Wenn die Leute vernünftig sind und sich impfen lassen, sollte das auch wieder möglich sein“, sagt der Klubchef. Angst um den Tennissport habe er keinen, und eine 2G-Regelung – wenn sie denn auch für den Tennissport als klassischen Breitensport verpflichtend wäre – wäre „händelbar“, wie Beher sagt.

Beispiel Volleyball

Der Verbandsspielausschuss des Westdeutschen Volleyballverbandes (WVV) tagt am Donnerstagabend. Turnusgemäß, wie Jürgen Adolph sagt. Aber natürlich sei das Thema „Wie geht es weiter“ flugs auf die Tagesordnung gesetzt worden, als bekannt gewesen sei, dass die Ministerpräsidenten zusammenkommen, so der Waltroper.

Der Volleyballsport hat unter den Lockdowns der Vergangenheit stark gelitten, vor allem im Jugendbereich sind zahlreiche Mannschaften weggebrochen. Adolph, gleichzeitig Vorsitzender des Volleyballkreises Vest, fürchtet weitere Einschränkungen. „Sollte der Spielbetrieb noch einmal unterbrochen werden müssen, wäre das ein weiterer harter Rückschlag.“

Eine gute Kulisse gibt es bei den Regionalliga-Volleyballerinnen des TuS Herten. © Olaf Krimpmann © Olaf Krimpmann

Auch Geisterspiele kann sich der Funktionär nicht vorstellen. „Der Wunsch, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten, ist groß. Aber: Dazu müssen die Vereine noch stärker ihr Hygienekonzept einhalten.“ Aktive Spielerinnen und Spieler seien ja zu kontrollieren, aber bei Zuschauern werde es schon schwieriger.

Und wenn die Politik nun doch strengere Vorgaben macht? Dann würden diese umgesetzt, so Adolph: „Wir haben in den letzten eineinhalb Jahren immer wieder Szenarien entwickelt, das werden wir auch diesmal schaffen.“ Nur, bitteschön, lasst uns weiter spielen, so Jürgen Adolph.

Fußball

In vielen Städten sind bereits Hallenturniere und Hallenstadtmeisterschaften abgesagt worden. Etwa in Marl,in Herten und Recklinghausen sowie in Oer-Erkenschwick oder Haltern.

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Leiter Sportredaktion MHB

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