Bei Bezirksligist FC Nordkirchen spielen die Mitglieder einer Familie seit über 30 Jahren. © Matthias Henkel
Fußball

Seit 35 Jahren im Verein – Eine Fußballer-Familie prägt seit Generationen den FC Nordkirchen mit

Angefangen mit dem Vater in den 1980er-Jahren eifern ihm mit der Zeit auch seine Söhne, beim FC Nordkirchen nach. Die Familien-Geschichte hat auch einen dramatischen Hintergrund.

Auch wenn die drei Brüder auf die erste und zweite Mannschaft von Fußballverein FC Nordkirchen aufgeteilt sind, haben sie sich untereinander genau im Blick.

„Wenn ich sehe, dass Daniel oder Thomas auf dem anderen Platz Scheiße bauen, gibt’s schonmal einen Spruch über den Zaun“, sagt Johannes Eroglu lachend.

Der 23-Jährige ist Spieler vom FC Nordkirchen II in der Kreisliga B und der jüngste der Eroglu-Brüder. Dass alle drei Geschwister beim FC Nordkirchen zum Fußballspielen gekommen sind, hat viel mit ihrem Vater zu tun, wie Thomas Eroglu berichtet.

„Unser Papa hat schon Fußball gespielt, bevor er aus der Türkei nach Deutschland geflüchtet ist“, sagt der 30-Jährige Mittelfeldspieler der Bezirksliga-Mannschaft.

Flucht aus der Türkei endet beim FC Nordkirchen

Yakup Eroglu gehörte in der Türkei einer christlichen Minderheit an und war in den 1980er-Jahren nach Deutschland gemeinsam mit seiner hochschwangeren Ehefrau Fehime geflüchtet, um dem Militärdienst in der Türkei zu entgehen. Auf ihrer Flucht wird der älteste Sohn Daniel noch in der Türkei geboren und die drei erreichen gemeinsam Deutschland.

Über ein Flüchtlingsheim, von dem die Mutter heute noch erzählt, wie schrecklich die Bedingungen für die Familie dort gewesen seien, landet die damals noch dreiköpfige Familie irgendwann in Nordkirchen.

„Von Erzählungen meiner Eltern weiß ich, dass sie in Nordkirchen dann das große Glück hatten, dass es Menschen gab, die sie bei Behördengängen und der Wohnungssuche unterstützt haben“, sagt Daniel Eroglu.

Daniel Eroglu war bis letzte Saison Co-Trainer der ersten Mannschaft und pendelt mittlerweile zwischen der Ersten und Zweiten hin und her.
Daniel Eroglu war bis letzte Saison Co-Trainer der ersten Mannschaft und pendelt mittlerweile zwischen der Ersten und Zweiten hin und her. © Sebastian Reith © Sebastian Reith

Außerdem tritt der damals 18-Jährige Yakup, als erster der Familie Eroglu, dem FC Nordkirchen bei und ist damit „derjenige von uns, mit dem alles beim FC Nordkirchen begann“, wie Sohn Thomas betont.

Die Lust am Fußballspielen haben die Brüder aber nicht nur ihrem Vater zu verdanken.

„Unser größter Fan ist Mama. Die hat uns früher überall hingefahren und ohne sie hätten wir als Kinder gar nicht spielen können“, sagt Daniel Eroglu und ergänzt scherzhaft: „Das Talent haben wir eh nicht von Papa, der war meistens schneller als der Ball und konnte eigentlich nur geradeaus laufen.“

Zoff unter den Brüdern wird auf dem Platz geklärt

Auch untereinander sind für die Brüder solche markigen Sprüche und das gegenseitige Necken ganz selbstverständlich. „Das gehört einfach dazu unter Brüdern, aber natürlich waren beide irgendwo auch Vorbilder für mich und als Kind hat es auch Bock gemacht, denen beim Spielen zuzugucken“, erzählt Johannes Eroglu.

Johannes Eroglu ist der jüngste der drei Eroglu-Brüder und betreibt neben dem Fußball auch noch sehr viel Fitness-Sport.
Johannes Eroglu ist der Jüngste der drei Eroglu-Brüder und betreibt neben dem Fußball auch noch viel Fitness-Sport. © Sebastian Reith © Sebastian Reith

Für den jüngsten Spross ist der Fußball nur eine Ausdauer-Ergänzung zu seinem eigentlichen Lieblingshobby: dem Fitnesssport.

Für mehr hätte es laut eigener Aussage eh nicht gereicht: „Das Fußball-Talent wie Daniel und Thomas habe ich nicht, aber das war auch nie ein Problem für mich, weil es auch so einfach Bock macht, mit der Truppe in der Zweiten zu zocken.“

Das sieht Bruder Daniel ähnlich, der dem Jüngsten allerdings die „beste Einstellung von uns dreien“ attestiert.

„Thomas hat vielleicht das meiste Talent abbekommen, aber macht zu wenig draus“, sagt Daniel Eroglu und fügt noch lachend hinzu: „Und die größte Klappe hat er auch, was schonmal dazu führt, dass er in einem Zweikampf ordentlich Lack von mir bekommt.“

Für Thomas Eroglu macht es aber eben genau das aus, „dass du denen nach einer schwachen Aktion auch mal einen Spruch drücken kannst und danach ist es wieder gut.“

Thomas Eroglu(l.) ist nach einem Bänderriss im Sprunggelenk auf dem Weg der Besserung.
Thomas Eroglu(l.) ist nach einem Bänderriss im Sprunggelenk auf dem Weg der Besserung. © Hendrik Skirde © Hendrik Skirde

Bislang ist es zu solchen Brüder-Duellen aber nur auf dem Trainingsplatz gekommen. Zwar spielten sowohl Daniel als auch Thomas in der Vergangenheit übergangsweise nicht für den FC Nordkirchen, zu einem Aufeinandertreffen kam es in der Zeit aber nie.

Für den ältesten Bruder wäre das für die Beziehung untereinander aber auch kein Problem gewesen. „Es ist ganz klar eine Brüder-Liebe, von der jeder auf seine Art und Weise profitiert“, so der 36-Jährige.

Kommt es noch zum ersten gemeinsamen Spiel für den FC Nordkirchen?

Ob es nach der Corona-Pause für die drei fußballerisch gemeinsam weitergehen wird, steht noch nicht fest.

Erst einmal werden Daniel, der zwischen erster und zweiter Mannschaft pendelt, und Johannes wohl noch am ehesten gemeinsame Spiele absolvieren. Der mittlere Eroglu hingegen kuriert aktuell noch eine schwere Sprunggelenksverletzung aus.

Um wieder fit zu werden, sind ein paar Spiele für die zweite Mannschaft für Thomas Eroglu aber durchaus eine Option, wie er sagt. Sollte es dazu tatsächlich kommen, wäre das ein Novum: Denn noch nie spielten alle drei Brüder gemeinsam in einem Ligaspiel. Es wäre die vorerst letzte Gelegenheit. Ab nächster Saison wird Thomas Eroglu beim SV Herbern in der Landesliga kicken.

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Ist passionierter und aktiver Sportler aus dem schönen Bergischen Land und seit 2011, ursprünglich wegen des Studiums, im Ruhrgebiet unterwegs. Liebt die Kommunikation mit Menschen im Allgemeinen und das Aufschreiben ihrer Geschichten im Speziellen.
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