Zocken im Vereinsheim: Beim SV Südkirchen wird bald E-Sport angeboten. © dpa
E-Sport

Pilotprojekt im E-Sport: Klub bietet bald FIFA im Vereinsheim an

Bei einem heimischen Klub wird es bald E-Sport-Angebot geben. Nicht nur Vereinsmitglieder können daran teilnehmen. Es gibt aber auch Kritik am Projekt.

Fußball wird schon seit einiger Zeit nicht mehr gespielt. Und es könnte auch noch einige Zeit dauern, bis es weitergeht. Der Ball könnte bei einem Verein jedoch bald wieder rollen – zumindest virtuell.

Denn bald wird es beim SV Südkirchen ein E-Sport-Angebot geben. Wie ist es dazu gekommen? Eigentlich kann man sagen, dass der Zufall einen gehörigen Anteil hat. „Thomas Wiggers (Geschäftsführer im Präsidium des SV Südkirchen, Anm. d. Red.) hat zufällig gesehen, dass es eine Ausschreibung des Sportbundes NRW gibt, um an einem Projekt teilzunehmen“, berichtet Dennis Fritzl, der sich beim SV Südkirchen des Projekts angenommen hat. „Wir dachten, wir bewerben uns einfach.“ Und schon war der SV Südkirchen dabei.

Bei dem Projekt handelt es sich um eine Ausschreibung der Sportjugend NRW, die durch das Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes NRW unterstützt wird. Das Projekt, das den Namen „E-Sport als Angebot der außersportlichen Jugendarbeit im Sportverein“ trägt wird dabei wissenschaftlich von der Fachhochschule Münster begleitet. Die Zielgruppe sind 12- bis 27-Jährige.

SV Südkirchen wird in der zweiten Runde ausgewählt

Insgesamt 24 Standorte gibt es für das Projekt. Zunähst war der SV Südkirchen nicht dabei, in einer zweiten Bewerbungsrunde wurde der SVS dann aber doch ausgewählt. „Man muss erwähnen, dass sich viele Vereine aus dem Regierungsbezirk Münster beworben haben und uns die Auswahlentscheidung nicht leicht gefallen ist. Der SV Südkirchen hatte leider nicht die erste Runde erreicht, kann nun aber dennoch am Projekt teilnehmen, da er durch die Sparkasse Westmünsterland gefördert wird“, sagt Miriam Langeleh von der Koordinationsstelle E-Sports des Stadtsportbundes Krefeld, die sich um das Projekt kümmert.

Alle teilnehmenden Vereine bekommen die Hardware gestellt. Dabei werden zunächst drei Spiele angeboten: Für die Konsole werden die Fußballsituation FIFA und die Rennsimulation Rocket League angeboten, für den PC kann zwischen FIFA und dem Spiel League of Legends gewählt werden.

Die Koordinierungsstelle berät die Vereine dabei in allen Frage. Dabei sind die Rückmeldungen ziemlich unterschiedlich, wie Miriam Langeleh berichtet: „Uns erreichen sehr vielfältige Anfragen, da die Vereine über einen sehr heterogenen Erfahrungsschatz verfügen. Relativ häufig wird die Frage nach der Gemeinnützigkeit gestellt: Wie kann ich E-Sport als Verein anbieten, ohne die Gemeinnützigkeit zu gefährden?“

Denn bei der Teilnahme am Projekt gibt es durchaus Fallstricke. Langeleh kann aber beruhigen: „Eine generelle Antwort gibt es nicht darauf, wir erarbeiten mit den Vereinen jeweils individuelle Lösungswege.“

Corona-Pandemie sorgt für Verzögerungen

Beim SV Südkirchen ist man einen Schritt weiter. Als nächsten Schritt werden die Ansprechpartner im Verein um Dennis Fritzl eine Grundlagenschulung erhalten. Wann das der Fall ist, ist offen. Die Corona-Pandemie macht auch den E-Sportlern einen Strich durch die Rechnung. Erst nach dem Abschluss der Grundlagenschulung soll es endgültig losgehen. „Wann das sein wird – ob vielleicht im Mai oder im Juni – lässt sich jetzt noch nicht sagen“, so Miriam Langeleh. Dann wird der Verein wohl auch die Hardware erhalten, die im Klubheim aufgebaut werden soll.

Für den SV Südkirchen geht es bei der Projektteilnahme um weit mehr, als lediglich einige Vereinsmitglieder bei Laune zu halten. „Ich glaube schon, dass es eine Zielgruppe gibt“, sagt Dennis Fritzl. Zudem können auch Interessierte mitmachen, die nicht Mitglied beim SV Südkirchen sind. „Ein bis zwei Leute haben sich schon gemeldet, die nichts mit dem Verein zu tun haben, und Interesse bekundet“, so Fritzl.

So bleibt die Hoffnung, dass der Verein vielleicht auch durch den E-Sport wachsen könnte. Das gefällt nicht unbedingt jedem: „Natürlich gibt es auch negative Resonanz“, erzählt Fritzl. „Es gibt Stimmen, die sagen, dass wir nicht einfach beim SV in der Bude sitzen sollen.“

Zukunft beim SV Südkirchen ist möglich

Fritzl vertritt ohnehin eine andere Meinung: „Selbst wenn ich den Leuten jetzt sage, sie sollen rausgehen, bekomme ich sie nicht raus. Aber Leute über den E-Sport in den Verein zu bringen, ist ein guter Schritt. Und ich glaube, dass die Leute, wenn Corona vorbei ist, im Klubheim auch gerne mal eine Runde FIFA spielen und das das gut für das Mannschaftsgefüge ist. Damit habe ich die Hoffnung, dass es auch einen positiven Effekt auf die hat, die auf dem Feld stehen.“ Der E-Sport könnte also eine Zukunft beim SV Südkirchen haben. Wie groß der Effekt am Ende ist, wird sich zeigen.

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Ist zum Studium ins Ruhrgebiet immigriert - und geblieben. Vielseitig interessiert mit einer Schwäche für Geschichten aus dem Sport, von vor Ort und mit historischem Bezug.
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Matthias Henkel

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