Pascal Formann, Torwarttrainer des VfL Wolfsburg, gibt Einblicke in das Leben eines Bundesligisten. © regios24
Fußball

„Muss auch mal ne Gaudi sein“ – Profi Pascal Formann gibt Tipps für das Amateur-Torwarttraining

Der Torwarttrainer des Bundesligisten VfL Wolfsburg Pascal Formann sieht Parallelen zwischen dem Training bei Profi und in der Kreisliga – auch wenn es ohne Torwarttrainer etwas schwieriger ist.

In der Fußball-Bundesliga ist der VfL Wolfsburg aktuell ganz klar die Mannschaft der Stunde. Kein anderes Team holte seit Mitte Januar mehr Punkte als die Niedersachsen. Besonders beeindruckend ist allerdings die Defensive bei den „Wölfen“, denn in den letzten sieben Pflichtspielen kassierte Schlussmann Koen Casteels nicht einen einzigen Gegentreffer. Ganz entscheidenden Anteil daran hat der Südkirchener Pascal Formann, Torwarttrainer des Bundesligisten.

Der Podcast von Stephan Schäuble „Im Kopf des Trainers“ beschäftigt sich Woche für Woche mit Trainern aus dem Profi- und Amateurbereich und möchte herausfinden, wie die dortigen Übungsleiter ticken. Nun war also der Südkirchener Ex-Profi, der seine Fußballer-Karriere beim SV Südkirchen und bei GW Selm begann, zu Gast und plauderte mit Schäuble ein wenig über die Arbeit bei den Wolfsburgern.

Im Podcast erklärte der Torwarttrainer zunächst, wie er eine typische Saisonplanung macht. Dabei gehe es natürlich immer darum, wie viele Keeper man überhaupt zur Verfügung hat und wie das Verhältnis zum Chefcoach ist. „Wir haben in Wolfsburg vier Torhüter, das macht das Training natürlich besser und individueller. Aber trotzdem geht es dann auch um Belastungssteuerung. In der Vorbereitung kann ich die Torhüter mal ein bisschen an die Grenzen und drüber hinaus treiben. Vor dem Spiel möchte ich natürlich ganz gezielt auf die Partie vorbereiten. Dann darf ich meine Jungs nicht zu sehr zum Leiden bringen“, sagt Formann, der auch immer wieder Verknüpfungen zum Amateursport bildet.

„Es ist überhaupt nicht schlimm, wenn der Torwart in der Vorbereitung mal mit den anderen Jungs ein paar Intervall- oder Waldläufe macht. Immerhin muss der Torhüter natürlich auch noch bei Puste sein, wenn er mal drei, vier Bälle pro Minute auf den Kasten bekommt. Der Trainer sollte es bloß nicht übertreiben.“

Gerade im modernen Fußball wird dabei natürlich immer mehr auf den „mitspielenden Torwart“ geachtet und für Formann ist das etwas, das auch in der Kreisliga ganz gezielt trainiert werden sollte. „Der erste Kontakt eines Torwarts wird immer wichtiger. Wenn Koen Casteels an den Ball kommt, laufen die Stürmer mittlerweile gar nicht mehr richtig an, weil sie wissen, dass es sowieso keinen Zweck hat. Das Gleiche ist es im Prinzip beim Abstoß. Ein Kreisliga-Torwart muss den Ball nicht ins andere Tor hauen können. Aber er sollte durchaus einen gezielten 50-Meter-Ball an die Mittellinie schlagen und dort seine Mitspieler finden können.“

Pascal Formann ist für die zweitbeste Defensive der Bundesliga verantwortlich.
Pascal Formann ist für die zweitbeste Defensive der Bundesliga verantwortlich. © regios24 © regios24

Und dabei sei es völlig egal, wie der Torwart das schafft. „Als ich als Spieler nach England gewechselt bin (Formann spielte von 2000 bis 2005 bei Nottingham Forest und Grantham Town, Anm. d. Red.) kam ich lange nicht bis zur Mittellinie. Dann habe ich geschaut, was mir mehr liegt. Den Ball ablegen, der klassischen Spannschuss oder so ein modernerer, seitlicher Abschlag. Und dann fängt man eben an und schießt den Ball erst aus fünf Metern ins Tor, dann aus 15, später aus 30 und irgendwann hat man überhaupt keine Probleme mehr, vernünftig abzuschlagen.“

Pascal Formann: „Der Verlierer muss dann mal die Schuhe putzen“

Der Bundesliga-Trainer weiß aber natürlich auch genau, dass es besonders im Amateurbereich nicht wirklich einfach ist, wenn man vielleicht nur einen einzigen Haupttrainer zur Verfügung hat. „Klar, dann ist es viel, viel schwieriger, den Torwart wirklich zu trainieren. Ich denke aber auch, dass die Keeper durchaus bei den Koordinations- und Passübungen zu Beginn mitmachen sollten. Und dann sollten die zwei oder drei Torhüter eben so geschult werden, dass sie sich gegenseitig warm machen. Als ich noch bei Hessen Kassel gespielt habe, hatten wir dann auch einmal in der Woche einen externen Torwarttrainer. Das war auch richtig gut, wenn alle da richtig Bock drauf haben.“

Gerade dieses „Bock machen“ ist aber in kalten Monaten und bei den anders trainierenden Torhütern die vielleicht größte Herausforderung. „Ich sage immer, dass ein Torwarttraining so ne kleine Gaudi sein muss. Da muss es mal witzige Wettbewerbe wie Fußballtennis oder Jonglieren geben. Gerade in schwierigen Phasen, wo die Ergebnisse nicht so wirklich passen. Vielleicht muss der Verlierer dann auch mal die Schuhe der Sieger putzen. So hält man die Jungs einfach ganz gut bei Laune.“

Über den Autor
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Gebürtig aus dem wunderschönen Ostwestfalen zog es mich studienbedingt ins Ruhrgebiet. Seit ich in den Kinderschuhen stand, drehte sich mein ganzes Leben um Sport, Sport und Sport. Mittlerweile bin ich hierzulande ansässig geworden und freue mich auf die neuen Herausforderungen in der neuen Umgebung.
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Nico Ebmeier

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