Obwohl derzeit kein Spielbetrieb stattfindet, sorgt eine Bezirksliga im Dortmunder Amateurfußball für Aufsehen. © picture alliance/dpa
Fußball-Bezirksliga

Dortmunder Fußballtrainer: „Diese Bezirksliga ist verrückter als jede Regionalliga“

Obwohl derzeit überhaupt kein Spielbetrieb stattfindet, macht eine Fußball-Bezirksliga ständig von sich reden. Gleich mehrere Dortmunder Trainer halten diese aktuell für verrückt.

Zugegeben: Keines der gleich folgenden Fußball-Teams hat in den vergangenen Monaten auf dem Sportplatz gestanden und ein Fußballspiel bestritten. Der Corona-Lockdown verhindert schon seit Ende Oktober vergangenen Jahres jeglichen Spielbetrieb. Nichtsdestotrotz macht eine Bezirksliga gerade ordentlich von sich reden. Daran beteiligt sind auch mehrere Dortmunder Klubs.

Fangen wir mal mit dem VfL Kemminghausen an. Die Mannschaft, die aktuell von Tuna Kayabasi trainiert und sportlich geleitet wird, verkündet derzeit Top-Transfer nach Top-Transfer. Nach der Verpflichtung von Oberliga-Top-Stürmer Fabian Kolodzick hat der VfL nun auch bekanntgegeben, dass in Mert Ahmet Akbulut ein BVB-Talent nach Kemminghausen wechselt, das zuletzt noch mit Youssoufa Moukoko zusammengespielt hat. Und der VfL verspricht: Es kommen noch weitere Kracher. Die Teams der Bezirksliga 9 müssen sich also warm anziehen.

Doch der VfL agiert nicht konkurrenzlos. Zuletzt hat beispielsweise auch RW Germania ein Ausrufezeichen gesetzt. Safa Obi, William Najdi und Kaan Akkus bringen allesamt Qualität mit und haben schon höherklassige Erfahrungen gesammelt. An seiner Philosophie wolle der Klub dennoch nichts verändern, verriet der Verein zuletzt auf Anfrage.

Ohnehin starke Kader mit höherklassigen Kickern hatten in der Bezirksliga 9 zuvor schon Mengede 08/20, der FC Roj, der FC Nordkirchen, die Spielvereinigung Schwerin und der TuS Eichlinghofen, die in der aktuellen Saison allesamt schon um den Aufstieg gekämpft hatten.

Jan Ramadan, Trainer des FC Roj, bezeichnete diese Liga nun als „verrückter als die Regionalliga“. Der Chefcoach des FC habe in seiner bisherigen Trainerlaufbahn noch nie erlebt, dass Vereine in solch einer kurzen Zeit so viele verrückte Transfers getätigt hätten. Er sieht die Entwicklung kritisch: „Solche Transfers können den Vereinen richtig wehtun, wenn sie damit nicht gut umgehen können. Die Vereine sind scharf auf Aufstiege und danach kommt die Klatsche“, sagt er. Aber versucht der FC Roj nicht selbiges ebenso mit höherklassigen Kickern? Ramadan lenkt ein: „Das wird zwar niemand glauben, aber ich überzeuge die Spieler in den Gesprächen mit einem guten Training und Spielminuten“, sagt der Coach.

Tuna Kayabasi ist derzeit Macher beim VfL Kemminghausen und stellt den Klub neu auf. Er findet die Entwicklung im Dortmunder Amateurfußball spannend. „Es wird keine Mannschaft geben, die marschiert. Wir holen viele Spieler, die außerhalb gespielt haben. Ich habe viele Umfelder kennengelernt und daher einige Kontakte“, sagt Kayabasi, der im neuen Jahr oben mitspielen wolle.

Das ist eigentlich auch das Ziel von Mengede 08/20, das sich für kommende Saison mit der Verpflichtung von Giacomo Schulz und Andreas Lüder ebenfalls nochmal verstärkt hat. Auch Mengede-Trainer Gerner findet die Entwicklung im Dortmunder Amateurfußball – speziell jetzt in der Bezirksliga 9 – erstaunlich. „Ich gönne jedem Verein diese Super-Transfers. Für mich ist aber auch wichtig, dass Konstanz im Verein bleibt. Unsere Ausgangslage verbessert sich dadurch zwar nicht, aber solche Transfers sind völlig legitim und da fange ich auch nicht an zu weinen. Die Transfers werten den Dortmunder Amateurfußball auf“, sagt Gerner.

Ist der FC Nordkirchen nicht mehr das heißeste Eisen?

Längere Zeit im Dortmunder Amateurfußball aktiv war auch Mario Plechaty. Mittlerweile ist er Coach beim FC Nordkirchen, der in dieser Saison zu den heißesten Eisen im Aufstiegskampf zählte. Sollte die Saison nicht zu Ende gespielt werden können, dann könnte sich das in der kommenden Spielzeit ändern, zumal der FCN einige Abgänge verschmerzen muss.https://www.ruhrnachrichten.de/lokalsport-dortmund/bezirksliga-top-klub-verliert-vier-spieler-zur-freude-der-vereine-aus-dortmund-plus-1591754.html

„Ich habe noch nie so eine gute Bezirksliga gesehen. Wir haben auch einen guten Kader, aber ich war in dieser Saison schon erschrocken, wie gut die anderen Mannschaften sind. Wenn ich mitbekomme, was nun noch geholt wird, dann ist das schon Wahnsinn“, sagt Plechaty, der in der Entwicklung aber auch etwas Positives sieht. „Vielleicht wird jetzt nicht mehr so viel über uns gesprochen. Andere Mannschaften stehen genauso im Fokus. Das könnte positiv für uns sein“, sagt der FCN-Coach.

Vereine, Spieler, Trainer und Zuschauer können sich auf eine hochinteressante Liga einstellen, sobald die Corona-Zahlen sinken und wieder den Spielbetrieb im Amateur- und Breitensport ermöglichen. Bis dato können die Klubs noch weiter fleißig an ihren Kadern werkeln. Den Dortmunder Amateurfußball macht das umso attraktiver.

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
Ist bereits seit Kindesbeinen an von Ballsportarten – insbesondere Fußball – fasziniert. Stets neugierig auf der Suche nach Geschichten, auch abseits des Ballsports. Die Liebe zum Journalismus entdeckte er über sein großes Hobby: Fotografie. Gebürtig aus Selm, mittlerweile in Lünen wohnhaft.
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Patrick Schröer

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