Solche echten Schachspiele sind in der Corona-Pandemie aktuell nicht möglich. Auch die SG Nordkirchen muss pausieren. Auf dem Bild sind Berthold Austrup (links) und Volker Flöter zu sehen. © SG Nordkirchen
Schach

Denksport während der Corona-Pandemie: „Wir sind wirklich im Vorteil“

Noch immer ist im deutschen Amateursport der Pausenknopf gedrückt. Auch die Schachspieler der SG Nordkirchen haben seit Monaten kein echtes Spiel mehr erlebt. Doch es gibt eine schnelle Alternative.

Eigentlich stehen für die Schachspieler der SG Nordkirchen zwischen September und Mai etwa neun Wettkämpfe im Kalender an. Doch bereits im März vergangenen Jahres wurde die komplette Saison eingestellt. Seitdem ruht der Schachbetrieb in Nordkirchen und auch an Training ist in der aktuellen Situation nicht zu denken. Berthold Austrup (49), Vorsitzender des Nordkirchener Schachvereins, spricht im Interview über Betrug am Brett, Schach im Netz und nervöse Spieler.

Wie halten sich die Mitglieder der SG Nordkirchen aktuell fit?

Vereinstraining findet überhaupt nicht mehr statt. Denn an den Tischen, auf denen wir Schach spielen, kann der Mindestabstand einfach nicht eingehalten werden. Hinzu kommt, dass viele ältere Menschen für das Training in der Jugend verantwortlich sind. Da will niemand ein Risiko eingehen, aus Eigenschutz und zum Schutz der Kinder und Eltern. Wie in jeder anderen Sportart auch, werden wir ohne Training nun schlechter und haben Defizite, wenn es wieder losgeht.

Durch das Angebot von Online-Schach sind Sie aber in einer etwas besseren Lage als Fußball- oder Handballspieler, oder?

Wir sind aufgrund der Digitalisierung und den Möglichkeiten im Internet wirklich im Vorteil. Es gibt Plattformen wie „Schach-Arena“ oder „Lichess“ mit denen man ganz leicht weiter Schach spielen kann, im Team oder alleine. Wir haben das unseren Mitgliedern auch angeboten, die Resonanz war aber sehr zurückhaltend. Ich selbst habe auch erst vor knapp anderthalb Monaten damit angefangen.

Wie schätzen Sie denn das Potenzial von Schach-Training im Netz ein?

Am Computer können die Spieler Analysen genau wie in echt durchführen und zeigen, wo Probleme sind. Man braucht aber auch Menschen, die sich damit auskennen. Wir sind ein relativ kleiner Verein mit etwa 34 Mitgliedern und die Personen, die das Schachtraining machen, sind oftmals nicht so fit in der Digitalisierung. Der Schachklub Münster ist beispielsweise richtig aktiv und bietet digitales Training an. Dort sind aber auch viele junge Leute und Studenten dabei. Solche Strukturen haben wir in Nordkirchen überhaupt nicht.

Wo liegen überhaupt der Unterschiede zwischen digitalem und analogem Schach?

Das Schöne am digitalen Schach ist, dass man sofort die Möglichkeit hat, alles zu analysieren. Somit sehen die Spieler auch schnell, wo die eigenen Fehler liegen. Was natürlich fehlt, ist das Persönliche. Wenn man Schach in der Realität spielt, sieht man die Reaktion auf Züge. Manche Spieler werden beispielsweise nervös bei langen Partien, wackeln mit den Beinen oder die Hände werden unruhiger, andere sind sehr konzentriert. Digital ist das Spiel deswegen sehr unpersönlich und es fehlt das Zwischenmenschliche.

Ist online die Gefahr zu betrügen nicht viel größer?

Die Betrugsgefahr ist auf jeden Fall sehr groß, denn man sieht eben nur das Schachbrett und nicht die Person dahinter. Die Spieler können beispielsweise Analysen auf einem anderen oder dem gleichen Gerät laufen lassen. Die sagen einem dann, welche Züge am günstigsten sind. Es gibt aber auch Programme, die genau das feststellen können. Die Gefahr, dass nicht immer alles fair zugeht, ist trotz alledem viel größer, als wenn man in echt miteinander spielt.

Ende Oktober ist die Schach-Serie „Das Damen-Gambit“ auf der Streamingplattform Netflix gestartet und hat bei so manchen Schachservern einen regelrechten Boom ausgelöst. Was haben Sie davon in Nordkirchen mitbekommen?

Also einen wirklichen Boom oder neue Anmeldungen gab es durch die Serie bei uns jetzt nicht. Das zeigt sich vielleicht in den nächsten Monaten, wenn auch wieder gespielt werden darf. Ich kenne aber einige Leute, die kein Schach spielen und sich die Serie trotzdem angeguckt haben. Meine Tochter beispielsweise, die im Gegensatz zu meinem Sohn überhaupt nicht an Schach interessiert ist. Mit ihr kann ich jetzt deutlich mehr über die Sportart reden.

Machen Sie sich Sorgen um die Zukunft der SG Nordkirchen?

Corona ist wahrscheinlich das Schlechteste, was uns passieren konnte. Wir müssen echt aufpassen, dass wir unsere Mitglieder halten, denn Schach ist nun mal nicht die beliebteste Sportart. Am Ende bleibt auch zu hoffen, dass die Jugendlichen dabei bleiben, vereinzelt gab es aber schon Abmeldungen.

Haben Sie sich schon auf die Zeit nach dem Lockdown vorbereitet?

Uli van Suntum, der als Aktiver bei uns im Verein ist, hat bereits Plexiglasscheiben besorgt. Damit könnte man dann wieder in Person gegenüber spielen. Sollte sich die Lage entspannen, werden wir darauf zurückgreifen. Ich rechne aber damit, dass sich das alles noch länger hinzieht und wir vielleicht erst wieder im April richtig Schach spielen können.

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