So sieht die Soccerwatch-Kamera bei Westfalia Vinnum aus. © Sebastian Reith
Fußball

Braucht der FC Nordkirchen eine Kamera? Trainer Plechaty und Verein sind sich uneins

Dass Spiele von Bezirksliga-Spitzenreiter FC Nordkirchen live im Internet zu sehen sind, möchte der Verein bislang noch nicht. Coach Mario Plechaty würde sich über die Spielaufzeichnungen aber freuen.

In der Fußball-Bezirksliga steht der FC Nordkirchen nach acht Spieltagen an der Tabellenspitze. Die Mannschaft von Trainer Mario Plechaty hatte sich vor der Saison mit einigen Spielern verstärkt und gehört zu den Aufstiegsfavoriten.

Das letzte Ligaspiel vor der durch Corona bedingten Zwangspause geht jedoch mit 0:3 gegen BW Huckarde überraschend verloren. Grund dafür dürfte auch die sehr dünne Personaldecke bei den Nordkirchenern gewesen sein, die in den Wochen vor dem Lockdown teilweise auf die Hälfte ihrer Stammspieler verzichten mussten.

Soccerwatch bietet verschiedene Pakete an

Eine Möglichkeit für Spieler – oder auch Trainer -, die Partien der eigenen Mannschaft auch abseits des Platzes verfolgen zu können, bietet der Streamingdienst Soccerwatch. Die Klubs können sich von der Firma aus Essen eine Kamera für mehrere Jahre ausleihen oder direkt kaufen. Das System funktioniert dann mit automatisch arbeitenden Kameras am Platz und bietet alle Spiele des Vereins live, als Zusammenfassung und Wiederholung im Internet an.

Laut der Homepage von Soccerwatch betragen die Kosten je nach Umfang des gebuchten Pakets zwischen 139 und 189 Euro im Monat bei einer Vertragslaufzeit von drei Jahren.

Für David Handrup, dem Sportlichen Leiter des FC Nordkirchen, ist es „daher auch einfach eine Kostenfrage“, weswegen sie sich in Nordkirchen trotz der hohen sportlichen Ambitionen bislang noch nicht für Kameras am Platz entschieden haben.

Dabei wäre es für den Verein vor einem Jahr sogar möglich gewesen, ein Kooperationsangebot der Sparkasse anzunehmen, die einen Teil der Kosten getragen hätte. „Wir haben uns damals aber auch dagegen entschieden, weil die Leute zum Platz kommen sollen“, sagt David Handrup.

Bei Westfalia Vinnum nutzen sie Soccerwatch schon seit einem Jahr

Anders als beim FC Nordkirchen entschied man sich bei A-Ligist Westfalia Vinnum dazu, die Kooperation mit der Sparkasse im vergangenen Jahr anzunehmen. Die Entscheidung für das Angebot der Sparkasse Münsterland sei ihnen „nicht besonders schwergefallen“, sagt Michael Asemann. „Die Kooperation beinhaltet eine Staffelung, bei der die Zuschüsse durch die Sparkasse zwar von Jahr zu Jahr geringer werden, es so für uns aber auf jeden Fall bezahlbar war.“

Der Geschäftsführer von Westfalia Vinnum sieht für die Mannschaft den größten Vorteil im Trainer-Tool des Systems. Mit dieser Funktion haben Trainer einen gesonderten Zugang und können Spielsituationen ganz gezielt analysieren.

Michael Asemann und Westfalia Vinnum haben eine Kamera auf dem Vereinsgelände installiert. © Pascal Albert © Pascal Albert

Für Asemann ergeben sich daraus teilweise unerwartete Erkenntnisse. „Selbstbild und Fremdbild – man selbst denkt ‚Abseits‘ und regt sich im Spiel tierisch auf. In der Trainer-Analyse muss man dann aber feststellen, dass man selber das Abseits um zwei Meter aufgehoben hat“, sagt Asemann mit einem Lachen.

Mario Plechaty fände es gut, wenn der FC Nordkirchen eine Kamera bekommen würde

Auch der Trainer des FC Norkirchen, Mario Plechaty, meint, dass vor allem seine Spieler von der Technik profitieren könnten. „Ich fände es gut, wenn wir eine Kamera hätten“, sagt Plechaty. In der Vergangenheit hätten sie schonmal vereinzelt Spiele aufgezeichnet und danach in der Mannschaft besprochen. „Die Spieler waren teilweise erschrocken darüber, was sie zusammengespielt haben“, so der Trainer.

Mario Plechaty wäre froh, wenn er für die Spielvorbereitung eine Kamera zur Verfügung hätte. © Nico Ebmeier © Nico Ebmeier

Allerdings hat Plechaty auch Verständnis für den Verein, der am Ende die Entscheidungsgewalt hätte. „Man darf nicht vergessen: Es ist immer noch „nur“ Bezirksliga“, so Plechaty.

Dabei könnte der ambitionierte FC Nordkirchen gerade in der Bezirksliga einen zusätzlichen Vorteil gegenüber den Vereinen bekommen, die das Tool nicht besitzen. David Handrup hat Verständnis für seinen Trainer, bremst aber auch sofort aus. „Für die Trainer ist es natürlich schön, aber auch viel Spielerei. Ob man die dann am Ende braucht, ist die andere Frage und wir im Verein haben es gerade nicht angedacht.“

Für den Sportlichen Leiter haben aktuell ohnehin andere Dinge Priorität. „Wir sind ja erstmal froh, wenn der Spielbetrieb wieder anlaufen kann und die lokalen Firmen, die uns als Sponsoren unterstützen, weitermachen können.“

Dies sei aber bislang für Nordkirchen noch kein Problem. „Bislang halten alle Firmen zu uns“, versichert Handrup.

Bleibt für den FC Nordkirchen zu hoffen, dass sich das in den nächsten Wochen und Monaten durch Corona nicht ändert und die Vereine den Spielbetrieb unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen bald wieder aufnehmen können – ob mit oder ohne Kameras am Platz.

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Ist passionierter und aktiver Sportler aus dem schönen Bergischen Land und seit 2011, ursprünglich wegen des Studiums, im Ruhrgebiet unterwegs. Liebt die Kommunikation mit Menschen im Allgemeinen und das Aufschreiben ihrer Geschichten im Speziellen.
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