Die Saison in ihrer geplanten Form ist für Gerard Siggemann und die Herren des HSC Haltern-Sythen - genauso wie für alle anderen Teams - beendet. © Blanka Thieme-Dietel
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Saisonabbruch im Handball: Machen die HSC-Teams bei den Aufstiegsrunden mit?

Handball-Teams, die aufsteigen wollen, sollen bald in einem Turnier um den Aufstieg spielen können. Für die HSC-Trainer Stolz und Siggemann durchaus interessant, doch sie haben auch Bedenken.

Lange war ungewiss, wie die Saison im Handball weitergehen soll. Nun hat der Handballverband Westfalen bekannt gegeben, dass die Saison in ihrem ursprünglich geplanten Modus nicht mehr fortgeführt wird. Der Verband arbeitet bereits an Alternativen. Dazu zählen auch Aufstiegsrunden, die für die erste Herren- und Damen-Mannschaft nicht ganz uninteressant sein könnten – für Gerard Siggemann allerdings nur unter einer Bedingung.

Zwei Spiele haben die beiden ersten Senioren-Teams des HSC bislang erst bestreiten können. Weitere kommen nicht mehr dazu. Die Saison ist abgebrochen. Mannschaften, die aufsteigen möchten, sollen aller Voraussicht nach in einer Aufstiegsrunde darum spielen. Der Rest könnte in kleinen, regionalen Turnieren spielen.

In den Aufstiegsrunden „geht es dann direkt um alles“

Grundsätzlich sei er erst mal gegen eine Aufstiegsrunde mit seiner Mannschaft, verrät Gerard Siggemann, Trainer der Oberliga-Herren. „Ich habe die Befürchtung, dass es dort viele Verletzte geben wird“, erklärt er. Denn die meisten gehen davon aus, dass es nicht mehr als vier Wochen Vorbereitungszeit geben wird, ehe wieder gespielt wird. „Aber vier Wochen halte ich für zu wenig.“

Sollte der Trainingsbetrieb beispielsweise am 1. März wieder aufgenommen werden dürfen, hätten alle Mannschaften vier Monate lang nicht mehr trainiert. „Da werden vier Wochen überhaupt nicht reichen.“ Gerade in einer Aufstiegsrunde müssten aber alle top fit sein.

„Denn die, die da spielen, müssen 110 Prozent geben“, sagt er. Wahrscheinlich wird es nur ein paar wenige Spiele geben, eine Handvoll Siege könnte also reichen, um aufzusteigen. „Da geht es dann direkt um alles“, erklärt Siggemann.

Vier Wochen Vorbereitungszeit würde Gerard Siggemann nicht reichen

Gleichzeitig reizt eine solche Aufstiegsrunde ihn aber auch ein wenig, eben weil ein Aufstieg wahrscheinlich nie einfacher zu erreichen sein wird als in einer kurzen Playoff-Runde. All das sind aber erst mal nur Gedankenspiele. Und eine Bedingung hat der HSC-Trainer ohnehin: „Es macht nur Sinn, über eine Teilnahme an der Aufstiegsrunde nachzudenken, wenn wir mindestens sechs Wochen Vorbereitungszeit kriegen.“

Das ist – Stand jetzt – allerdings ziemlich unwahrscheinlich. Und es ist nicht der einzige Grund, skeptisch zu sein. Andreas Stolz, Trainer der HSC-Damen, nennt noch einen weiteren: Die Kosten. Denn aktuell wird im Handballverband die Möglichkeit diskutiert, dass sich die Spieler und Spielerinnen vor den Partien auf das Coronavirus testen lassen.

„Das sehe ich als das große Problem“, erklärt Stolz. Denn finanziell könne das ein Kraftakt werden. „Dann können eigentlich nur Vereine spielen, die finanziell gut aufgestellt sind.“ Und gerade in der aktuellen Zeit haben viele Vereine zu kämpfen.

Andreas Stolz: „Ich denke, daran wird es am Ende scheitern“

Selbst wenn die Tests so günstig wären, wie es HVW-Vizepräsident Spieltechnik Andreas Tiemann bereits vorgerechnet hatte, würden auf die Vereine einige Kosten zukommen. Sechs Euro nannte er als Preis für einen einzelnen Schnelltest. Bei einer Mannschaft kommen da im Normalfall auf jeden Fall über 100 Euro pro Partie zusammen.

Bei mehreren Spielen im Monat und mehren Teams seien das schnell über 2000 Euro, so Andreas Stolz. „Ich denke, das wird sich kein Verein leisten können und ich denke auch, daran wird es am Ende scheitern.“

Andreas Stolz, Trainer der Damen des HSC Haltern-Sythen, sieht vor allem ein finanzielles Problem bei den Überlegungen, regionale Turniere und Aufstiegsrunden zu spielen.
Andreas Stolz, Trainer der Damen des HSC Haltern-Sythen, sieht vor allem ein finanzielles Problem bei den Überlegungen, regionale Turniere und Aufstiegsrunden zu spielen. © Jürgen Patzke (Archiv) © Jürgen Patzke (Archiv)

Klammert man diese Probleme mal für einen kurzen Moment aus, ist aber auch Stolz nicht ganz abgeneigt, an einer Aufstiegsrunde teilzunehmen. Gedanken habe er sich darüber zwar eigentlich noch nicht gemacht, aber „Versuch macht klug“, sagt er.

In der Oberliga könnte es nächste Saison sechs direkte Absteiger geben

Allerdings, betont der HSC-Trainer, glaube er einfach nicht daran, dass es wirklich zu einer solchen Runde kommen wird. Viel wichtiger sei es sowieso erst mal, dass die Jugendspieler irgendwann wieder in die Hallen dürfen. Positiv an der aktuellen Lage sei derweil zumindest, dass es keine Absteiger geben wird. Die HSC-Teams halten also erneut die Klasse.

Das wird aber wahrscheinlich in der kommenden Spielzeit zu einem neuen Problem führen. Für die Saison 2021/22 befürchtet Gerard Siggemann einen „unheimlichen Abstiegsdruck“. Da erneut keine Teams absteigen, werden die Staffeln noch voller. In der nun abgebrochenen Spielzeit wurden größere Staffeln bereits aufgeteilt.

„Es könnte passieren, dass es nächstes Jahr sechs direkte Absteiger geben wird“, so der Trainer der HSC-Herren, der den Abbruch der klassischen Saison aber für richtig hält. „Das war ja folgerichtig“, sagt er, „man weiß ja immer noch nicht, wann es weiter gehen könnte“. Auch Andreas Stolz sieht das so. „Ich habe aber natürlich gehofft, dass es irgendwie noch mal weitergehen kann, aber hier geht es um die Gesundheit und die geht immer vor.“

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Pascal Albert

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