Timo Ostdorf (l.) spielte mit dem TuS Haltern am See bislang zehn Mal in der Oberliga. Eine faire Lösung, die Saison zu beenden, ist laut ihm sehr unwahrscheinlich. © Jürgen Patzke
Fußball: Oberliga

Ostdorf wird deutlich: Eine Fortsetzung der Saison macht keinen Sinn mehr

Timo Ostdorf, Trainer des TuS Haltern, hat eine klare Meinung zum weiteren Verlauf der Saison. Er nennt mehrere Gründe, warum es nicht mehr wirklich logisch ist, die Saison fortzusetzen.

Schon vor der Saison war den 21 Oberliga-Klubs bewusst, dass diese Spielzeit mit ihren 42 Spieltagen eine Herausforderung werden würde. Die Corona-Pause hat die Lage deutlich komplizierter gemacht. Und längst hinterfragen die ersten die Sinnhaftigkeit einer Fortsetzung im April. Timo Ostdorf, Trainer des TuS Haltern am See, gehört ganz sicher dazu. Und seine Argumente für einen vorzeitigen Abbruch der seit Oktober unterbrochenen Saison ohne Auf- oder Absteiger klingen sehr plausibel.

„Das fängt doch schon mit der geplanten Vorbereitungszeit von nur zwei Wochen an“, sagt der 34-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung. „In der Regel haben wir zwischen zwei Saisons vier Wochen Sommerpause, um uns danach in vier bis sechs Wochen auf den Ligastart vorzubereiten. Jetzt spielen wir seit 137 Tagen keinen Fußball mehr und sollen uns in zwei Wochen für den Re-Start fit machen“, sagt er.

„Ein Ausdauerlauf kann ein Mannschaftstraining null Komma null ersetzen“

„Wenn ich von Verbandsfunktionären solche Sprüche höre, dass sich die höherklassigen Vereine ja alle individuell in der Corona-Pause fit halten würden, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Ein Ausdauerlauf kann ein Mannschaftstraining null Komma null ersetzen. Da sind Verletzungen vorprogrammiert.“

Mit dieser Meinung steht der Halterner Coach längst nicht alleine da. Unlängst hatten sich die Übungsleiter der Oberligisten in einer gemeinsamen Videoschalte, initiiert von Meinerzhagens Trainer Mutlu Demir, über eine mögliche Rückkehr in den Spielbetrieb unterhalten.

Von den 21 Trainern waren zwölf dabei. Auch Timo Ostdorf nahm teil. „Und da waren wir uns von der Tendenz einig, dass diese Saison annulliert werden muss“, sagt Ostdorf.

Die 50-Prozent-Regel wird keine faire Lösung sein

Es gäbe weiterhin viel zu viele ungeklärte Fragen bezüglich einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs und den Folgen. „Wir wissen ja auch gar nicht, ob wir in den zwei Wochen, in denen wir uns vorbereiten sollen, Testspiele bestreiten dürfen. Wenn die Politik Lockerungen erlaubt und sich demnächst vielleicht wieder zehn Leute aus drei verschiedenen Haushalten treffen dürfen, hilft uns Fußballern das noch lange nichts.“

Ostdorf stellt auch die Sinnhaftigkeit der 50-Prozent-Regel infrage, wonach die Saison gewertet werden soll – mit Auf- und Absteigern –, wenn mindestens die Hälfte aller Spiele (also 210 von insgesamt 420) absolviert wurden.

„Die Saison zu werten, wäre nur gerecht, wenn am Ende mindestens einmal jeder gegen jeden gespielt hat. Wir hatten in unseren bisher zehn Spielen schon die sieben Mannschaften, die jetzt auf den Plätzen eins bis sieben liegen. Wer garantiert mir denn, dass wir es noch schaffen, auch gegen die Gegner zu spielen, die mit uns um den Klassenerhalt kämpfen“, fragt Ostdorf.

Mutlu Demir fürchtet Spielabsagen, um weiter gut dazustehen

Trainerkollege Mutlu Demir befürchtet gar noch ein anderes Problem. Da für die Wertung die durchschnittliche Punktzahl, also der Punkte-Quotient herangezogen wird, sieht er einen sportlich fairen Wettbewerb gefährdet.

„Es könnten bewusst Spielausfälle herbeigeführt werden.“ Im Klartext: Wer seinen Quotienten nicht verschlechtern will, schiebt einen Corona-Verdachtsfall vor, um Spiele (und eventuelle Niederlagen) gegen einen vermeintlich übermächtigen Gegner zu vermeiden.

Am 11. Februar, also einen Tag nach der Bund-Länder-Konferenz und der Verkündung weiterer Maßnahmen, hat die Verbandsspitze alle 21 Oberliga-Klubs zu einer Videokonferenz eingeladen, um das weitere Vorgehen und die Stimmungslage in den Vereinen abzufragen. „Es ist die erste ernsthafte Kontaktaufnahme des Verbandes mit den Oberliga-Vereinen. Das zeigt doch schon, dass es hier ein echtes Kommunikationsproblem gibt“, sagt Ostdorf.

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