Die Halternerin Jette Aelken blickt auf ein ungewöhnliches Jahr 2020 zurück: Sie verpasste auf bittere Weise die Deutsche Meisterschaft, sammelte aber auch ihre ersten Weltcup-Punkte. © Privat
Mountainbike

Jette Aelkens erste Weltcup-Punkte, ein Sturz und ein bitterer Ausfall

Für Jette Aelken lief die erste internationale Saison anders als anfangs gedacht, aber trotzdem erfolgreich. Die Halternerin ließ sich nicht mal von einem schweren Sturz stoppen.

Die Halterner MTB-Radsportlerin Jette Aelken blickt trotz aller Coronabeschränkungen auf eine spannende und erfolgreiche erste internationale Saison zurück, bei der sie am Ende auch ihre ersten Weltcup-Punkte erobern konnte.

„Zum Jahresbeginn stand ich im UCI-Ranking auf Platz 250, am Ende nach Brünn schon auf Platz 80“, erzählt sie. Nach der Aufnahme in den B-Kader des Nationalteams freute sie sich auf ein tolles Sportjahr, in der sie sich in der Klasse U19 auch auf internationaler Bühne beweisen wollte. Doch zunächst machte die Corona-Pandemie auch ihre Pläne zunichte.

Jette Aelken macht 48 Plätze gut

Als es dann im Sommer endlich wieder möglich wurde, Rennen zu fahren, entschied sich die sympathische Sportlerin für Starts in der international ausgeschriebenen „Junior Series“. Sie begann am 9. August im französischen „Alpe d’Huez“, dem legendären Schicksalsberg der „Tour de France“.

Auf rund 1.800 Meter Höhe erlebte sie vor Ort eine anspruchsvolle Strecke mit steilen Anstiegen bis auf 2.100 Meter und rasanten Downhill-Passagen. Aelken hatte sich im Rennverlauf von Platz 65 auf Platz 17 vorgefahren und konnte diese Position auch auf den letzten beiden Runden halten.

Obwohl das Fahren am Berg ihr eigentlich liegt, war sie im Ziel komplett fertig und konnte sich erst etwas später über die ersten Weltcup-Punkte so wirklich freuen. Den zweiten Start absolvierte sie 14 Tage später in Gstaad in der Schweiz. „Da war einfach alles kompliziert“, sagt sie rückblickend.

Angelegt auf einem Kunstflugplatz ging es nach dem Start auf der Landebahn direkt steil bergauf und danach auf groben Schotterwegen weiter. Aelken, die im Startgedränge angerempelt wurde, musste absteigen und zunächst das Feld ziehen lassen.

Schürfwunden, Prellungen und eine tiefere Verletzung am linken Arm

Sie nahm danach das Rennen wieder auf und erreichte am Ende im Mittelfeld das Ziel. „Nach dem Missgeschick habe ich nicht mehr ins Rennen zurück gefunden“, sagt sie. Doch Ende August im tschechischen Brünn war alles vergessen. Auf der 2019er-EM-Strecke fühlte sich die Halternerin so richtig wohl.

„Das war einfach ein toller Kurs mit sehr gut befahrbaren Streckenteilen und künstlich im Hang angelegten Steinfeldern“, erzählt sie. Doch beim hitzigen Massenstart geriet Aelken wieder in Probleme. Links und Rechts von ihr wurde dicht gemacht, die Halternerin stürzte.

Jette Aelken ging im vergangenen Jahr unter anderem in den Niederlanden und in Tschechien an den Start.
Jette Aelken ging im vergangenen Jahr unter anderem in den Niederlanden und in Tschechien an den Start. © Privat © Privat

Dabei verlor sie den linken Lenkerhandgriff, zog sich Schürfwunden, Prellungen und eine tiefere Verletzung am linken Arm zu. Mit einer gehörigen Wut im Bauch dachte sie nur noch „denen zeige ich es jetzt“, erinnert sie sich. Nach ihrem Sturz sprang sie erneut in den Sattel und jagte wild entschlossen dem Feld hinterher.

Die ersten 200 Meter erlebte sie wie im Rausch und konnte bereits zehn Positionen wieder gut machen. So vehement fuhr sie auch weiter, jagte hoch konzentriert durch die engen S-Kurven und zeigte in den Bergpassagen und Steinfeldern ihr ganzes Können.

Aelken hoffte auf einen Podiumsplatz und wurde „total enttäuscht“

Diese Performance wurde belohnt. Schon zur Rennmitte hatte sie sich auf Platz 20 vorgefahren. „Da dachte ich, jetzt einfach noch weiter nach vorne“, erzählt sie. Doch in der letzten Runde wurde ihre Aufholjagd durch einen Beinahesturz fast noch gestoppt.

Aber motiviert und angefeuert von ihren Betreuern in der Technikzone, gab sie auf dem letzten Kilometer im Zielsprint noch einmal alles und fuhr so auf einem sicheren zwölften Platz über die Ziellinie. Im Ziel freute sie sich überglücklich über 27 weitere Weltcup-Punkte.

„Ich habe mich so gefreut, dass ich trotz des Sturzes noch so ein tolles Ergebnis erreicht habe“, sagt Jette Aelken. So gut im Tritt gewann die Halternerin im Anschluss die Meisterschaft des Landesverbands am 12. September in Essen-Steele und reiste danach direkt weiter zum „3-Nationen-Cup“ in die Niederlande.

Auch dort konnte sie bei den Rennen in Spaanwoude und Wijster mit den Plätzen vier und fünf überzeugen. Zum Saisonabschluss und zur Vorbereitung auf die Deutsche Meisterschaft in Obergessertshausen startete sie Mitte Oktober auch siegreich beim „Vulkan Race“ in Gedern, eine Woche später verhinderte dann jedoch eine starke Erkältung den Start bei der Deutschen Meisterschaft. „Da war ich total enttäuscht, denn ich hatte auf einen Podestplatz gehofft“, gesteht sie.

Jette Aelken fährt jetzt mit einer ehemaligen Junioren-Weltmeisterin

Mit der Aufnahme in das Linzer MTB-Team „Merida-Schulte 2.0“ begann auch die neue Saison für Aelken vielversprechend. Hier wird sie zusammen mit der mehrfachen kolumbianischen Meisterin und Junioren-Weltmeisterin von 2008, Valentina Abril, fahren

„Von Valentina kann ich bestimmt noch viel lernen, die war schon auf allen Strecken der Welt unterwegs“, sagt sie. In der „Junior Series“ will sich Aelken mit guten Ergebnissen fest etablieren und peilt bei der Deutschen Meisterschaft einen Podiumsplatz an. Dabei wird sie auch weiterhin Vater Marc als Chefmechaniker und „Seelentröster“ zu allen Rennen begleiten.

Aelken blickt trotz der aktuellen Corona-Situation vorsichtig optimistisch nach vorne: „Ich hoffe auf eine erneut spannende Saison mit vielen positiven Highlights.“

Über den Autor
freier Mitarbeiter
Ist schon seit Jahren freier Mitarbeiter der Redaktion Haltern am See. Er fotografiert und berichtet über das lokale Geschehen und betreut die Serie „Das Sportporträt“. Darüber hinaus berichtet er in Wort und Bild über aktuelle sportliche Großereignisse im Outdoorbereich , wie Reitturniere, Laufveranstaltungen, Radrennen und Kartsport. Sein Spezialgebiet ist die Berichterstattung über Motorsport auf der Nordschleife des legendären Nürburgrings. Für die Dorstener Redaktion begleitet er dazu seit Jahren die heimischen Rennfahrer in der Langstreckenserie und beim Jahreshighlight, dem 24 Stunden Rennen.
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Horst Lehr

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