Die Halternerin Lina Hovenjürgen ist von der PSV Recklinghausen zum TVB Wuppertal gewechselt, für den sie nun in der 2. Bundesliga spielt. © Olaf Krimpmann
Handball: 2. Bundesliga

Hovenjürgen und das Abenteuer 2. Liga: „Ich war den ganzen Tag nervös“

Die Halternerin Lina Hovenjürgen hat den Sprung in die 2. Bundesliga gewagt. Ursprünglich wollte sie erst im Sommer wechseln, änderte ihre Pläne dann aber - und debütierte überraschend schnell.

Im vergangenen Frühjahr, als die Handball-Saison offiziell abgebrochen wurde, konnten sich die Halternerinnen Viola Klüsener, Marie Peters und Lina Hovenjürgen über den Aufstieg in die 3. Liga mit der PSV Recklinghausen freuen. Letztere ist nun erneut aufgestiegen, sie ist zu Zweitligist TVB Wuppertal gewechselt. Dass es jetzt mitten in der Saison geklappt hat, ist auch der Corona-Pandemie geschuldet.

Anfang Dezember sei sie mit ihrem ehemaligen Trainer Dominik Schlechter, mit dem sie in die 3. Liga aufgestiegen war, ins Gespräch gekommen, erzählt Lina Hovenjürgen. Nach dem Aufstieg war Schlechter in die 2. Bundesliga gewechselt, nun suchte er noch eine Rückraumspielerin und wurde in der 20-jährigen Halternerin fündig.

Hovenjürgen hat ein Doppelspielrecht, spielt aber nur für Wuppertal

Der Trainer bezeichnete die Rechtshänderin im Zuge ihrer Verpflichtung als Wunschspielerin für den linken Rückraum. Beide kennen sich schon seit mehreren Jahren, arbeiteten erst in der Jugend zusammen, ehe sie bei der Seniorenmannschaft von Recklinghausen landeten.

Als Hovenjürgen und Schlechter erstmals miteinander sprachen, wurde noch heiß diskutiert, ob die Saison in der 3. Liga noch mal fortgeführt werden kann. Mittlerweile ist eigentlich klar, dass die Spielzeit annulliert wird, die Ligen unterhalb der dritten wurden im westfälischen Raum sogar schon abgebrochen.

Dadurch kann Lina Hovenjürgen auch schon jetzt für den TVB Wuppertal auflaufen. „Ich hatte mir ein paar Gedanken gemacht und dann für die nächste Saison zugesagt“, erzählt sie.

Als sich dann herauskristallisierte, dass sie mit der PSV ohnehin um nichts mehr spielen wird, entschied sie sich, schon jetzt in der 2. Bundesliga zu spielen. Nun läuft sie mit einem Doppelspielrecht auf, was für sie eigentlich gar nicht infrage gekommen wäre – für beide Teams gleichzeitig wollte sie nicht spielen.

Debüt in Liga Zwei mit gerade mal zwei Trainingseinheiten

Das Doppelspielrecht dient nun nur zur Überbrückung. Am vergangenen Samstag, 6. Februar, konnte sie auch gleich gegen Solingen ihr Debüt feiern. „Da konnte ich schon einmal kurz Zweitliga-Erfahrung sammeln“, sagt sie.

Dabei hatte sie im Vorfeld erst zwei Mal mit der neuen Mannschaft trainiert. „Ich war am Samstag den ganzen Tag nervös“, gesteht sie. „Es hatte mir eigentlich schon gereicht, auf der Bank zu sitzen“, so Hovenjürgen.

Dass sie dann direkt ein paar Minuten spielen durfte, kam für die Halternerin ziemlich überraschend. „Ich war noch ein bisschen kalt und hab‘ dann einfach versucht, die Minuten runterzuspielen“, erklärt sie. Denn die letzten etwa dreieinhalb Monate konnte die 20-Jährige sich nur individuell fit halten.

Ein paar Gesichter aus der neuen Mannschaft kennt Hovenjürgen schon

Entweder hatte sich das Recklinghäuser Trainerteam verschiedene Fitness-Challenges für die Mannschaft ausgedacht oder online gemeinsame Workouts veranstaltet. Das normale Handball-Training kann das allerdings nicht ersetzen. Und dennoch vertraute Dominik Schlechter Hovenjürgen direkt und schenkte ihr das überraschend frühe Zweitliga-Debüt.

„Das war ein schöner Moment“, sagt sie. Es soll nicht der letzte schöne bei den Wuppertalern gewesen sein. Auf Dauer möchte sich Hovenjürgen – wie sie es auch bei der PSV getan hatte – durchsetzen.

Die ersten Tage mit ihrem neuen Team verliefen derweil gut. „Das ist eine junge Truppe, die haben mich super aufgenommen“, sagt die Halternerin. Und ein paar Gesichter aus der Mannschaft kannte sie ohnehin schon. Neben dem Trainerteam war das beispielsweise Zoe Stens, die zuletzt mit einem Doppelspielrecht für Wuppertal und Recklinghausen spielte.

„Könnte ich jetzt kein Handball spielen, wäre es echt langweilig“

Zeit, die anderen Mitspielerinnen kennenzulernen, wird sie in den kommenden Monaten genug haben. Drei bis vier Mal pro Woche werde derzeit trainiert, dazu kommt dann noch jede Woche ein Spiel.

Viel Zeit wird sie daher auch in der Zukunft mit Fahrten nach Wuppertal verbringen. „Ich fahre ungefähr eine Stunde“, sagt Lina Hovenjürgen, „ab Bochum dann mit Zoe zusammen“. Die Zeit dafür hat sie derzeit aber auch, erst im Oktober starte sie mit einer Ausbildung, erzählt sie.

„Das ist gerade gut; könnte ich jetzt kein Handball spielen, wäre es echt langweilig.“ Statt sich zu langweilen, kann sie sich nun mit den Handballerinnen der 2. Bundesliga messen.

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Pascal Albert

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