Karriereende

Höwedes: „Vieles in mir hat mir damals gesagt, dass das falsch ist“

In einem Interview hat sich Benedikt Höwedes noch mal zu seinem Karriereende geäußert und erklärt, warum er nicht zurück nach Deutschland wechseln wollte. Ein weiteres Thema: das DFB-Team.
Gemeinsam mit André Schürrle (2.v.l.) wurde der Halterner Benedikt Höwedes (2.v.r.) Weltmeister. Im vergangenen Jahr haben beide ihre Karriere beendet und nun mit dem DFB-Journal darüber gesprochen. © picture alliance / dpa

Erst verkündete André Schürrle sein Karriereende, dann folgte einige Zeit später auch sein Weltmeister-Kollege Benedikt Höwedes. Im DFB-Journal-Interview haben nun beide noch mal über ihre Entscheidung und ihren neuen Alltag gesprochen. Außerdem verrät der Halterner Höwedes, wie er sich fühlte, als er in der Nationalmannschaft seinen Stammplatz verlor.

„In unserem Leben als Fußballer haben wir zehn, zwölf, 15 Jahre lang, die Situation gehabt, dass wir gebraucht wurden“, sagt Höwedes. Vor seinem Rücktritt habe er sich dann oft gefragt, wie es sein wird, wenn dieses Gefühl plötzlich verschwindet.

„Wobei ich irgendwie immer auch wusste, dass diese Gefahr bei mir eigentlich nicht besteht. Denn meine Frau und vor allem mein Sohn brauchen mich“, erklärt er.

„Ich weiß, wie viel ich dem Fußball zu verdanken habe“

Die Familie, das machte der Ex-Schalker schon mehrmals seit seinem Karriereende und auch in diesem Interview noch mal deutlich, steht bei Höwedes an erster Stelle. „Durch meine Zeit in Russland habe ich viel Zeit mit der

Familie verloren.“

Während seiner Zeit in Russland habe er manchmal gespürt, dass es zu Hause nicht gut laufe, „dass der Kleine und meine Frau mich brauchen“. Aufgrund seiner Verpflichtungen bei Lokomotive Moskau habe er dann aber nicht immer bei ihnen sein können. „Vieles in mir hat mir damals gesagt, dass das falsch ist“, so Höwedes weiter. Deshalb habe er sich letztendlich auch für das Karriereende entschieden.

Seitdem hat sich sein Alltag stark verändert. Er habe nun viel mehr Zeit für spontane Dinge und müsse beispielsweise bei Geburtstagen nicht mehr ständig absagen. „Das ist etwas, das ich so gar nicht mehr kannte und das einfach schön ist“, sagt Höwedes.

Sein Karriereende bedeute derweil nicht, dass er sich gegen den Fußball entschieden habe, erklärt er. „Fakt ist: Ich werde diesen Sport immer lieben, weil es einfach der beste Sport überhaupt ist und auch, weil ich weiß, wie viel ich dem Fußball zu verdanken habe.“

Höwedes hatte den Schalke-Fans bei seinem Abschied etwas versprochen

Sein Sohn werde sich in Zukunft „viele Erzählungen von Papa gefallen lassen müssen“, sagt der Weltmeister weiter. Ein Wechsel zurück nach Deutschland kam für ihn indes nicht in Frage.

Die Entfernung zwischen Russland und seiner Heimat sei nämlich nicht der einzige Grund für seine Entscheidung gewesen. „Ich wollte einfach nicht länger fremdbestimmt sein“, nennt er als weiteren.

Hinzu kam dann auch noch die Corona-Pandemie und das Fußballspielen vor leeren Rängen. „Außerdem hatte ich den Fans bei meinem Abschied von Schalke versprochen, dass ich in Deutschland für keinen anderen Verein spielen wollte“, sagt er.

Im Interview mit dem DFB-Journal erklären die beiden Ex-Nationalspieler Höwedes und Schürrle auch, wie sie sich immer bei der Deutschen Nationalmannschaft gefühlt haben. „Entscheidend war, dass wir als Mannschaft ein gemeinsames Ziel hatten: Wir wollten Erfolg. Und nicht: Ich will Erfolg“, erklärt der Halterner.

Benedikt Höwedes hat „ein neues Leben begonnen“

Im Verein gelte zwar erstmal der gleiche Gedanke, doch Höwedes nennt als Beispiel seine eigene Situation im Jahr 2016. „Als mich 2016 Jo Kimmich irgendwann als Rechtsverteidiger ersetzt hat, war das für mich nicht schwer zu

akzeptieren.“

Das habe daran gelegen, dass er als Mannschaft erfolgreich sein wollte. „Und wenn Jo die bessere Wahl ist, dann ist das so.“ Dass man bei der Nationalmannschaft immer nur für einen begrenzten Zeitraum zusammen ist, mache das Unterordnen etwas leichter.

„Im Verein geht es natürlich auch immer um den gemeinsamen Erfolg. Aber hätten wir in derselben Vereinsmannschaft gespielt, hätte ich natürlich sportlich darum gefightet, nicht verdrängt zu werden.“ Über den Kampf um einen Platz in der Startelf muss sich Höwedes nun keine Gedanken mehr machen.

„Ich habe ein neues Leben begonnen“, erklärt er. Momentan sei er noch dabei, „mich in diesem neuen Leben zu finden“. Die Lust auf die zahlreichen neuen Erfahrungen und Herausforderungen in diesem Leben ohne Profifußball, sagt der Halterner, ist „richtig groß“.

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