Halterns Sportplätze, wie hier die Stauseekampfbahn, konnten in den vergangenen Monaten kaum genutzt werden. Nun wurde die Fußball-Saison annulliert. © Hans Blossey
Saison-Annullierung

Halterner Reaktionen zur Annullierung: „Alles andere wäre aberwitzig gewesen“

Die Fußballsaison 2020/21 wird nicht fortgesetzt, sondern annulliert. Wir haben fünf Halterner Trainer gefragt, wie sie über die Annullierung der Saison denken. Überrascht war keiner mehr.

Die Fußballsaison 2020/21 wird nicht mehr fortgesetzt. Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) hat sich dazu entschieden, die Spielzeit vollständig zu annullieren. Den Trainern aus Haltern ist die Erleichterung anzumerken.

„Das ist die einzig richtige Entscheidung“, sagt Thomas Schaffrinna, der gemeinsam mit Phillip Oligmüller die erste Mannschaft des ETuS Haltern trainiert. Derzeit sei es einfach so, „dass ganz viele Menschen ganz andere Sorgen haben als Fußball“.

Thomas Schaffrinna vom ETuS Haltern würde sich zwar freuen, wieder mit seiner Mannschaft auf den Platz zu können, doch die Annullierung der Spielzeit ist für ihn dennoch die richtige Entscheidung.
Thomas Schaffrinna vom ETuS Haltern würde sich zwar freuen, wieder mit seiner Mannschaft auf den Platz zu können, doch die Annullierung der Spielzeit ist für ihn dennoch die richtige Entscheidung. © Jürgen Patzke © Jürgen Patzke

Seit Beginn der Pandemie habe sich viel verändert, „die Welt hat sich ein bisschen gedreht“, sagt er. Den Fußball, so Schaffrinna, sehe er momentan als eine mögliche „tolle Abwechslung“, die aber nun mal nicht höchste Priorität hat. „Ich denke, jeder sehnt sich danach, sich mit den Bekannten wieder zu treffen.“

Dafür brauche es aber nicht zwingend einen sportlichen Wettbewerb. Deshalb hält es Thomas Schaffrinna auch für richtig, nun alle Ligen zu annullieren. „Da wäre sowieso nichts Gescheites bei rumgekommen“, sagt er, „wir haben nicht mal eine halbe Hinrunde gespielt.“

Michael Onnebrink hofft auf ein mögliches Training im Sommer

In die gleiche Kerbe schlägt auch Timo Ostdorf, Trainer des Oberliga-Teams des TuS Haltern am See. „Das enge Programm wäre für uns gar nicht durchführbar gewesen“, sagt er. Zehn Spiele haben die Halterner gerade mal absolviert, zehn fehlen noch, damit zumindest der TuS in der Liga die 50-Prozent-Marke erreichen würde.

Timo Ostdorf, Trainer des TuS Haltern am See, hält die Annullierung der Spielzeit für die vernünftigste Entscheidung.
Timo Ostdorf, Trainer des TuS Haltern am See, hält die Annullierung der Spielzeit für die vernünftigste Entscheidung. © Jürgen Patzke © Jürgen Patzke

Dass sich nun für eine kollektive Annullierung entschieden wurde, sei „im Sinne der Gesundheit“ und die vernünftigste Entscheidung. „Ich denke, wir hätten uns alle eine frühere Entscheidung gewünscht, aber es war eben nicht möglich“, sagt er. Rechtlich war es dem Verband nicht früher möglich.

Auch Michael Onnebrink von Concordia Flaesheim hätte sich eine frühere Annullierung gewünscht. Überrascht war er – wie alle anderen – längst nicht mehr, dass die Spielzeit nicht noch mal fortgesetzt wird. „Das ist ganz klar die logische Konsequenz, alles andere wäre ja aberwitzig gewesen.“

Er ist froh, dass „diese Ungewissheit endlich vorbei ist.“ Nun könne man einen Haken an die Saison machen und den Blick weiter nach vorne richten. „Jetzt kann man erst mal einen normalen Vorbereitungsplan, vielleicht für Mitte Juli, erstellen“, sagt Onnebrink.

Für Flaesheims Trainer Michael Onnebrink wäre alles andere als eine Saisonannullierung aberwitzig gewesen.
Für Flaesheims Trainer Michael Onnebrink wäre alles andere als eine Saisonannullierung aberwitzig gewesen. © Jürgen Patzke © Jürgen Patzke

Ob am Ende auch im Juli wirklich wieder ein normales Mannschaftstraining stattfinden kann, das weiß der Flaesheimer Trainer aber auch, ist noch ungewiss. „Wir müssen gucken, wie es sich entwickelt“, sagt er. „Ich hoffe, dass wir vielleicht im Sommer eine halbwegs vernünftige Vorbereitung machen können.“

Dennis Schulz: „Damit war jetzt eigentlich zu 99 Prozent zu rechnen“

Darauf hofft auch Thomas Schaffrinna. Im Sommer wieder spielen oder zumindest wieder trainieren zu können, ist nun die große Hoffnung aller. Von Corona-Schnelltests, um Trainingseinheiten zu ermöglich, hält der ETuS-Trainer derweil wenig. Die Testkapazitäten sollten lieber für wichtigere Dinge genutzt werden, sagt er.

Beispielsweise in Schulen. Dort gab es zuletzt aufgrund der erneut stark ansteigenden Corona-Zahlen ein ziemliches Hin und Her, welches damit endete, dass die meisten Schüler entgegen vorheriger Pläne weiter im Distanzunterricht sind.

Davon betroffen ist auch Dennis Schulz, Trainer des TuS Sythen. Der Lehrer war alles andere als überrascht, als die Nachricht, dass die Saison annulliert wird, durchsickerte. „Wir haben Mitte April“, sagt er, „damit war jetzt eigentlich zu 99 Prozent zu rechnen.“ Denn die Zeit rannte dem FLVW allmählich davon.

Schulz hätte gerne noch mal gespielt, „aber nicht unter den Voraussetzungen“

Gerne hätte Schulz mit seinen Sythenern die erste Kreisliga-A-Saison der Geschichte auch komplett beendet. „Für die Jungs wäre es wichtig gewesen, zu Ende zu spielen“, sagt er und fügt direkt hinzu: „Aber nicht unter den Voraussetzungen.“

Sieben Spiele hatte der TuS in der nun annullierten Spielzeit in der Kreisliga A1 absolviert. Mit 13 Punkten und Platz vier war das Team von Dennis Schulz stark in die Saison gestartet. Als Standortbestimmung reicht dem Trainer das aber noch nicht.

„Wenn du eine ganze Saison spielst, kannst du sagen, wo die Mannschaft steht“, erklärt er. Nach so wenigen Partien sei das hingegen nicht möglich. Vor allem, da es laut Schulz erst in der Rückrunde so richtig spannend wird, wenn jeder schon mal gegen jeden angetreten ist und sich in der Hinrunde kennengelernt hat. „Da kommt es dann drauf an, wie man sich entwickelt hat“, so der Sythener.

Dennis Schulz war nicht überrascht von der Entscheidung des FLVW.
Dennis Schulz war nicht überrascht von der Entscheidung des FLVW. Gerne hätte er aber mit dem TuS Sythen die erste Kreisliga-A-Saison der Vereinsgeschichte zu Ende gespielt. © Jürgen Patzke © Jürgen Patzke

Ein Knackpunkt bei Diskussionen um einen möglichen Re-Start war in den vergangenen Monaten immer wieder die Dauer der Vorbereitung. Zwischenzeitlich hatte der Verband gerade mal zwei Wochen Training vor den ersten Partien ins Spiel gebracht, was nicht gerade wohlwollend aufgenommen wurde.

Die Annullierung „schützt auf jeden Fall vor vielen Verletzung“

Vor einiger Zeit hatte der FLVW dann verkündet, dass mit vier Wochen Vorbereitungszeit geplant werde. Das hatten viele schon sehr früh gefordert. Doch die Spielpause wird immer länger, mittlerweile zweifeln immer mehr daran, ob vier Wochen überhaupt noch gereicht hätten.

„Ich denke, die Entscheidung (zu annullieren, Anm. d. Red.) schützt auf jeden Fall vor vielen Verletzungen“, sagt Timo Ostdorf. Michael Homann, Trainer des SV Lippramsdorf II in der Kreisliga B, pflichtet ihm da bei. Vier Wochen Vorbereitungszeit „empfinde ich persönlich gerade in unseren Ligen nach so einer langen Pause als zu kurz“.

Michael Homann vom SV Lippramsdorf II hätte eine vierwöchige Vorbereitungszeit nach der langen Pause als zu kurz empfunden.
Michael Homann vom SV Lippramsdorf II hätte eine vierwöchige Vorbereitungszeit nach der langen Pause als zu kurz empfunden. © Archiv © Archiv

Selbst wenn alle Spieler sich fit gehalten hätten und regelmäßig an ihrer Kondition gearbeitet hätten, wäre ein Re-Start nach so wenigen Wochen schwierig, so Homann. „Laufen gehen ist ja noch mal eine andere Belastung als Fußball zu spielen“, erklärt er. Deswegen ist die Entscheidung des Verbandes auch für ihn die richtige.

In den kommenden Wochen wird allen Fußballern aber erst mal weiterhin nichts anderes übrigbleiben als an ihrer Kondition zu arbeiten. Mehr als Laufen gehen ist aktuell einfach nicht möglich.

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Erst als Praktikant, dann als freier Mitarbeiter und nach dem Volontariat seit 2021 als Redakteur für Lensing Media im Einsatz. Am liebsten im Lokalsport unterwegs - denn abseits der reinen Ergebnisse hat jedes Spiel und jeder Sportler eine spannende Geschichte zu erzählen.
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Pascal Albert

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