Kiyan Gilani (v.), hier im Duell mit Sergiño Dest, der heute für den FC Barcelona spielt, hat beim TuS Haltern am See unterschrieben. © Privat
Fußball: Oberliga

Gilani ging mit 16 ins Ausland: „Das war das Beste, was mir passieren konnte“

Kiyan Gilani spielte mehrere Jahre in den Niederlanden. Der Schritt ins Ausland sei nicht einfach, aber richtig gewesen - aus mehreren Gründen. Für die kommende Zeit formuliert er ein klares Ziel.

Mit Kiyan Gilani hat der TuS Haltern am See nach Noah Schulz noch einen zweiten talentierten Spieler für die Oberliga für sich gewinnen können. Der 20-Jährige spielte mehrere Jahre beim niederländischen Zweitligisten NEC Nijmegen in der Jugend. Ein Schritt, der den Mittelfeldspieler geprägt hat. Im Sommer waren mehrere Vereine an ihm interessiert. Am Ende traf er, wie er selbst sagt, „eine nicht so tolle Entscheidung“.

Erst Wattenscheid, dann Nijmegen und zuletzt Herne – die Vita von Kiyan Gilani lässt sich durchaus sehen. Seit wenigen Tagen steht in ihr auch noch der TuS Haltern am See. Eigentlich, sagt der gebürtige Bochumer ehrlich, hatte er auf die Regionalliga geschielt.

Gilani konnte sich in Herne nicht immer auf den Fußball fokussieren

Doch aufgrund der derzeitigen Situation mit dem Coronavirus und der Tatsache, dass die Regionalliga West trotz Pandemie durchspielt, sei es schwer, dort unterzukommen, sagt er. Dabei ist die vierthöchste Spielklasse Deutschlands kein Wunschdenken Gilanis.

Im Sommer hätte er dort spielen können, der VfB Homberg wollte ihn verpflichten, sagt er. Ebenfalls interessiert war damals Westfalia Herne um Kult-Trainer Christian Knappmann. Gilani entschied sich für Herne.

Lange blieb er dort allerdings nicht. „Das war eine nicht so tolle Zeit“, sagt er. Im Verein habe der Fokus nicht immer auf dem Fußball gelegen. Für einen im positiven Sinne fußballverrückten Spieler wie ihn sei das schwer gewesen.

„Ich fand das schade, die äußeren Umstände haben es einem nicht ermöglicht, sich voll auf den Fußball zu fokussieren.“ Daher habe er dann auch zugestimmt, seinen Vertrag nach nur wenigen Monaten wieder aufzulösen – nach gerade mal fünf Einsätzen in der Oberliga.

„Ich hoffe, dass ich einfach wieder zu alter Form finde“

Dass er sich im Sommer gegen Regionalligist Homberg entschieden hat, bereut er mittlerweile ein wenig. Dennoch geht sein Blick nach vorn: „Ich brauche jetzt wieder Spaß am Fußball.“ Den will er sich beim TuS Haltern am See zurückholen. „Ich freue mich schon darauf“, sagt er mit Blick auf seine neue Aufgabe.

Die Gespräche mit Tim Eibold und Timo Ostdorf seien sehr gut gewesen. In den vergangenen zwölf Monaten habe er wegen der Pandemie, aber auch wegen einer Verletzung und einer Drüsenfieber-Erkrankung nicht regelmäßig spielen können. Das will er in Haltern, sobald es wieder losgeht, endlich wieder tun.

Kiyan Gilani spielte mehrere Jahre in den Niederlanden für NEC Nijmegen, ehe es ihn zurück nach Deutschland und schließlich zum TuS Haltern am See zog.
Kiyan Gilani spielte mehrere Jahre in den Niederlanden für NEC Nijmegen, ehe es ihn zurück nach Deutschland und schließlich zum TuS Haltern am See zog. © Privat © Privat

„Ich hoffe, dass ich einfach wieder zu alter Form finde“, sagt er. Dabei könne ihm Haltern helfen und „ich möchte dem TuS helfen“. Seine Sprunggelenksverletzung, die ihn während seiner Zeit in den Niederlanden zwischenzeitlich stoppte, war auch mitverantwortlich dafür, dass er im Sommer den Weg zurück nach Deutschland eingeschlagen hat.

Der Schritt ins Ausland benötigte erst mal etwas Überwindung

„Durch meine Verletzung sollte ich bei Nijmegen noch ein Jahr bei der U23 spielen“, erzählt Kiyan Gilani. Das habe er dann aber abgelehnt. „Ich wollte dann nach Deutschland zurückkehren, um auch mein Abitur nachzuholen“, erklärt er. Damit endete das rund dreijährige Abenteuer Niederlande für den 20-Jährigen.

Kurz bevor er 17 wurde, wagte er den Schritt ins Ausland. „Das benötigte natürlich erst mal ein bisschen Überwindung“, sagt er, „aber es ist ja gutgegangen“. Bei der U17 der SG Wattenscheid spielte sich Gilani damals in den Vordergrund, absolvierte in der Folge auch Probetrainings beim VfL Bochum und Fortuna Düsseldorf.

Ein Jahr zuvor hatte er mit der U16 Wattenscheids ein gutes Spiel gegen die Jugend von Twente Enschede gemacht, erzählt er. Daraufhin hatte sich ein Spielerberater nach ihm erkundigt und sich ein Jahr später mit der Chance, beim NEC Nijmegen mitzutrainieren, wieder gemeldet.

Kiyan Gilani musste schon früh selbstständiger werden

„Das war eine super Sache“, sagt der Neu-Halterner. Etwa eineinhalb Wochen habe er beim damaligen Erstligisten in der Jugend trainiert. „Ich habe das Training einfach mal mitgemacht“, erinnert er sich. Gedanken über einen Wechsel in die Niederlande hatte er sich da noch gar nicht gemacht.

Erst als die Verantwortlichen von Nijmegen ihren Daumen nach oben zeigten, begann er, sich ernsthaft mit dem Schritt ins Ausland zu beschäftigen. Am Ende entschied er sich, es zu wagen. „Das war das Beste, was mir passieren konnte“, sagt er heute.

Das Niveau in der Jugendakademie des niederländischen Klubs sei hervorragend gewesen, zudem habe er sich auch persönlich weiterentwickeln können. Gilani wurde schon in jungen Jahren selbstständiger, lebte erst ein halbes Jahr in einer Gastfamilie, ehe er mit mehreren Jugendspielern zusammenzog.

Die FIFA sperrte Halterns Neuzugang für mehrere Spiele

Der Sprung von Wattenscheid zu Nijmegen sei derweil spürbar gewesen. Bei einem niederländischen Profi-Team in der Jugend zu spielen „war natürlich noch mal was anderes“, erklärt er. „Am Anfang fiel es mir mit dem Handlungstempo auf dem Platz etwas schwer“, erzählt der 20-Jährige.

In den Niederlanden sei auf dem Platz alles noch mal viel schneller. Für seine Eigewöhnung hinderlich war auch eine anfängliche Sperre für eine Handvoll Spiele. Denn Kiyan Gilani wechselte als Minderjähriger ins Ausland, erhielt daher von der FIFA eine Sperre.

„Das machte es auch etwas schwerer“, sagt er. Insgesamt habe er etwas Anlaufzeit gebraucht, „aber dann ist es super gelaufen“. Er spielte sich in den Vordergrund und wurde erst durch seine „blöde Sprunggelenksverletzung“, der Drüsenfieber-Erkrankung und Corona ausgebremst. Nun will er wieder angreifen – wann auch immer es wieder losgehen kann.

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Pascal Albert

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