Zuletzt trafen Deutschland und Frankreich um die Nationalspieler Benjamin Pavard (l.) und Leroy Sané (r.) 2018 aufeinander. Zum EM-Auftakt gibt es wieder das Duell der beiden Fußballgroßmächte. © picture alliance/dpa
Europameisterschaft

Einmal Nationaltrainer sein: So würden Onnebrink und Co. gegen Frankreich spielen

Wir haben Halterner Trainer gefragt, welche Elf sie gegen Frankreich ins Rennen schicken würden. Bei einer Personalie gibt es Uneinigkeit, beim Ausgang des Spiels sind sich aber alle einig.

Die Deutsche Nationalmannschaft ist bei der vor wenigen Tagen gestarteten Europameisterschaft in der vermeintlich stärksten Gruppe gelandet. Zum Auftakt geht es direkt gegen den amtierenden Weltmeister Frankreich. Seit Wochen wird diskutiert, wie die DFB-Elf am ersten Spieltag auflaufen soll. Wir haben drei Halterner Trainer gefragt, wie sie spielen lassen würden – auf eine Frage antworten alle gleich, bei einer anderen gibt es unterschiedliche Ansichten.

Phillip Oligmüller kann die Kimmich-Debatte nicht nachvollziehen

  • Tor: Manuel Neuer
  • Verteidigung (v.l.): Robin Gosens, Mats Hummels, Antonio Rüdiger, Joshua Kimmich
  • Defensives Mittelfeld: Toni Kroos, Ilkay Gündogan
  • Offensives Mittelfeld: Leon Goretzka
  • Sturm (v.l.): Serge Gnabry, Kai Havertz, Thomas Müller

Der Trainer des ETuS Haltern würde im Mittelfeldzentrum unter anderem auf Leon Goretzka setzen – „unter der Voraussetzung, dass er fit wird“, sagt Oligmüller. Sollte das für das Frankreich-Spiel nicht der Fall sein, könne Müller auch ins offensive Mittelfeld rücken und dafür würde Champions-League-Sieger Timo Werner in die erste Elf nachrücken.

Steht bei allen drei Halterner Trainern gegen Frankreich und Starstürmer Kylian Mbappé (l.) in der Startelf: Joshua Kimmich (r.). © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Im Sturm könne er – oder Thomas Müller – dann mit Kai Havertz „ein Wechselspiel betreiben“. Die Diskussion um die beiden Rückkehrer Müller und Hummels beendet Phillip Oligmüller schnell: Beide müssen spielen. „Und ich hätte auch Jerome Boateng mitgenommen“, sagt er.

Müller wäre bei dem ETuS-Trainer immer gesetzt. „Er ist mein zweitliebster Raumdeuter nach Joel Ferraro“, sagt Oligmüller, der keinen Zweifel daran aufkommen lässt, wo er Joshua Kimmich spielen lassen würde.

„Wir haben im Mittelfeldzentrum so viele gute Spieler, warum stellen wir dann einen der besten Rechtsverteidiger der Welt ins defensive Mittelfeld?“ Die Kimmich-Debatte sei die gleiche Diskussion wie 2014 die um Philipp Lahm. „Da war ich auch der Meinung: Er macht das gut im Mittelfeld, aber er ist einer der besten Rechtsverteidiger gewesen.“

  • Phillip Oligmüllers Tipp: 2:2

Michael Onnebrink setzt auf Leitwölfe und sortiert Sané aus

  • Tor: Manuel Neuer
  • Verteidigung (v.l.): Robin Gosens, Mats Hummels, Antonio Rüdiger, Matthias Ginter
  • Defensives Mittelfeld: Joshua Kimmich
  • Zentrales Mittelfeld: Ilkay Gündogan, Toni Kroos
  • Sturm (v.l.): Serge Gnabry, Thomas Müller, Kai Havertz

Anders als Phillip Oligmüller ist für Michael Onnebrink klar, dass Joshua Kimmich ins defensive Mittelfeld gehört. Für mich ist wichtig, dass wir gerade gegen Frankreich mit Kimmich einen richtigen Sechser haben“, sagt der Flaesheimer Coach.

Robin Gosens (M.) flog lange Zeit unter dem Radar, hat sich aber mit starken Leistungen mittlerweile zum Favoriten vieler Experten auf der deutschen Linksverteidigerposition gemausert. © picture alliance/dpa/Reuters Pool © picture alliance/dpa/Reuters Pool

Würde er mit einer Dreierkette spielen, würde er sich den Bayern-Star auch auf der rechten Außenseite vorstellen können, doch gegen Frankreich mache es für ihn deutlich mehr Sinn, mit einer klassischen Viererkette zu spielen. Dort würde er dann hinten rechts Gladbachs Ginter spielen lassen. „Er macht seine Sache immer ordentlich“, sagt er.

Genauso wie Oligmüller würde aber auch Onnebrink auf die beiden Rückkehrer Thomas Müller und Mats Hummels setzen. „Wenn du diesen Schritt (sie zurückzuholen, Anm. d. Red.) machst, ist es alternativlos – dann müssen beide spielen“, erklärt er. Aufgrund ihrer Leistung sei das aber ohnehin gerechtfertigt.

Mit den beiden habe er zudem auch direkt zwei Leitwölfe mehr im Team. Das sei beispielsweise ein Toni Kroos dagegen nicht, so der Flaesheimer. In der Offensive setzt er zudem auf Kai Havertz, der „so ein Selbstvertrauen hat, dass du ihn einfach bringen musst“, sagt er über den Siegtorschützen im Finale der Champions League. Auf Leroy Sané würde Onnebrink hingegen verzichten. „Aus qualitativer Sicht muss er eigentlich immer spielen, aber mir gefällt seine Körpersprache überhaupt nicht.“

  • Michael Onnebrinks Tipp: 1:1

Timo Ostdorf verzichtet auf Toni Kroos aus und stellt Kevin Volland auf

  • Tor: Manuel Neuer
  • Verteidigung (v.l.): Robin Gosens, Antonio Rüdiger, Mats Hummels, Lukas Klostermann
  • Defensives Mittelfeld: Joshua Kimmich
  • Zentrales Mittelfeld: Ilkay Gündogan
  • Offensives Mittelfeld (v.l.): Kai Havertz, Thomas Müller, Serge Gnabry
  • Sturm: Kevin Volland

Der Trainer des TuS Haltern am See setzt ebenfalls auf Joshua Kimmich im defensiven Mittelfeld. Das liegt aber nur daran, dass er vermutet, dass Leon Goretzka nicht mehr rechtzeitig fit wird. Sollte er doch spielen können, würde Ostdorf Kimmich nach hinten rechts ziehen, wo er ansonsten auf Leipzigs Klostermann setzen würde.

Sind bei allen drei Halterner Trainern nicht aus der Startformation wegzudenken (v.l.): Thomas Müller, Serge Gnabry und Kai Havertz.
Sind bei allen drei Halterner Trainern nicht aus der Startformation wegzudenken (v.l.): Thomas Müller, Serge Gnabry und Kai Havertz. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Mit Kimmich in der Abwehr und einem verletzten Goretzka würden viele im Mittelfeldzentrum wohl auf Gündogan und Kroos setzen. Ostdorf rechnet aber damit, dass die Franzosen gegen Deutschland mehr Ballbesitz haben werden. Da bringe ein „Ballbesitzspieler“ wie Kroos nicht allzu viel, erklärt er. „Gegen Frankreich brauchst du außerdem jemanden, der dich bei Ballverlusten in der gegnerischen Hälfte gut absichert.“

Im Sturm würde er auf Monacos Kevin Volland setzen, der eine starke Saison gespielt hat, aber dessen Nominierung dennoch nach mehrjähriger Nationalmannschafts-Abstinenz überraschend kam. „Mit ihm hätten wir vorne drin eine gewisse Körperlichkeit und er hat eine richtig geile Saison gespielt“, so der TuS-Trainer.

An Hummels und Müller gibt es derweil auch für Ostdorf kein Vorbeikommen, beide gehören für ihn in die erste Elf. Dass die Startelf des DFB am Dienstagabend genauso wie Ostdorfs Elf aussehen wird, daran glaubt er übrigens nicht. „Ich denke, Löw stellt anders auf“, sagt er.

  • Timo Ostdorfs Tipp: 1:1
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Erst als Praktikant, dann als freier Mitarbeiter und nach dem Volontariat seit 2021 als Redakteur für Lensing Media im Einsatz. Am liebsten im Lokalsport unterwegs - denn abseits der reinen Ergebnisse hat jedes Spiel und jeder Sportler eine spannende Geschichte zu erzählen.
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Pascal Albert

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