Die Mannschaft des ETuS Haltern III wurde im vergangenen Jahr neu gegründet. Einige der Spieler in den pinken Trikots hatten davor ziemlich lange nicht mehr in einem Verein gespielt. © Hieke
Fußball: Kreisliga

Comeback nach 12 Jahren: „Alle haben Verständnis, wenn mal was nicht klappt“

Einige Spieler des ETuS Haltern III standen vor ihrem Comeback in dieser Saison viele Jahre nicht mehr auf dem Platz. Drei von ihnen erzählen, warum sie wieder spielen und wie ihr Comeback war.

Seit über drei Monaten können Halterns Amateurfußballer nicht mehr ihrem liebsten Hobbys nachgehen. Sehnsüchtig warten die meisten darauf, dass sie zumindest wieder trainieren dürfen. Eine längere Pause vom Fußball haben sich einige ETuS-Spieler schon mal freiwillig genommen. Einer von ihnen stand in dieser Saison nach 12 Jahren das erste Mal wieder auf dem Platz – zum ersten Mal als Torwart.

2011 spielte Jorit Ritter vom ETuS Haltern III das letzte Mal in einem Fußballverein. Damit ist er in seinem neu gegründeten Team aber nicht mal der Spieler, mit der längsten Pause. Während Teamkollege Sebastian Masa ebenfalls vor rund zehn Jahren das letzte Mal gespielt hatte, stand Aaron Leusder das letzte Mal 2008 für einen Verein auf dem Platz.

Nach 12 Jahren stand Aaron Leusder erstmals wieder auf dem Platz

Leusder spielte zuletzt vor zwölf Jahren beim TuS Sythen. Während er damals noch als Verteidiger auflief, ist er beim ETuS III nun der neue Keeper. Davor stand er noch nie im Tor, erzählt er. „Ich hatte im Training mal gesagt, ich kann es gerne mal ausprobieren“, so der 22-Jährige.

„Das hat mir dann gut gefallen und die anderen fanden es auch gut.“ Nervös sei er bei seinen ersten Einsätzen nicht gewesen. „Ich weiß, dass ich bei uns nicht fertig gemacht werde, wenn mir mal ein Fehler unterläuft“, erklärt Leusder, „alle haben Verständnis, wenn mal was nicht klappt“.

Der Halterner spielt auch noch Basketball beim ATV Haltern. Dass er nun auch wieder Fußball spielt, daran sind seine Teamkollegen Schuld. „Das fing mit der Truppe an, wir hatten uns ja immer ab und an zum Fußballspielen getroffen“, erzählt er.

Moritz Graf kam dann mit der Idee auf die Spieler zu, dass die Hobbykicker beim ETuS Haltern unterkommen könnten. „Da war ich erst ein bisschen unsicher“, gesteht Aaron Leusder. „Als ich dann gemerkt habe, dass viele dabei sind, mit denen ich befreundet bin, hatte ich gedacht, ich probiere es auch noch mal.“

Nowitzki war mitverantwortlich dafür, dass Ritter zum Basketball wechselte

Der Start des C-Ligisten sei dann ein wenig holprig gewesen. In den ersten Partien gab es deutliche Niederlagen. Für die ETuS-Spieler jedoch kein Grund, die Köpfe hängen zu lassen. „Spaß hatten wir immer und als es dann anfing, dass wir nur knapp verloren, schöpften wir auch wieder mehr Hoffnung“, sagt er.

Mitte Oktober, kurz vor der Saisonunterbrechung wurde die Mannschaft dann das erste Mal belohnt: der SV Titania Erkenschwick II konnte mit 6:2 geschlagen werden. Neben Dreierpacker Stefan Sturm war auch Jorit Ritter erfolgreich. Für den 22-Jährigen war es das erste Pflichtspiel-Tor im Seniorenfußball.

Jorit Ritter (h.l.) spielt seit vielen Jahren Basketball beim ATV Haltern, seit dem vergangenen Sommer spielt er auch noch Fußball für den ETuS Haltern III.
Jorit Ritter (h.l.) spielt seit vielen Jahren Basketball beim ATV Haltern, seit dem vergangenen Sommer spielt er auch noch Fußball für den ETuS Haltern III. © Blanka Thieme-Dietel © Blanka Thieme-Dietel

Zuletzt hatte er vor zehn Jahren für den TuS Haltern am See gespielt. Als der Sprung in die C-Jugend anstand, entschied er sich, den Verein zu verlassen und erst mal mit dem Fußballspielen aufzuhören.

Er sei nicht so gut mit seinem damaligen Trainer zurechtgekommen. „Außerdem fing ich gerade an, mich langsam für Basketball zu interessieren“. Angestoßen wurde das Interesse durch Dirk Nowitzkis NBA-Titel im Jahr 2011.

„Wir waren ja eigentlich nur eine Hobby-Truppe“

Und so begann Ritter, ebenfalls Basketball zu spielen, was er – genauso wie Aaron Leusder – noch heute beim ATV macht. Dass er zuletzt mit dem ETuS Haltern III regelmäßig auf Punktejagd in der Kreisliga C ging, war anfangs gar nicht geplant, verrät er.

„Wir waren ja eigentlich nur eine Hobby-Truppe“, sagt er, „als wir dann beim ETuS unterkamen, war noch gar nicht geplant, dass wir am Spielbetrieb teilnehmen“. Dass sie es am Ende doch taten, habe sich einfach so entwickelt. „Das hat bisher auch richtig Bock gemacht.“

Dabei gehe es ihm gar nicht so sehr um das Fußballspielen an sich, sondern vielmehr um das gemeinsame Kicken mit seinen Freunden. „Das Coole war, dass wir als Freunde einen Grund hatten, uns wieder mehr zu sehen.“ Ritter selbst lebt beispielsweise gar nicht mehr in Haltern.

Die Mannschaft des ETuS Haltern III wurde immer größer

Vor eineinhalb Jahren zog er nach Bochum, kam bis zur Corona-Unterbrechung aber dennoch regelmäßig zum Training. Das Gleiche gilt auch für einige andere Spieler. „Auch bei den Spielen hatten wir immer genug Leute“, sagt Aaron Leusder.

Die Mannschaft des ETuS wuchs kontinuierlich weiter. „Ich weiß noch, dass wir beim ersten Training vier Mann waren und beim zweiten sechs“, erinnert sich Jorit Ritter. Beim letzten Training vor der Pause seien es dann über zwanzig gewesen. Eine Zahl, von der so manch anderes Kreisliga-Team nur träumen kann.

„Jeder hat wen mitgebracht zum Training“, sagt der 22-Jährige. Auch durch die Berichterstattung der Halterner Zeitung über die Gründung der neuen Mannschaft sei noch ein Spieler, der neu nach Haltern gezogen war, dazugekommen. „Wir haben jetzt einen sehr großen Spielerpool“, freut sich Ritter.

Während sein Teamkollege Aaron Leusder im Tor steht, beackert Ritter den rechten, offensiven Flügel des C-Ligisten. Bei seinen bisherigen Einsätzen konnte er auch schon einen großen Unterschied zum Basketball feststellen: „Von der Kondition her ist das was ganz anderes.“

Masa und Ritter merkten schnell, dass sie lange nicht mehr gespielt hatten

Beide Sportarten sind laufintensiv, doch beim Fußball sind die einzelnen Strecken, die zurückgelegt werden, oft länger. „Als ich einmal 50, 60 Meter nach vorne rennen musste, kam ich nicht mehr zurück“, erzählt Ritter.

Eine ähnliche Erfahrung machte auch sein Teamkollege und Mitbewohner Sebastian Masa (23). „Das war ziemlich hart am Anfang, 90 Minuten über den Platz zu rennen“, sagt er. „Danach bin ich echt umgekippt.“ Bis zum Lockdown besserte sich sein Fitnesszustand aber.

„Durch das Training jede Woche ist man da gut wieder reingekommen“, erklärt der Rechtsverteidiger, der vor rund zehn Jahren zuletzt für den TuS Sythen auf dem Platz stand. Beim ETuS III gehe es nicht nur um Fußball, sondern vor allem auch um die Gemeinschaft, erklärt er.

Der Spaß steht im Vordergrund: Kein Leistungsdruck beim ETuS III

Das sei auch der Hauptgrund, warum er wieder mit dem Spielen angefangen hat. „Es war ziemlich verlockend, mit den alten Freunden eine Mannschaft zu gründen“, sagt Masa. Mit der Zeit kamen dann auch einige Leute, die noch nicht zum engsten Kreis gehörten, dazu. „Das Gemeinschaftsgefühl, welches dann entstanden ist, ist schon geil.“

Vor seinem ersten Spiel sei er derweil ein wenig aufgeregt gewesen. Aber nicht, weil er so großen Respekt vor den gegnerischen, erfahreneren Seniorenspielern hatte, sondern „ich hatte eher Angst, wie ich selbst auf dem Platz aussehe“. Schließlich war sein letztes Spiel ein gutes Jahrzehnt her.

Aufgehört hatte er damals, „weil ich bei mir selbst nicht so das Potenzial gesehen habe“, erklärt Sebastian Masa. Beim ETuS III ist die Wahrnehmung jetzt anders. „Es gibt keinen Leistungsdruck“, sagt er – weder von Mitspielern noch von ihm selbst. Die Spieler des ETuS wollen einfach nur gemeinsam kicken und Spaß haben.

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Erst als Praktikant, dann als freier Mitarbeiter und nach dem Volontariat seit 2021 als Redakteur für Lensing Media im Einsatz. Am liebsten im Lokalsport unterwegs - denn abseits der reinen Ergebnisse hat jedes Spiel und jeder Sportler eine spannende Geschichte zu erzählen.
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Pascal Albert

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