Ertugay Misirci (M.), hier im Duell mit Ex-TuS-Spieler Marvin Möllers (l.), spielt seit dieser Saison für den SV Lippramsdorf. © Jürgen Patzke
Fußball: Bezirksliga

Ausgewechselt nach fünf Minuten: „Als Trainer hätte ich das gleiche gemacht“

Für Lippramsdorfs Ertugay Misirci ist es die erste Saison im Seniorenfußball. In einem Spiel nahm sein Trainer ihn fast direkt wieder vom Platz - für Misirci zwar ärgerlich, aber verständlich.

Ertugay Misirci gehört seit dem vergangenen Sommer zum Kader des SV Lippramsdorf. Für den 19-Jährigen ist es die erste Saison im Seniorenbereich. Nicht nur die Zweikampfhärte sei nun anders, verrät er. Auch im taktischen Bereich musste er sich erst an eine Veränderung gewöhnen – die hatte aber nichts mit dem Sprung zu den Senioren zu tun, sondern mit seinem neuen Trainer.

„Es macht auf jeden Fall Bock, gegen Ältere zu spielen“, sagt Misirci. Das habe er schon in der Jugend immer gerne getan, weil er so neue Erfahrungen sammeln könne. In seinem ersten halben Jahr bei den Senioren hat der Lippramsdorfer vor allem eines gemerkt: „Es ist körperlich was anderes als in der Jugend. Die Senioren gehen anders in die Zweikämpfe.“

Ertugay Misirci und Thomas Bartke sind mit dem Start zufrieden

Mit „anders“ meint er vor allem „härter“. Doch an die andere Zweikampfführung hat sich der ehemalige Jugendspieler des TSV Marl-Hüls und der SG Wattenscheid gut gewöhnt. „Ich glaube, ich habe es ganz gut hinbekommen“, sagt er. Ein Eindruck, den Thomas Bartke teilt.

Auch wenn er direkt überzeugten konnte, gab es auch ein Spiel, in dem er seinen Trainer zu einer ungewöhnlichen Entscheidung zwang. Gegen Westfalia Gelsenkirchen kam Ertugay Misirci in der 57. Minute beim Stand von 2:0 für Lippramsdorf für Tim Kalwey in die Partie.

Nur drei Minuten später sah er die Gelbe Karte, ehe er unglücklich einen Strafstoß verschuldete. Gelb-Rot sah er für das Foul, welches zum Anschlusstreffer führte, nicht. Doch ein weiteres Foul hätte er sich wahrscheinlich nicht leisten können, weshalb sich sich Bartke entschied, seinen Neuzugang nach fünf Minuten schnell wieder vom Platz zu holen.

„Das war natürlich unglücklich“, sagt der LSV-Trainer rückblickend. Die Gelbe Karte sah Misirci, weil er einen schnellen Freistoß der Gastgeber verhindern wollte, beim Elfmeterpfiff sei es eigentlich ein „normaler Zweikampf“ gewesen, erzählt der Spieler.

Lippramsdorfs Neuzugang war nicht immer ganz fit

„Natürlich habe ich mich dann geärgert“, sagt der Lippramsdorfer über die schnelle Auswechslung. Am Ende kassierte sein Team sogar noch den bitteren Ausgleich.

„Ich wollte unbedingt spielen und mit der Mannschaft gewinnen.“ Allerdings habe er auch Verständnis für die Entscheidung seines Trainers gehabt. „Wenn ich in der Situation der Trainer gewesen wäre, hätte ich das gleiche gemacht“, erklärt er.

Trotz der unglücklichen Partie in Gelsenkirchen „sind wir voll zufrieden mit ihm“, sagt Thomas Bartke. Misirci sei „ein Spieler, der uns sehr weiterbringt“. Allerdings hatte der junge Offensivspieler auch ein wenig Pech, war einige Zeit angeschlagen und fiel dementsprechend aus.

Eine Zeit lang habe er sich mit Leistenproblemen herumgeplagt, erzählt der LSV-Spieler. Mittlerweile seien die aber wieder weg. „Zumindest beim Joggen merke ich jetzt nichts mehr“, sagt er.

Misirci musste sich an das Lippramsdorfer Pressing gewöhnen

Mit der taktischen Grundausrichtung seines neuen Trainers hatte Ertugay Misirci derweil auch ein wenig Probleme zu Beginn seiner Zeit beim LSV. Denn Bartke lässt gerne relativ hoch pressen. „Das war am Anfang ungewohnt für mich“, gesteht der Lippramsdorfer Neuzugang.

Nicht, weil er in seiner Zeit als Jugendspieler nie gepresst habe, sondern weil es anders gemacht wurde. „Die ersten Spiele habe ich dann so gepresst, wie ich es aus der Jugend kannte“, erzählt er. Thomas Bartke habe ihm dann aber direkt erklärt, was er von ihm wolle; Misirci passte sich schnell an.

Aufgrund seiner Leistenprobleme und der Spielunterbrechung seit Ende Oktober konnte er in dieser Spielzeit allerdings noch nicht allzu oft spielen. Dennoch konnte sich Bartke schon ein gutes Bild vom 19-Jährigen machen.

Mit seiner guten Technik und seinen Aktionen nach vorne helfe er dem Team bereits sehr, so Lippramsdorfs Coach. Beides sind auch Fähigkeiten, die Misirci selbst auf die Frage, was denn seine Stärken seien, nennt. „Aber eigentlich spreche ich nicht so gerne über meine eigenen Stärken“, gesteht er.

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Pascal Albert

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