Unter strengen Auflagen konnten die Vereine vor dem zweiten Lockdown ihre Tore bei Ligaspielen für Zuschauer öffnen. Bald könnte das wieder der Fall sein. © Blanka Thieme-Dietel
Meinung

Auf Biegen und Brechen die Fußball-Saison fortsetzen? Bitte nicht!

Über vier Monate ruht der Spielbetrieb im Amateurfußball schon. Nun gibt es einen Termin, wann es weitergehen soll. Große Freude kommt deswegen aber längst nicht mehr auf, findet unser Autor.

Noch dürfen die Amateursportler größtenteils nicht trainieren. Stück für Stück sollen sie nun aber auf die Sportanlagen, frühestens im April könnte es wieder normales Mannschaftstraining geben. Einen Monat später, am 2. Mai, soll dann die Saison fortgesetzt werden, das ist der Zeitplan, den sich der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) gesetzt hat. Vor einigen Monaten hätte das vielleicht noch für Jubelsprünge bei mir gesorgt, mittlerweile aber nicht mehr.

Einen Monat sollte der zweite Lockdown erst mal gehen. Ein Monat, in dem also auch kein Amateursport stattfand. Das war verkraftbar. Doch inzwischen sind es über vier Monate. Um die Jahreswende rum hätte ich mich über einen Re-Start-Termin noch über alle Maßen gefreut.

Der FLVW kann die Saison offiziell noch gar nicht beenden

Mittlerweile kündigt sich aber eine dritte Coronavirus-Welle an – trotz Lockdown. Neue Mutationen sollen ansteckender sein, sie erhöhen das Risiko, am Coronavirus zu erkranken. Deshalb bin ich immer öfter hin- und hergerissen, wenn es um die Wiederaufnahme des Spielbetriebs in allen Sportarten geht, denn die Gesundheit der Menschen geht vor. Einige Verbände haben ihre Saison ohnehin schon abgebrochen.

Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen nicht. Und das aus gutem Grund: Ein frühzeitiger Abbruch, obwohl die Beendigung der Hinrunde, die zur Wertung reicht, noch möglich ist, könnte rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Schon im vergangenen Jahr gab es Vereine, die nach dem Saisonabbruch eine Klage gegen den FLVW und seine Aufstiegsregelungen in Betracht zogen. Dass sich der Verband aufgrund drohender Klagen nicht traut, abzubrechen, ist also verständlich.

Stadtinterne Duelle im Sommer statt Ligabetrieb bis Ende Juni

Nun aber ‚auf Teufel komm raus‘ wieder in den Spielbetrieb starten zu wollen, während weiterhin zahlreiche Menschen täglich an einer Corona-Infektion erkranken und teilweise sterben, halte ich für falsch.

So sehr es mich – sowohl aus journalistischer Sicht als auch aus der eines Fußball-Fans – schmerzt, dass kein Spielbetrieb stattfindet, muss man festhalten, dass wir den Kampf gegen das Virus noch längst nicht gewonnen haben.

In ein paar Monaten, wenn (hoffentlich) mehr Menschen geimpft wurden, könnte das anders aussehen. Dann wäre die Saison 2020/21 aber nicht mehr zu retten. Wäre das verkraftbar? Absolut.

Lieber im Sommer ein paar Testspiele, am besten nur stadtintern oder maximal mit Vereinen aus umliegenden Gemeinden, absolvieren, statt jetzt auf Biegen und Brechen eine Saison beenden, die ohnehin nicht mehr fair für alle beendet werden kann.

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Erst als Praktikant, dann als freier Mitarbeiter und nach dem Volontariat seit 2021 als Redakteur für Lensing Media im Einsatz. Am liebsten im Lokalsport unterwegs - denn abseits der reinen Ergebnisse hat jedes Spiel und jeder Sportler eine spannende Geschichte zu erzählen.
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Pascal Albert

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