Beim BSV Wulfen hat sich Bryant Allen schnell zum Publikumsliebling entwickelt. © Ralf Pieper
Basketball

Wulfens US-Star Bryant Allen fliegt nicht ohne Sorge in die Heimat

Bryant Allen spielt seit zwei Jahren für den BSV Wulfen. Am Dienstag tritt er seinen Heimaturlaub an. Es ist keine Heimkehr wie jedes Jahr.

Deutschland ist seine zweite Heimat, die USA sind die erste. Am Dienstag fliegt Bryant Allen dorthin zurück. Der 30-Jährige, der gerade seinen Vertrag beim BSV Wulfen verlängert hat, wird in St. Louis seine beiden Kinder wiedersehen. Er freut sich darauf. Doch da ist auch noch ein anderes Gefühl.

Schon als Corona die Vereinigten Staaten zur Krisenregion machte, erklärte Allen, dass er froh sei, das Ganze aus Deutschland beobachten zu können. Jetzt wird seine Heimat nicht nur von der Pandemie, sondern auch von den Protesten nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd in Atem gehalten.

Allen hat Verständnis für die Protestierenden. „Natürlich nur für die friedlichen!“ Denn er hat am eigenen Leib erfahren, was Diskriminierung bedeuten kann: „Du hängst nur mit ein paar Freunden rum und machst nichts. Trotzdem kommt die Polizei und kontrolliert dich.“

Seiner Meinung nach habe diese rassistische Tendenz sich in den vergangenen Jahren verstärkt. Das Problem: „Es sind gerade Menschen in Machtpositionen, die sich so verhalten und ihre Position ausnutzen.“

Der Tod von George Floyd sei deshalb ja auch kein Einzelfall: „There were so many situations like that – es gab so viele Situationen wie diese.“ Und genau deshalb glaubt Allen, dass die Proteste diesmal nicht wieder verebben werden, und er hofft, dass sie auch zu einer Veränderung führen.

Eine hat er bereits ausgemacht, auf dieser Seite des Atlantiks: „Ich glaube, die Proteste haben die Welt enger zusammen gebracht.“ Er habe im Fernsehen ein Bild gesehen von einer Black-Lives-Matter-Demonstration in Belgien: „Da waren so viele Menschen, die alle dasselbe wollten. Ich liebe dieses Zusammensein. Das ist sehr emotional, in einem wirklich guten Sinn. Das war eine wirklich schöne Szene.“

Ob er selber in St. Louis protestieren wolle? Der 30-Jährige ist vorsichtig: „Ich denke nicht. Aber auch wegen Corona.“ Wenn er an die Pandemie denkt, sieht er sich in Deutschland nach wie vor besser aufgehoben.

Und auch die Plünderungen und Ausschreitungen während der Proteste sieht er mit Sorge. „Darum darf es dabei nicht gehen! Es geht darum, für das einzustehen, was richtig ist.Wir müssen Meinungen bilden, müssen die Menschen erziehen. Gerade die Jugend. Das ist das Wichtigste, dass wir ihnen beibringen, was richtig ist.“

Sechs Wochen bis zur Rückkehr

Ob das gelingt? Bryant Allen wird es in St. Louis aus nächster Nähe beobachten können. Rund sechs Wochen wird er in den USA bleiben, bevor er zum Trainingsauftakt des BSV Wulfen zurück erwartet wird. Was auch immer er in diesen sechs Wochen erleben wird – auf die Rückkehr in seine zweite Heimat freut er sich jetzt schon. Uneingeschränkt.

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Sport ist für den Wulfener nicht nur ein wichtiger Bestandteil seines Arbeitslebens. Seit 1993 schreibt er als Mitarbeiter der Dorstener Zeitung über das Sportgeschehen in der Lippestadt, seit 1999 ist er als Redakteur für den Lokalsport in der Lippestadt verantwortlich. Dabei fasziniert ihn besonders die Vielfalt der Dorstener Sportszene, die von Fußball bis Tanzen und von Basketball bis Kitesurfen reicht.
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Andreas Leistner

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