Nordrhein-Westfalens Tennishallen sind derzeit wegen der Corona-Pandemie geschlossen. In anderen Bundesländern ist das nicht der Fall. Das führt zu einem regelrechten Tourismus der Aktiven aus NRW. © Privat
Tennis

Trainingstouristen fahren von Dorsten bis nach Niedersachsen und Hessen

Die corona-bedingte Schließung der Tennishallen in Nordrhein-Westfalen fördert

Beim Tennis als Tourist bezeichnet zu werden, ist selten schmeichelhaft gemeint. Die „Tennis-Touristen“ tragen die teuren Outfits der Stars, halten sich selbst für absolute Experten und machen meistens das Wetter, den Platz oder die Hallenbeleuchtung für die eigenen Unzulänglichkeiten verantwortlich. Der Föderalismus sorgt nun aber dafür, dass echte Tennis-Touristen aus Nordrhein-Westfalen in den Nachbarländern wie Niedersachsen oder Hessen äußerst beliebt sind. Vor allem bei Hallenbetreibern.

Hallen in NRW sind seit November dicht

In Nordrhein-Westfalen haben alle Tennishallen seit November geschlossen. Bis zum 2. Advent wurde beispielsweise in Deuten noch draußen gespielt, aber auch damit ist es aufgrund der Witterung seitdem vorbei. Die heimischen Tennisspieler gucken in die Röhre. Aber auch über die Landesgrenzen hinweg. Denn in Niedersachsen und Hessen ist Einzel in den Hallen erlaubt.

„Man muss schon lange im Voraus buchen, um einen Platz zu bekommen“, sagt Deutens Anna Beßer, die zusammen mit Neuzugang Linn-Marie Gördes sowie beiden Müttern am Wochenende oft ins hessische Korbach fährt, um dort aufzuschlagen. Mindestens zwei Stunden muss der Platz gemietet werden. Die Hallenbetreiber können sich diese Regelungen leisten, denn die Nachfrage ist riesig. „Die Plätze sind immer voll. Man sieht sehr viele Kennzeichen aus NRW“, sagt die 17-Jährige.

Direkt ein Winter-Abo in Osnabrück hat Lisa Löchter zusammen mit ihrer Mutter Daniela abgeschlossen. Die Medizinstudentin aus dem Deutener Verbandsliga-Team ist an jedem Wochenende mindestens für zwei Stunden in Niedersachsen, um sich fit zu halten. Werden spontan Stunden frei, schlägt die Familie gerne auch am Samstag und Sonntag auf.

Unterschiede gibt es beim Tennissport aber auch zwischen Hessen und Niedersachsen. Während in Hessen ein Trainer mit auf den Platz darf, sind in Niedersachsen maximal zwei Personen pro Platz erlaubt. Identisch ist die Regelung, dass keine Zuschauer in den Hallen oder in den Wartebereichen erlaubt sind. Wer nicht aktiv ist, muss draußen warten.

Kaderspieler genießen Privilegien

Privilegiert sind in diesen Zeiten die Nachwuchsspieler und Nachwuchsspielerinnen aus dem Landeskader des Westfälischen Tennisverbandes oder aus dem Bundeskader des Deutschen Tennis-Bundes. Karim Al-Amin vom Dorstener TC darf genauso im Leistungszentrum des WTV trainieren wie die Deutener Mädels Debbie Muratovic, Louisa Völz, Hannah Eifert, Eva Bennemann, Anna Beßer und Linn-Marie Gördes.

TC Deuten
Louisa Völz, Anna Beßer, Eva Bennemann und Hannah Eifert (v.l.) vom TC Deuten genießen als Kaderspielerinnen des Westfälischen Tennisverbandes Privilegien und dürfen weiter trainieren. © Privat © Privat

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